Energiegipfel Entziehungskur vom Öl


Wie "Junkies an der Nadel" hingen die Industrieländer am Öl. Um die Abhängigkeit zu lindern, fordern die Grünen zur heute beginnenden Energiekonferenz den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen.

Zum Auftakt der Weltkonferenz für erneuerbare Energien ("Renewables04") am Dienstag in Bonn haben Bündnis90/Die Grünen eine nachhaltige Steigerung des Anteils regenerativer Energien auf 20 Prozent weltweit bis zum Jahr 2020 gefordert. Bundesumweltminister Jürgen Trittin setzt bei der am Vormittag in Bonn beginnenden Konferenz über erneuerbare Energien auf ein umfassendes Aktionsprogramm.

"Was wir brauchen, sind konkrete Maßnahmen," sagte der Grünen-Politiker im ARD-Morgenmagazin. Allerdings liege dafür auch schon eine Reihe von Vorschlägen auf dem Tisch.

Dazu gehörten die Verpflichtung der Länder in Karibik und Südamerika, zehn Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu speisen. Weiter nannte Trittin eine Ankündigung der Weltbank, jährlich 100 Millionen an neuen Krediten für Investitionen in diesem Bereich zur Verfügung zu stellen. Schließlich verwies der Minister auf die Zusage der Bundesregierung, dafür in den nächsten fünf Jahren eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung zu stellen.

Bis 2020 sollen 20 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen

Trittin sprach von einer Selbstverpflichtung, bis zum Jahr 2020 insgesamt 20 Prozent des heutigen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu speisen. Diese "werden eine wesentliche Säule unserer Energieversorgung sein," fügte der Bundesumweltminister hinzu. Einen Sanktionsmechanismus hält Trittin dagegen nicht für so wichtig. Damit der Aktionsplan nicht im Unverbindlichen bleibe, sei vielmehr ein Überwachungsmechanismus durch die Vereinten Nationen erforderlich, der Sanktionen in aller Regel überflüssig mache.

Der Grünen-Vize-Fraktionschef Rainer Loske sagte der "Berliner Zeitung": "Ohne ein klares und überprüfbares Ziel geht es nicht." Bislang beträgt der Anteil erneuerbarer Energien weltweit 14 Prozent. Die Zeit niedriger Ölpreise sei vorbei. "Wir müssen die Abhängigkeit vom Öl so schnell wie möglich abbauen." Derzeit hingen die Industrieländer noch am Öl "wie der Junkie an der Nadel", beklagte Loske.

Potenziale des Umweltschutzes noch lange nicht ausgeschöpft

Die Wirtschaft schöpfe die ökologischen und ökonomischen Potenziale von Umwelt- und Klimaschutz noch bei weitem nicht aus, kritisierte der Grünen-Politiker. Die Automobilindustrie verspreche zum Beispiel seit Jahren, den Spritverbrauch von Autos zu senken. Statt dessen würden immer mehr spritfressende Geländewagen auf den Markt geworfen, sagte Loske.

Der Autobauer DaimlerChrysler will nach eigenen Angaben auf der Regierungskonferenz in Bonn gemeinsam mit Partnern wie Choren, Lurgi und Shell neue aktuelle Projekte im Bereich erneuerbare Energien präsentieren. Gemeinsam mit Volkswagen und Partnerunternehmen stellt DaimlerChrysler die Sundiesel- und Eco-Ethanol-Fahrzeuge für den Shuttle Service des Parlamentarierforums zur Verfügung.

2500 Umwelt-Experten aus 130 Ländern tagen in Bonn

Veranstalter der Konferenz ist die Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Es werden rund 2500 Experten aus rund 130 Ländern zu der Konferenz erwartet. Diskutiert werden soll über Möglichkeiten, die Abhängigkeit vom Öl durch verstärkten Einsatz von Wind, Sonne, Wasserkraft, Erdwärme und Biomasse zu verringern und damit auch den Klimaschutzzielen gerecht zu werden.


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