Finanzkrise Börsen nach Zinsschritt auf Talfahrt


Sicher ist nur die Unsicherheit: An der Frankfurter Börse hat sich der Kursverfall nach einer kurzen Pause fortgesetzt. In Asien und den USA hatten die Kurse sich zuvor leicht erholt.

Auch nach der Beruhigungspille der US-Notenbank hält die Nervosität an den deutschen Börsen an. "Der Markt bleibt anfällig", sagte ein Händler. Die Unsicherheit über die Entwicklung an den Märkten spiegle sich im Auf und Ab der Kurse wider. Auch der Dax rutschte ins Minus.

Nach der Notbremse der US-Notenbank angesichts der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten waren die Aktienkurse an den asiatischen Märkten wieder gestiegen. Der japanische Nikkei Index legte zwei Prozent auf 12.829,06 Zähler zu. An den beiden Vortagen hatte das Börsenbarometer insgesamt 9,3 Prozent verloren. In Hongkong legte der Hang Seng Index im Nachmittagshandel kräftig zu. Montag und Dienstag hatte er insgesamt um 13,6 Prozent nachgegeben. Der australische Leitindex gewann 4,4 Prozent hinzu. Der indische Sensex machte einen Sprung um gut fünf Prozent.

Verlangsamte Talfahrt an der Wall Street

An der New Yorker Börse konnte der Druck auf die Aktienkurse am Dienstag dank der kräftigsten Zinssenkung seit 16 Jahren auf ein Minus von 1,06 Prozent beschränkt werden. Der Dow-Jones-Index schloss mit Abschlägen von 128 Zählern bei 11.971,19. In Washington kündigten US-Präsident George W. Bush und die führenden Kongresspolitiker an, die Konjunktur mit einem baldigen Paket von Steuererleichterungen zu unterstützen. "Die Dringlichkeit, die wir im eigenen Land spüren, wird noch dringlicher, da wir nun den Einfluss unserer Märkte auf andere erleben", sagte die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, am Dienstag nach einem Treffen mit Bush.

Der ebenfalls der Demokratischen Partei angehörende Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sagte, das geplante Konjunkturpaket mit einem Volumen von 150 Milliarden Dollar (103,5 Milliarden Euro) solle innerhalb von drei Wochen verabschiedet werden. Analysten erwarten indes, dass die volatile Phase an den Märkten - also ein Auf und Ab der Kurse - noch eine Weile andauern dürfte. Das schnelle Handeln der Fed wird von einigen Experten auch als ein Zeichen gesehen, dass die US-Kreditkrise ein sehr ernstes Problem darstelle. So sagte Tsuyoshi Segawa, Stratege von Shinko Securities in Tokio, manche begännen nun zu denken, dass die Dinge so schlecht stünden, dass die Zentralbank habe handeln müssen.

"Der Fed ist es gelungen, durch die Zinssenkung die Märkte zu beruhigen", sagte Aktienstrategin Susanne Lahmann von der Bremer Landesbank. Allerdings blieben die grundsätzlichen Probleme erhalten.

Trichet Zinssenkung gegenüber skeptisch

EZB-Chef Jean-Claude Trichet warnte indes vor übereilten Reaktionen auf die Turbulenzen."Einige setzten heute früh sogar auf eine Zinssenkung durch die EZB", sagte ein Händler. Vor einem EU-Parlamentsausschuss in Brüssel sagte Trichet, es sei zu früh, um Schlüsse aus der Korrektur an den Märkten zu ziehen. Aufgabe der Zentralbanken sei es, in einer solchen Lage ein ordentliches Funktionieren der Geldmärkte sicherzustellen.

Reuters/ DPA DPA Reuters

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