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Euro-Gipfel: Ereignisticker: Tokios Börse reagiert zaghaft

Allen Beteiligten sah man am Ende ihre Erschöpfung an. Immerhin hat sich die durchwachte Nacht gelohnt. Alle Infos zum Euro-Gipfel im Ticker.

+++ 04.34 Uhr: Tokios Börse tendiert fester +++

Die Tokioter Börse hat am Donnerstagvormittag in Folge positiver Nachrichten vom Euro-Gipfel in Brüssel fester tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zur Handelsmitte ein Plus von 46,81 Punkten oder 0,54 Prozent beim Zwischenstand von 8795,28 Punkten. Der breit gefasste Topix legte bis dahin 3,66 Punkte oder 0,49 Prozent auf 750,14 Zähler zu.

+++ 04.31 Uhr: Merkel ist müde, aber zufrieden +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zufrieden mit den Euro-Gipfelentscheidungen. "Wir haben heute Nacht gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen", sagte sie am Donnerstagmorgen nach zehnstündigen Beratungen in Brüssel. "Mir ist sehr bewusst, dass die Welt heute auf diese Beratungen geschaut hat." Ephorisch wollte Merkel aber nicht sein: "Ich glaube, dass wir in einer großen Kraftanstrengung diesen vieldimensionalen Ansatz hinbekommen haben, das war vor ein paar Tagen noch alles andere als selbstverständlich." Merkel steigt nach der kurzen Pressekonferenz, auf der sie sichtlich geschafft von diesem langen Tag aussieht, in ihre Limousine. Nicolas Sarkozy ist bereits wenige Minuten zuvor abgereist.

+++ 03.24 Uhr: Schuldenschnitt für Griechenland +++

Die Euro-Staaten und die Banken haben sich auf einen teilweisen Schuldenerlass für Griechenland geeinigt. Demnach sollen private Gläubiger wie Banken und Versicherer auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

+++ 02.39 Uhr: Berlusconi glaubt, Merkel hat sich entschuldigt +++

Die deutsch-italienische Kommunikation ist schwierig: Nach Angaben von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihm für Kritik an Italien entschuldigt - doch die Bundesregierung wies diese Darstellung umgehend zurück. "Frau Merkel kam zu mir, um mir ihre Entschuldigung anzubieten und ausdrücklich zu sagen, dass sie keine Absicht habe, unser Land zu beleidigen", sagte Berlusconi in einer italienischen TV-Sendung, zu der er sich am Mittwochabend während einer Pause beim EU- und Euro-Gipfel in Brüssel telefonisch zuschalten ließ. "Die Bundeskanzlerin hat gar keinen Grund, sich zu entschuldigen", erfuhr Reuters dagegen auf Anfrage aus deutschen Regierungskreisen.

+++01.25 Uhr: Gipfel geht weiter+++

Die Gespräche der Euro-Chefs mit den Bankern sind offenbar vorüber - ohne dass Ergebnisse bekannt werden. Der Eurogipfel wird fortgesetzt.

+++00.52 Uhr: Bankengespräch wird zur Chefsache+++

Merkel und Sarkozy greifen wie angekündigt in die Gespräche mit den Bankern ein, die vom Welt-Branchenverband IIF vertreten werden - der Eurogipfel wird unterbrochen. Kanzlerin und Präsident wollen die Verhandlungen über den Schuldenschnitt der Griechen voranbringen. An dem Treffen nehmen außer Merkel und Sarkozy unter anderen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sowie die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, teil.

+++00.01 Uhr: Wieviel Geld die Banken brauchen+++

Die europäischen Banken müssen mit 106,45 Milliarden Euro rekapitalisiert und für die Eurokrise fit gemacht werden. Das gibt die Europäische Bankenaufsicht (EBA) in London bekannt. Die größten Summen brauchen mit 30 Milliarden Euro Banken aus Griechenland sowie mit 26,16 Milliarden Euro Institute aus Spanien, mit 14,77 Milliarden Euro italienische Banken und mit 8,84 der Finanzsektor in Frankreich. Deutsche benötigen demnach frisches Kernkapital von 5,18 Milliarden Euro, geht aus der Mitteilung der EBA weiter hervor. Insgesamt listet die Aufsichtsbehörde 20 EU-Staaten auf, deren Banken neues Kapital brauchen.

