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EU-Parlament: Jagertee heißt jetzt "Hüttentee"

Das EU-Parlament hat in seiner Spirituosenverordnung festgelegt, dass Wodka, der nicht auf traditionelle Weise gebrannt wurde, seinen Namen behalten darf - mit entsprechender Kennzeichnung. Der Jagertee hatte da nicht so viel Glück.

Das Après-Ski-Getränk Jagertee wird in Hüttentee umgetauft. Nur österreichische Hersteller dürfen nach einem Beschluss des Europaparlaments auch weiterhin Jagertee produzieren. Hintergrund ist die EU-Spirituosenverordnung, die in ihrer in Straßburg verabschiedeten Neufassung geographische Herkunftsbezeichnungen noch stärker unter Schutz stellt als bislang.

Davon profitieren auch zahlreiche deutsche Schnapsbrenner, etwa die Hersteller von Münsterländer Korn oder Bayerischem Gebirgsenzian. "Ich bin der Meinung, das wird ein großer Erfolg", sagte der CDU-Europaabgeordnete Horst Schnellhardt über den Namen "Hüttentee". Denn unter dieser Bezeichnung dürften die in Bayern ansässigen deutschen Produzenten das Getränk künftig auch in Österreich vermarkten, wo der deutsche Jagertee bislang vom Markt verbannt war.

Wodka nur aus Kartoffeln und Getreide?

Die neue Richtlinie soll nach der förmlichen Annahme durch den EU-Ministerrat im Herbst in Kraft treten. Mit der Annahme des von Schnellhardt ausgehandelten Kompromissvorschlags legte das Parlament gleichzeitig einen seit Monaten tobenden Streit über die Inhaltsstoffe von Wodka bei. Die traditionellen Herkunftsländer Polen, Schweden, Finnland und die baltischen Staaten forderten, dass nur aus Kartoffeln und Getreide gewonnener Schnaps als Wodka bezeichnet werden dürfe.

Dies hätte das Aus für verschiedene Wodka-Sorten aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien bedeutet, die auf Basis von Zuckerrübenmelasse, aus Trauben und anderen Früchten, Soja oder sogar Molke hergestellt werden. Nach der Neuregelung dürfen alle Varianten weiter Wodka heißen. Die nicht ausschließlich aus Kartoffeln und Getreide gewonnenen Sorten müssen aber auf dem Etikett mit dem Zusatz "hergestellt aus..." gekennzeichnet werden.

Markenschutz

Noch am Vorabend der Abstimmung wurde im Europaparlament polnischer Wodka verteilt, wie Schnellhardt berichtete. "Das ist eigentlich nicht üblich", fügte der CDU-Abgeordnete trocken hinzu. Der finnische Europa-Abgeordnete Henrik Lax begrüßte den Kompromiss: "Es ist eindeutig eine Definition von Wodka notwendig, die jahrhundertealte Traditionen respektiert", erklärte der Liberalen-Politiker. Es sei inakzeptabel, dass die Bezeichnung bislang nicht geschützt worden sei, "während es eine Menge Beschränkungen für Handelsnamen wie Whisky, Champagner und Cognac gibt".

AP / AP