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Ex-Postchef: Keine Kohle mehr für Zumwinkel

Eine Abfindung und Gehalt bekommt Ex-Postchef Klaus Zumwinkel nicht mehr. Für Empörung sorgen nun aber Äußerungen Zumwinkels vor seinem Abgang. Da hatte er nämlich noch die Vorbildfunktion von Managern betont. Gegen den Bruder des ehemaligen Postchefs, Hartwig Zumwinkel, ist nach Informationen von stern.de unterdessen Haftbefehl erlassen worden.

Der über eine Steueraffäre gestürzte frühere Postchef Klaus Zumwinkel hat auf weitere Zahlungen aus seinem eigentlich noch bis November laufenden Vertrag verzichtet. Postsprecher Martin Dopychai sagte in Bonn, Zumwinkels Tätigkeit habe am Montag mit der Übergabe der Geschäfte an Nachfolger Frank Appel geendet. Zumwinkel selbst habe erklärt, er erhebe über diesen Zeitpunkt hinaus keine Ansprüche an den Konzern. Zumwinkel erhalte auch keine Abfindung. Zumwinkel hatte im Jahr 2006 bei der Post AG ausweislich des Geschäftsberichts fast 3 Millionen Euro verdient. Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft ihm die Hinterziehung von rund einer Million Euro Steuern über eine Stiftung in Liechtenstein vor. Ein Haftbefehl wurde gegen Kaution außer Vollzug gesetzt.

Zumwinkel äußerte sich über Werte

Vor seinem unrühmlichen Abgang wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung hat Zumwinkel noch über die Vorbildfunktion von Managern geredet. Sie sollten auch "Werte vorleben". Die aktuelle Mitarbeiterzeitung des Unternehmens verbreitete einen Tag, bevor am vergangenen Donnerstag die Steuerfahnder bei Zumwinkel auftauchten, Auszüge aus einer Rede, die der frühere Postchef Mitte Januar auf einer internen Führungskräftetagung in Berlin gehalten hatte. Bei der Post wird nun eine neue aktualisierte Ausgabe der Mitarbeiterzeitung vorbereitet.

Vor mehr als 250 internationalen Top-Führungskräften des Konzerns erklärte Zumwinkel laut Mitarbeiterzeitung, dass der Führungsstil "der wahre Schlüssel zum Erfolg" sei. "Eine Führungskraft sollte vier Herausforderungen meistern: Ergebnisse bringen, den Wechsel vorantreiben, Werte vorleben und Mitarbeiter fördern."

Haftbefehl gegen den Bruder

Gegen den Bruder des ehemaligen Postchefs, Hartwig Zumwinkel, ist nach Informationen von stern.de Haftbefehl erlassen worden. Die Staatsanwaltschaft Bochum sucht den 73-Jährigen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Auch bei ihm gibt es angeblich Hinweise, dass er Vermögen in Liechtensteinischen Stiftungen anlegte und deren Gewinne dem deutschen Fiskus verschwieg. Hartwig Zumwinkel soll sich einem Bericht der "Rheinischen Post" zufolge in Spanien aufhalten; angeblich besitzt seine Familie dort ein Ferienhaus. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Bernd Bienioßek, lehnte eine Stellungnahme ab. "Zu Namen sagen wir nichts", sagte Bienioßek.

Hartwig und Klaus Zumwinkel hatten in den 70er Jahren eine Kette mit Bekleidungsgeschäften sowie Discountläden, die sie von ihren Eltern geerbt hatten, verkauft. Der Ältere investierte einen Teil des Geldes in Immobiliengeschäfte: 17 Firmen kümmern sich um die Mehrung des familiären Vermögens. Sie sitzen in einem unscheinbaren Bürogebäude in Moers und verwalten eine Reihe von Gewerbeflächen im niederrheinischen Raum. Die Familie wohnt zurückgezogen in einer historischen Bauernkate in der Nähe von Kevelaer, die sie von gut 15 Jahren aufwendig sanieren ließ.

Struck erwartet keine Haftstrafe

Für Klaus Zumwinkel erwartet SPD-Fraktionschef Peter Struck keine Haftstrafe. "Er wird im Zweifel nicht in den Knast gehen müssen, weil er nicht vorbestraft ist", hatte der SPD-Politiker in der N24-Sendung "Was erlauben Strunz" gesagt. Struck fügte hinzu, damit sei dann eine monatelange Verhandlung überflüssig. "Ich stelle mir die konkrete Situation eines Landgerichts vor. Da ist jemand, der im Zweifel geständig ist, der vielleicht seine Steuerschulden schon zurückgezahlt hat, der auch nicht vorbestraft ist - da wird das Gericht eher sagen: Wenn Du damit einverstanden bist, kriegst Du eine Bewährungsstrafe".

Das sei "der Normalfall, gerade bei Steuerstraftaten." Allerdings räumte er ein, das sei die juristische Argumentation, die für "normale Menschen" oft nicht nachvollziehbar sei. Daher plädierte der SPD-Fraktionschef dafür, dass "gerade in einem solchen Fall" härter verhandelt werde und "keine so genannten Deals zwischen Gericht und Verteidigung gemacht werden, sondern wirklich die ganze Härte des Gesetzes zuschlägt."

DPA/AP/Johannes Röhrig / AP / DPA