Finanzkrise Dax auf tiefstem Stand seit zwei Jahren

Im Bann der zugespitzten Finanzkrise in den USA ist der deutsche Aktienindex am Dienstag weiter kräftig abgerutscht. Mit 5965 Zählern schloss der DAX so schwach wie zuletzt im September 2006. Durch die Krise beim US-Versicherungsgiganten AIG droht den weltweiten Finanzmärkten unterdessen ein weiteres Erdbeben.

Angst vor weiteren Pleiten in der US-Finanzbranche hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag erneut tief ins Minus gedrückt. Der Dax schloss mit 5965 Zählern 1,6 Prozent schwächer und notierte damit auf dem niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren. Das Handelsvolumen belief sich im Dax auf rund 358 Millionen Aktien. Der MDAX mittelgroßer Werte fiel um 0,82 Prozent auf 7699,14 Zähler. Der TecDAX gab 1,67 Prozent auf 726,16 Punkte ab.

Erneut standen vor allem Finanzwerte unter Druck: Die Titel der Commerzbank büßten mehr als zwölf Prozent ein, der Kurs der Postbank sank um mehr als acht Prozent und die Allianz-Aktien gaben um 5,6 Prozent nach.

AIG-Krise könnte Märkte erneut erschüttern

Die Aktie des einst weltgrößten Versicherers AIG notierte zu diesem Zeitpunkt an der US-Börse 47 Prozent niedriger. Vorübergehend war nach Berichten über ein eventuelles Einschreiten der US-Regierung zugunsten von AIG Hoffnung auf eine Rettung des Unternehmens aufgekommen, was der Wall Street ins Plus verhalf. Doch als diese Hoffnung schwand, gaben auch die US-Börsen wieder nach. So lag der Dow-Jones-Index zu Handelsschluss in Europa 0,8 Prozent im Minus, während der Nasdaq-Composite um 0,7 Prozent fiel.

AIG sucht händeringend frisches Geld, angeblich sind bis zu 75 Milliarden Dollar nötig. Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf Insider, wenn das Geld nicht bis Mittwoch aufgetrieben sei, habe AIG möglicherweise keine andere Wahl, als Insolvenz anzumelden. Eine Pleite des Versicherungsgiganten könnte ein Erdbeben an den weltweiten Finanzmärkten auslösen, denn AIG spielt für die gesamte Geldbranche eine wichtige Rolle bei der Risikoabsicherung. Dem Zeitungsbericht zufolge arbeiten die Banken J.P. Morgan Chase und Goldman Sachs mit Unterstützung der US-Notenbank fieberhaft daran, für AIG ein Kreditpaket von 70 bis 75 Milliarden Dollar zu schnüren.

Goldman Sachs hatte am Dienstag allerdings selbst schlechte Nachrichten zu verkünden. Der Gewinn der weltgrößten Investmentbank, die sich bislang relativ gut in der seit einem Jahr schwelenden Krise gehalten hat, sank im dritten Quartal um 70 Prozent auf 845 Millionen Dollar, lag aber immerhin über den zuletzt gesenkten Analystenerwartungen. Wegen der Krise brachen Goldman in fast allen Geschäftsbereichen die Erträge weg. Die Aktien verloren zunächst mehr als zehn Prozent.

Berlin beruhigt

Unterdessen warnten sowohl Bundesfinanzminister Peer Steinbrück als auch Bundesbankpräsident Axel Weber vor Untergangszenarien. Steinbrück sagte im Bundestag, die Regierung halte für 2008 an ihrer Prognose von 1,7 Prozent Wachstum fest. Auch wenn das Wachstum kommendes Jahr schwächer ausfallen dürfte, könne von einer anhaltenden Rezession keine Rede sein. Weber hatte bereits zuvor erklärt, es gebe keinen Grund für Sorgen um den deutschen Bankensektor.

Steinbrück forderte strengere internationale Kontrollmechanismen, um "spekulativer Zügellosigkeit" zu begegnen. Zwei Forschungsinstitute senkten ihre Prognose für das kommende Jahr; von einer Rezession in Deutschland gehen aber auch sie nicht aus.

Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker