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Energie: Japan setzt deutsche Solarbranche unter Druck

Vor kaum vier Jahren hat der Boom der deutschen Solarindustrie begonnen, nach Japan haben wir den zweitgrößten Markt Solarmarkt der Welt. Doch jetzt droht den jungen Erfolgen der Branche Gefahr.

Etwa 1998 startete die Bundesregierung vor allem auf Initiative der Grünen das 100.000-Dächer-Programm und brachte ein Jahr später das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den Weg. Mittlerweile hat sich Deutschland nach Japan zum zweitgrößten Solarmarkt der Welt gemausert. Seit 1999 hat sich der Umsatz auf rund eine halbe Milliarde Euro verfünffacht. Dabei wird bisher kaum ein Prozent des deutschen Stroms mit Solarzellen gewonnen. Doch Überkapazitäten auf dem heimischen Markt, japanische Konkurrenz und unklare Signale aus Berlin gefährden die jungen Erfolge der Branche.

Noch nicht wirklich wirtschaftlich

Das Hauptproblem: Bisher sind die wenigsten Photovoltaik-Anwendungen wirtschaftlich. «Fakt ist, dass wir bei den in Deutschland günstigen Stromkosten in den nächsten zehn Jahren nicht konkurrenzfähig sein werden», sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarindustrie (BSI), Gerhard Stryi-Hipp.

Wettbewerb mit Japan belastet

Auch der Wettbewerb vor allem mit japanischen Anbietern macht der Branche zu schaffen. «Der Industrieaufbau hat in Japan früher begonnen», erklärt Stryi-Hipp. Entsprechend besser seien die Firmen positioniert. So verhindern die weltweit größten Solarunternehmen Sharp und Kyocera nicht nur erfolgreich einen Einstieg deutscher Firmen in Japan, sie machen den Deutschen auch den eigenen Markt streitig. Wegen des starken Euro würden deutsche Produkte von billigeren japanischen verdrängt.

Vorwurf der Dumping-Preise

Eines der ersten Opfer ist der Gelsenkirchener Solarmodul-Produzenten Flabeg Solar International GmbH, der im Februar Insolvenz anmelden musste. «Japanische Anbieter sind zu Preisen auf den deutschen Markt gekommen, die zum Teil unter unseren Material-Einstandspreisen lagen», sagt der Chef der Flabeg Holding, Axel Buchholz. Auch größere Firmen wie BP Solar und Shell Solar haben wegen der Überkapazitäten im Markt Produktionsstätten abgebaut.

Förderpolitik entscheidend

Entscheidend für die Zukunft der deutschen Solarindustrie ist die künftige Förderpolitik der Bundesregierung. Derzeit stellen Wirtschafts- und Umweltministerium dafür die Weichen. Bei der Neuordnung müssen sie einerseits den Bedürfnissen energieintensiver Branchen gerecht werden. Andererseits würde ein Ende der Subventionen das Aus der jungen Solarbranche bedeuten.

Standbein fällt weg

Sicher ist, dass mit dem Ende des Jahres auslaufenden 100.000- Dächer-Programm ein wesentliches Standbein der Branche wegfällt. Rund eine Milliarde Euro an zinslosen Krediten hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) damit Bauherren zur Installation von Solaranlagen bewilligt. Als einzige Subvention bleibt dann das EEG. Darin wird den Produzenten von Solarstrom jede ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde zu einem Festpreis vergütet. Die Energiekonzerne legen diese Mehrkosten auf ihre Abnehmer um. Vor allem energieintensive Unternehmen klagen daher über erhebliche Zusatzbelastungen. Die Solarfirmen hoffen, dass die Bundesregierung den Wegfall des 100.000- Dächer-Programms in einer angepassten EEG-Novelle auffängt. «Wir brauchen auch künftig eine Politik, wie sie bisher betrieben wurde», appelliert der BSI-Geschäftsführer an die Bundesregierung.

Mit den Vergütungssätzen kompensieren

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Michaele Hustedt, sieht das ähnlich: Sie geht davon aus, dass der Wegfall des 100.000- Dächer-Programms bei den Vergütungssätzen in der EEG-Novelle kompensiert wird. Bevor die Gesetzesnovelle nicht verabschiedet sei, solle das Programm nicht beendet werden, sagt Hustedt.

Wenigstens Übergangsregeln

Auf die jüngsten Nachrichten aus Berlin dürften Stryi-Hipp und die Solarbranche erleichtert reagieren: Wirtschafts- und Umweltministerium haben sich auf eine Übergangsregelung für energieintensive Branchen geeinigt. Firmen mit hohem Stromverbrauch können demnach teilweise von dem EEG-Kostenanteil befreit werden. Dabei müssen sie nachweisen, dass die Kosten ihre Wettbewerbsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. Eine endgültige Lösung in Form einer EEG-Novelle ist das noch nicht.