+++23.49 Uhr: Die magische 50+++

Das Rettungspaket für die Griechen rückt näher - aber eine Frage wird möglicherweise bis zum frühen Morgen disktutiert: Wie hoch wird der Schuldenschnitt, der so genannte Haircut, des hochverschuldeten Landes ausfallen. Die Euro-Staaten fordern nach Angaben aus den Delegationen von den Banken und Versicherern, auf mindestens die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. Die Privatgläubiger sollten rund 100 Milliarden der 210 Milliarden Euro an Staatsanleihen streichen, die sie halten, sagt ein mit den Beratungen der Euro-Chefs Vertrauter. Daraus ergebe sich eine Reduktion um mehr als 50 Prozent, was mit den Konditionen für den geplanten Anleihetausch zusammenhänge. Die Banken lehnen das bislang strikt ab. Möglicherweise könnte eine Einigung nahe an 50 Prozent liegen, heißt es. Im Juli war noch von einem Abschlag von 21 Prozent die Rede.

Für die Euro-Staaten verhandelt der Italiener Vittorio Grilli mit den Banken, der den Wirtschafts- und Finanzausschuss führt. Diplomaten sprechen von sehr schwierigen Gesprächen.

Von dem Forderungsverzicht hängt die Summe der staatlichen Hilfen für das zweite Griechenland-Paket ab. Die Zahlen sind dramatisch: Nach Berechnungen der internationalen Expertengruppe benötigt Athen bis 2020 rund 252 Milliarden Euro. Somit dürften die im Juli vereinbarten 109 Milliarden Euro an Hilfe nicht reichen.

+++22.15 Uhr: Gipfel treibt Dow Jones an+++

Die ersten Ergebniss des Gipfels überzeugen offenbar die Börsianer in den USA. Der Dow-Jones-Index an der Wall Street schließt bei 11.869 Punkten, was einem Plus von 1,4 Prozent entspricht. Die Aktien von Banken legen besonders zu.

+++21.54 Uhr: Sarkozy will Chinesen um Einstieg bitten+++

Wenn Milliarden benötigt werden - dann kommt schnell China ins Spiel. Nicolas Sarkozy will am Donnerstag bei seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao anrufen, um ihn um einen Beitrag zum Euro-Rettungsfonds zu bitten. Das berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. Die Bitte von Sarkozy würde einen Tag vor dem geplanten Besuch von EFSF-Chef Klaus Regling Peking erfolgen. Der will dort mit Investoren reden. Ein Ansatz, wie die Schlagkraft der bislang mit 440 Milliarden Euro ausgestatteten EFSF erhöht werden kann: Zweckgesellschaften. Die sollen Geld bei Schwellenländern oder dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einsammeln.

+++21.42 Uhr: Hebel auf eine Billion+++

Die Euro-Regierungen sind offenbar entschlossen, dem Euro-Rettungsschirms EFSF die Möglichkeit zu geben, rund eine Billion Euro für angeschlagenen Euro-Staaten zu mobilisieren. In dem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf der Erklärung des Euro-Gipfels heißt es, dass das eingesetzte Volumen des Rettungsschirms um ein "Vielfaches" gehebelt werden solle. Aus Eurokreisen verlautet, dabei gehe es um den Faktor vier. Da von den 440 Milliarden Euro Kreditsumme nach Abzug der bestehenden Hilfspakete für Irland und Portugal sowie dem absehbaren Bedarf Griechenlands maximal noch 275 Milliarden Euro zum Hebeln frei sind, käme man damit auf ein Volumen von rund einer Billion Euro. Mehrere EU-Regierungen hatten zuvor gefordert, dass der EFSF eine wirkungsvolle "Bazooka" sein müsse, um Spekulationen gegen verschuldete Euro-Staaten abwehren zu können.

+++21.01 Uhr: Italien kündigt Reformkonzept an+++

Die italienische Regierung will offenbar bis Mitte kommenden Monats ein Reformkonzept vorlegen, um die hohen Schulden des Landes in den Griff zu bekommen und das Wachstum zu stärken. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Mittwoch berichtet, nannte Regierungschef Silvio Berlusconi in einem Brief an die Staats- und Regierungschefs des Gipfels den 15. November als Termin für die Bekanntgabe eines Wachstumsplans.

Die Absichtserklärung enthält dem Bericht zufolge unter anderem das Vorhaben, das Renteneintrittsalter ab dem Jahr 2026 auf 67 Jahre zu erhöhen. Zudem will Rom Entlassungen bei Unternehmen erleichtern und auch im öffentlichen Dienst mehr Flexibilität beim Personal durchsetzen.

+++20.35 Uhr: Merkel und Sarkozy wollen mit Banken verhandeln+++

Die Bundeskanzlerin und Frankreichs Präsident wollen den Druck auf die Banken erhöhen, einem hohen Schuldenschnitt Griechenlands zuzustimmen. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy seien bereit, persönlich mit den Vertretern der Banken zu verhandeln, heißt es aus Regierungskreisen. Demnach könnten die Gespräche noch am Abend stattfinden, um eine Vereinbarung über die Höhe des Schuldenschnitts zu erreichen.

