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ENERGIE: Weißes Haus trieb für Enron Schulden ein

War es Gegenleistung für Wahlkampf-Finanzierung? Das Weiße Haus versuchte, für den bankrotten Energiehandelskonzern Enron Milliarden-Schulden in Indien einzutreiben.

An der Aktion waren US-Vizepräsident Richard Cheney und weitere ranghohe Beamte beteiligt. Das geht aus Dokumenten hervor, die das Weiße Haus am Freitagabend in Washington veröffentlichte. Der Vorgang unterstreicht die enge Verbindung zwischen der Regierung und dem Konzern, der im Dezember in Konkurs gegangen war und im Verdacht steht, Aktionären und Angestellten die schwierige Lage verschwiegen zu haben.

Fehlverhalten dementiert

Das Weiße Haus bestätigte, dass Cheney sich im vergangenen Jahr bei einem Treffen mit der indischen Oppositionsführerin Sonia Gandhi bemühte, Schulden aus einem gestoppten Kraftwerkprojekt in Indien einzutreiben. Sprecher Ari Fleischer sagte, dass sich Cheney lediglich um Schadensbegrenzung für die amerikanischen Steuerzahler bemüht hat. Das Projekt wurde teilweise von der Regierungsbehörde Overseas Private Investment Corporation (OPIC) finanziert. Nach Informationen der »Washington Post« ging es insgesamt um 2,3 Milliarden Dollar (2,6 Mrd Euro/5 Mrd DM) an Krediten, Kreditgarantien und Versicherungssummen von OPIC und der US-Export-Import-Bank.

Enron finanzierte Bush-Wahlkampf mit

Enron und Unternehmenschef Kenneth Lay hatten enge Beziehungen zu späteren Mitgliedern der Regierung von Präsident George W. Bush und dem Präsidenten selber. Sie waren bedeutende Geldgeber für den Wahlkampf des Republikaners, unterstützten aber auch die Demokraten. Nach Angaben der Bürgergruppe Citizens for Tax Justice bezahlte Enron in vier von fünf Jahren bis 2000 keine Einkommenssteuer. In einer am Samstag veröffentlichten Umfrage des Fernsehsenders CBS vertraten 63 Prozent die Meinung, dass die Regierung über ihre Beziehungen zu Enron entweder lügt oder etwas verbirgt.

Mitarbeiter stehen vor dem Nichts

Viele der 20.000 Beschäftigten des Unternehmens, die ihr Geld bei Enron anlegten, verloren durch die Pleite ihre Alterssicherung, während Enrons Topmanager ihre Anteile rechtzeitig verkauft haben sollen. Enron hat inzwischen die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungs-Firma Arthur Andersen aufgekündigt. Hauptgrund sind jüngste Berichte über massive Aktenvernichtungen durch Angestellte von Andersen sowie die laufenden Disziplinarverfahren gegen Mitarbeiter des Büros der Gesellschaft in Houston, sagte Vorstandschef Lay. Die Vernichtung der Dokumente war durch Untersuchungen des US-Kongresses ans Tageslicht gekommen.