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Finanzkrise: EZB-Chef Trichet wettert gegen Aktienhändler

In der Krise liegen die Nerven in der Finanzwelt blank. EZB-Chef Jean-Claude Trichet, ansonsten als äußerst zurückhaltend bekannt, wetterte im französischen Fernsehen über den „exzessiven Pessimismus“ der Börsenakteure. Es sei an der Zeit, endlich zur Vernunft zu kommen.

Nach neuerlichen Kursverlusten an den Börsen hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, die Händler mit drastischen Worten zur Ordnung gerufen. Trichet forderte die Akteure auf den Finanzmärkten im französischen Fernsehen auf, "wieder zur Besinnung zu kommen".

Der sonst sehr zurückhaltende EZB-Präsident ging in einem Fernsehinterview des Senders France 3 mit den Verantwortlichen der gegenwärtigen Krise hart ins Gericht. "Zur Zeit haben die Akteure in Wirtschaft und Finanzwelt nicht die Zeit, die Dinge zu analysieren", sagte er am späten Mittwochabend. Doch seien sie mit ihrem "exzessiven Pessimismus" schlecht beraten, wetterte Trichet. Mit ihrer spektakulären Zissenkung am Mittwoch hätten die Zentralbanken doch gemeinsam ein deutliches "Signal des Vertrauens" gegeben – und es gebe durchaus Gründe, Vertrauen in die Märkte zu haben, sagte Trichet, ohne konkret zu werden. Nun müssten die Aktienhändler wieder "zur Vernuft kommen".

IWF-Chef lobt „richtigen Kurs“

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, lobte die gemeinsame Zinssenkung der führenden Zentralbanken am Mittwoch als "richtigen Kurs". "Wir begrüßen die koordinierte Senkung der Zinsen", erklärte Strauss-Kahn am IWF-Sitz in Washington.

Die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Fed sowie die Zentralbanken von Großbritannien, Kanada, der Schweiz und Schweden hatten ihre Leitzinsen am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt gesenkt, in der Nacht hatten sich auch asiatische Notenbanken angeschlossen. Es war die erste derartige Aktion seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Trotz des außergewöhnlichen Vorgehens gaben die Aktienkurse an den Börsen aber weiter nach. Dies hatte Trichet zu seiner Schelte veranlasst.

AFP/AP / AP
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