EU-Diplomaten hatten zuvor mitgeteilt, dass die Euro-Länder nicht mehr ausschlössen, die Banken zu einem Verzicht auf etwa 50 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen zu zwingen. Ziel sei es, den griechischen Schuldenstand auf 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu drücken, anstatt 160 Prozent wie im Moment, hieß es von EU-Diplomaten. Wenn die Banken auf die Hälfte ihrer Forderungen an Athen verzichten, entspricht das etwa 100 Milliarden Euro. Die Banken sträuben sich jedoch dagegen; bisher sind sie nur zu einem Nachlass in der Nähe von 40 Prozent bereit.

+++20.16 Uhr: Erster Gipfel ist vorüber - Die Granden beraten+++

Der erste Teil des Gipfelmarathons ist vorüber. Dabei wurden die bereits von den Finanzministern vereinbarten Eckpunkte zur Rekapitalisierung der Banken beschlossen. Bevor in Brüssel nun der informelle Eurozonen-Gipfel startet, beraten nach Informationen aus Delegationskreisen nun Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zusammen mit der IWF-Chefin Christine Lagarde, EZB-Chef Jean-Claude Trichet, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso über das weitere Vorgehen.

Am Abend wollen die 17 Euro-Regierungen eine Vereinbarung über eine weitere Stärkung des Euro-Rettungsschirms EFSF sowie nach Möglichkeit auch über eine Umschuldung Griechenlands treffen.

+++20.09 Uhr: Banken brauchen mehr Kapital+++

Der erste Beschluss nimmt die Banken an die Kandare: Führende Banken in Europa müssen sich in der Schuldenkrise besser gegen Risiken wappnen und ihr Kapital aufstocken. Das sagt Polens Premier Donald Tusk, der amtierende EU-Ratspräsident, nach der erste Runde der Krisengipfel in Brüssel. Dafür haben die Kreditinstitute Zeit bis zum 30. Juni 2012. Sie müssen dann Kernkapital von neun Prozent vorhalten. Die Anforderung war vor dem Gipfel bereits erwartet worden. Der Kapitalbedarf der Banken könnte jetzt bei rund 100 Milliarden Euro liegen.

+++18.48 Uhr: 2100 Journalisten sind angemeldet+++

Der Gipfel hält neben den Politikern auch tausende Journalisten in Atem. "Das ist ein Gipfel, der großes Medieninteresse hervorruft", sagt ein Vertreter des EU-Rates. Demnach haben sich sage und schreibe 2100 Journalisten angemeldet, um von dem Treffen zu berichten. Normal seien 1000 bis 1500 Akkreditierungen. "Das ist vermutlich einer der am stärksten besetzten Gipfel seit den Jahren 2004/05 und der Diskussion über eine EU-Verfassung." Die meisten Medienvertreter stammen aus den 27 EU-Ländern, das Interesse asiatischer Journalisten an den Brüsseler Treffen nimmt aber stetig zu.

+++18.30 Uhr: Belgier fordern mehr Feuerkraft für EFSF+++

Der effektive Handlungsspielraum des Euro-Rettungsschirms EFSF soll nach Einschätzung des belgischen Regierungschefs Yves Leterme deutlich über einer Billion Euro liegen. Der EU-Gipfel müsse ein starkes Signal an die Märkte senden, sagt Leterme in Brüssel. Der Schutzschirm habe noch nicht die Feuerkraft, die er haben sollte. Es gebe jedoch Fortschritte bei den Gesprächen. Er hoffe auf eine Lösung in der Nacht.

+++18.00 Uhr: Jetzt geht's los - Merkel weiter in blauem Samt+++

Jede Menge warme Worte und vor allem Worthülsen gabs vorher, doch jetzt gilts: Der Gipfel in Brüssel läuft. Zunächst aber das Treffen der 27, also der Staats- und Regierungschefs aller EU-Länder. Spannend wird es erst beim Gipfel der 17 - der Bosse der Euro-Länder.

Die Kanzlerin gibt sich zum Auftakt gelassen, begrüßt ihre Amtskollegen mit freundlicher Miene, lacht gelegentlich sogar. Sie trägt die gleiche marineblaue Samtjacke wie zuvor in Berlin und schreitet so durch den fensterlosen Konferenzsaal im Brüsseler Ministerratsgebäude. Merkel geht rasch auf den italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi zu. Der kämpft zuhause um sein politisches Überleben, sein Lächeln in Brüssel wirkt kalt und aufgesetzt.

