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ENERGIE: Zäher Wandel auf dem Tankstellen-Markt

Seit einem Jahr ist klar, dass sich der deutsche Tankstellenmarkt wandeln wird - jetzt geht's los: Die Marke BP verschwindet und etliche Stationen werden an Mittelständler verkauft.

Für die Autofahrer hat sich noch nicht viel geändert, seitdem sich einerseits Shell und DEA sowie BP und Aral andererseits zu großen Gruppen mit deutlich über 20 Prozent Marktanteil zusammengeschlossen haben. Doch nun geht es richtig los: Die neue BP/Aral-Gruppe nimmt die grüne Marke BP vom Markt und rüstet ihr Gesamtnetz auf blaue Aral-Stationen um. »Bis Ende nächsten Jahres wollen wir fertig sein«, sagt BP-Sprecher Ulrich Winkler.

Jetzt werden die Auflagen erfüllt

Das Kartellamt hatte im Zuge der Fusionen Auflagen erteilt, um die beiden großen Anbieter auf dem deutschen Markt nicht zu stark werden zu lassen. Sie müssen sich von fest definierten Marktanteilen trennen. Shell/DEA hat bereits rund 280 Stationen in kleinen Paketen an mittelständische Tankstellenbetreiber verkauft und damit ein Drittel der Kartellamts-Auflagen abgearbeitet. »Wir setzen auf den Mittelstand«, sagt Thomas Müller von Shell/DEA. Für die Mittelständler sind die Kartellamts-Auflagen eine fantastische Chance, ihre eigenen Wachstumsziele zu erreichen. Es gibt viele Kaufinteressenten, die Gespräche laufen, so Müller.

Mittelstand sieht Überkapazitäten

Das sieht der Mittelstand etwas nüchterner, weil der deutsche Mineralöl-Markt von Überkapazitäten und schrumpfenden Absatzmengen geprägt ist. »Keiner wird um jeden Preis investieren«, sagt Reinke Aukamp vom Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen in Hamburg. »Neue Tankstellen müssen ins eigene Netz passen.« Denn nach wie vor sind rund 4.000 Tankstellen zu viel am deutschen Markt, ungefähr jede vierte. Ein kartellrechtlich genehmigter Schließungsfonds, der Mittelständlern den Ausstieg aus dem Tankstellengeschäft erleichtern sollte, ist erst vor wenigen Monaten gescheitert.

Die BP/Aral geht einen anderen Weg, um die Auflagen des Kartellamtes zu erfüllen. Die Gruppe hat ein Nordpaket aus 460 und ein Südpaket aus 340 Tankstellen geschnürt, die jeweils auf einen Rutsch verkauft werden sollen. »Dabei handelt es sich um einen Querschnitt durch unser Netz«, sagt Winkler. Für einen Mittelständler sind diese Brocken zu groß, aber ein ausländischer Konzern hätte eine günstige Eintrittskarte in den deutschen Markt. Zumindest das Südpaket soll bald verkauft sein, meldet der Branchendienst EID. Als mögliche Käufer werden in der Branche immer wieder russische Konzerne wie Lukoil, Jukos und Tatneft genannt. ExxonMobil darf nach den Kartellamtsauflagen nicht kaufen, TotalFinaElf steht bislang abseits und ist wohl von den Angeboten nicht recht überzeugt.

Wettbewerb scheint zu funktionieren

Der Wettbewerb an den Zapfsäulen, so viel scheint sicher, bleibt hart. »Wir hatten in diesem Jahr schon 60 Preisbewegungen, mehr als im gesamten Vorjahr«, sagt Winkler. Das ist ein Zeichen für funktionierenden Wettbewerb. Europaweit liegen die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland im unteren Drittel, wenn die Steuern nicht eingerechnet werden. Erst mit den Steuern landet Deutschland unter den Top Fünf. Die Ertragssituation der Tankstellen hat sich gegenüber dem Vorjahr allerdings etwas gebessert; sie erwirtschaften wieder bescheidene Gewinne. Müller von Shell/DEA: »Die Verluste der Vorjahre konnte die Branche einfach nicht mehr durchhalten.«

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