Ermittlungen gegen Ex-Porsche-Chef Polizei durchsucht Wiedekings Privaträume


Um den Verdacht auf Marktmanipulation und Informationsweitergabe zu prüfen, wurden auch die Privatwohnungen Wiedekings und des Ex-Finanzvorstands Holger Härter durchsucht. Der Konzern weist die Vorwürfe erneut zurück.

Bei den Ermittlungen gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter sind auch deren Privaträume durchsucht worden, wie jetzt bekannt wurde. Im Rahmen einer solchen Aktion werden in der Regel auch die privaten Räumlichkeiten der Verdächtigen ins Visier genommen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart und bestätigte einen Bericht des Magazins "Spiegel". Die Ermittler prüfen den Verdacht auf Marktmanipulation und unbefugte Weitergabe von Insiderinformationen beim Übernahmedrama zwischen VW und Porsche. Ein Porsche-Sprecher betonte unterdessen erneut, dass der Konzern die erhobenen Vorwürfe zurückweise. Sie entbehrten jeglicher Grundlage.

Die Staatsanwaltschaft hatte von der Finanzaufsicht BaFin entsprechende Hinweise bekommen. Am vergangenen Donnerstag waren dann die Geschäftsräume von Porsche in der Firmenzentrale in Stuttgart-Zuffenhausen und die Privaträume von Wiedeking und Härter durchsucht worden.

Bei den Ermittlungen geht es unter anderem darum, dass Ex-Finanzchef Härter bei einem Treffen mit dem SPD- Politiker Claus Schmiedel Interna weitergegeben haben soll. Härter soll dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag gesagt haben, dass Porsche auch im Geschäftsjahr 2008/09 einen operativen Gewinn von 700 bis 800 Millionen Euro einfahren wird. Schmiedel hatte diese Zahlen dann in einem Zeitungsinterview Ende Mai ausgeplaudert.

Marktmanipulation sollte Verluste verhindern

Die Kurskapriolen der VW-Aktie im Oktober vergangenen Jahres sind dagegen nicht Hauptgegenstand der Untersuchungen. Vielmehr werden andere Zeiträume während der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW genauer unter die Lupe genommen.

Dem Bericht zufolge soll Porsche im Frühjahr 2009 mit Hilfe einer Frankfurter Bank, die ebenfalls durchsucht worden sei, den Kurs der VW-Papiere auf einem gewissen Niveau stabil gehalten haben. Damit sollte verhindert werden, dass es bei großen Kursbewegungen der Aktien zu massiven Verlusten für Porsche kommt. Ein Porsche-Sprecher wies die Vorwürfe am Samstag erneut zurück: "Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe gegenstandslos."

Die Stuttgarter halten seit Beginn des Jahres knapp 51 Prozent an Europas größtem Autobauer. Der frühere Porsche-Chef Wiedeking und sein Finanzvorstand Härter hatten sich bei der geplanten Übernahme von VW massiv verhoben, einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft und mussten schließlich Ende Juli ihren Hut nehmen. Porsche soll nun schrittweise in den VW-Konzern integriert werden.

Dabei brauchen die Beschäftigten der Sportwagenschmiede nach Angaben des neuen Porsche-Chefs Michael Macht nicht um ihre Jobs fürchten. Der Nachfolger von Wiedeking hat den mehr als 12.000 Mitarbeitern in einem Brief eine umfangreiche Arbeitsplatzgarantie gegeben. "Insbesondere im Zusammenhang mit den bevorstehenden Strukturveränderungen wird es keinen Abbau von Arbeitsplätzen geben, darauf gebe ich Ihnen mein Wort", zitiert die "Automobilwoche" aus dem Schreiben.

DPA/AP AP DPA

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