Kein Wunder: Merkel hatte erst beim Vorgipfel am Sonntag zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy den Italiener unter Druck gesetzt - und von ihm konkrete Spar- und Reformpläne gefordert.

+++17:57 Uhr: Papandreou schließt sich Cameron an+++

Auch Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou fordert die Staaten der Eurozone auf, endlich die Schuldenkrise zu beenden. "Auf unserer Seite macht das griechische Volk übermenschliche Anstrengungen, um unser Haus wieder in Ordnung zu bringen", sagt Papandreou vor dem Gipfel in Brüssel. Seine Kollegen und er müssten nun gemeinsam Entscheidungen treffen, um "die Unsicherheit und die Krise zu beenden".

+++ 17.33 Uhr: Cameron macht Druck auf Euro-Kollegen+++

Großbritanniens Regierungschef David Cameron fordert vor den Krisenberatungen in Brüssel eine umfassende Lösung für die Schuldenprobleme in der Eurozone. "Es ist im britischen Interesse, dass wir diese Krise lösen", sagte Cameron. "Aber auf jeden Fall brauchen wir die größtmögliche Unterstützung für die umfassendste Lösung, die möglich ist." Großbritannien gehört nicht zu den Euroländern, das EU-Mitglied sorgt sich jedoch um Auswirkungen der Schuldenkrise auf die eigene Wirtschaft.

+++ 17.13 Uhr: Neun Widersacher in der Union +++

In der schwarz-gelben Koalition haben 14 Abgeordnete gegen die Hebel für den Euro-Rettungsschirm EFSF gestimmt. In der Union lehnten neun Abgeordnete den von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen gemeinsam getragenen Entschließungsantrag ab, in der FDP waren es fünf. Zu den Nein-Sagern gehörten die bekannten Gegner einer Ausweitung der Griechenland-Hilfen unter den gegenwärtigen Bedingungen wie Wolfgang Bosbach, Klaus-Peter Willsch (beide CDU), Peter Gauweiler (CSU) und Frank Schäffler (FDP).

+++ 17.02 Uhr: Merkel dämpft in Brüssel die Erwartungen +++

Merkel hat vor Beginn des Euro-Krisengipfels in Brüssel die Erwartungen an das Treffen gedämpft. "Wir haben noch eine ganze Reihe von Problemen zu lösen und Verhandlungen zu führen", sagte Merkel bei ihrer Ankunft am Mittwoch. "Die Arbeit ist noch nicht getan."

+++ 16.31 Uhr: Dax zieht nach Zustimmung des Parlaments an +++

Der deutsche Leitindex Dax zog unmittelbar nach der breiten Zustimmung im Parlament um fast 1,5 Prozent an. Die Börsianer hoffen auf einen "großen Wurf" beim zweiten Krisengipfel in Brüssel.

+++ 16.11 Uhr: Regierungskoalition erreicht Kanzlermehrheit +++

Die schwarz-gelbe Koalition erreicht unerwartet die eigene Kanzlermehrheit. Von insgesamt 596 abgegebenen Stimmen kommen 311 aus den Reihen von CDU, CSU und FDP. Das ist genau die für eine absolute Mehrheit notwendige Stimmenzahl der insgesamt 620 Abgeordneten. Die 311 Stimmen wurden trotz Abweichlern in den eigenen Reihen und abwesenden Parlamentariern erreicht.

+++ 15.13 Uhr: Parlament stimmt für den Rettungsschirm +++

Merkel kann mit breiter Rückendeckung des Parlaments zum entscheidenden Krisengipfel der Euro-Länder nach Brüssel reisen. Der Bundestag billigte am Mittwoch in Berlin mit großer Mehrheit von 503 der 596 abgegebenen Stimmen ein Mandat für die Kanzlerin, mit der sie über die Stärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF verhandeln kann. 89 Parlamentarier votierten mit Nein, 4 enthielten sich.

+++ 14.55 Uhr: Die Abstimmung ist beendet +++

Die Abgeordneten nehmen ihre Plätze wieder ein, die Abstimmung ist beendet.

+++ 14.45 Uhr: Die Abstimmung beginnt +++

Dichtes Gedrängel im Bundestag, die Abgeordneten stimmen über einen Antrag zur Stärkung des Euro-Rettungsschirmes ab. Zur Abstimmung steht ein gemeinsamer Entschließungsantrag von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen. Darin wird gefordert, "einen möglichst effizienten Einsatz der Mittel zur Stabilisierung der Eurozone sicherzustellen".

+++ 14.43 Uhr: Flosbach lässt sich nicht bremsen

"Wir sind Vorreiter in der Frage der Restrukturierung der Banken gewesen. Es ist wichtig, dass dies auch in Europa umgesetzt wird", sagt CDU-Politiker Klaus-Peter Flosbach. "Wir fordern auch von der Bundesregieurng, dass das Thema der Schattenbanken anzugehen." Die Klingel ertönt, doch Flosbach hat sich in Rage geredet. Er mehrfach aufgefordert werden, zu reden aufzuhören.

+++ 14.29 Uhr: Globalisierungsgegner demonstrieren vor dem Reichstag +++

Anhänger des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac demonstrieren während der Parlamentsdebatte für eine eine Umkehr in der Krisenpolitik. Knapp 50 Demonstranten versammelten sich vor dem Parlamentsgebäude und entrollten ein 15 Meter langes Banner mit der Aufschrift "Banken in die Schranken." Außerdem forderten die Demonstranten auf den Plakaten "Finanztransaktionssteuer jetzt", "Undurchsichtige Finanzprodukte verbieten", "Investmentbanking von Geschäftsbanken trennen" sowie "Großbanken aufspalten".

+++14.29 Uhr: Ströbele sucht Antworten +++

Norbert Barthle, haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, wird in seiner Rede vom Grünen-Abgeordneten Christian Ströbele unterbrochen. "Ach der Herr Ströbele, gerne." Er wird seine Großzügigkeit schnell bereut haben, denn Ströbele beginnt: "Sie sind meine letzte Hoffnung." Ströbele sagt, er soll über einen Schuldenschnitt für Griechenland abstimmen, habe er in den Nachrichten gehört. Aber in den Papieren finde er nichts. Barthle gibt sich pragmatisch-abkanzelnd: "In meinen Papieren steht's."

+++14.03 Uhr: Die Stunde der Europapolitiker +++

Michael Link, europapolitischer Sprecher der FDP, darf die Position seiner Partei verdeutlichen. Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, wiederholt in groben Zügen die Position ihrer Partei. Recht monoton der Vortrag. Aufgerüttelt wird man von Michael Roth, SPD-Europaexperte, der sich gegen Haselfeldts Vorwurf verwehrt, die SPD habe die Finanzmärkt dereguliert. Die Stimmen der SPD seien der Kanzlerin zwar sicher, aber Roth prangert an, dass die Risiken des Hebels unter den Tisch fallen. Und Roth drängt darauf, dass die Finanztransaktionssteuer thematisiert wird. Merkel soll hier auf ihre Kollegen Druck ausüben.

+++ 13.54 Uhr: Trittin sucht den Hebel +++

Nein, auch wenn Trittin mit dem Rücken zum Redner saß - Jürgen Trittin hat zugehört. Denn, so ist dem Grünen-Fraktionschef aufgefallen, das Wort Hebel hat niemand in den Mund genommen. Also macht er es, einer muss ja. Und Trittin erklärt den Hebel - und was bisher verschwiegen wurde - nämlich das sehr wohl Risiken mit dem Hebel verbunden sind. "Das müssen Sie den Menschen sagen und gleichzeitig erklären, warum der Hebel dennoch richtig ist." Spricht es, will aber auch nicht der erste sein, der die Risiken in vollem Umfang schildert. Und dann - so viel Zeit muss sein - fordert Trittin eine Vermögenssteuer.

+++ 13.48 Uhr: Jetzt doch - Ernst fragt +++

Der Grundsatzbeschluss gehe zu Lasten der Bürger, zu Lasten der Bildung, zu Lasten des Gesundheitssystems - Grund genug für Ernst, einem solchen Paket nicht zuzustimmen. "Ungeheuerlich!", ruft Ernst aus. Seine Stimme überschlägt sich fast. Ernst lässt es sich nicht nehmen, daraufhin zu weisen, dass den Banken das Geld in den Hintern gestopft werde.

+++ 13.48 Uhr: Warme Worte von Kauder an Merkel +++

Volker Kauder freut sich immer noch, dass der Bundestag einig ist und alle - bis auf die Linke - dem Paket zustimmen werden. Denn: Kanzlerin Merkel wird so gestärkt am Abend nach Brüssel reisen.

+++ 13.41 Uhr: Ernst will Zwischenfrage stellen +++

Der stellvertretende Linken-Parteivorsitzender Klaus Ernst will eine Zwischenfrage stellen. Norbert Lammert macht Volker Kauder darauf aufmerksam. Aber der lässt sich nicht beirren und redet und redet und redet. Bis er schließlich an den Punkt kommt, an dem er dem deutschen Bundesbürger unterstellt, dass er die große Gemengelage in punkto Euro-Krise gar nicht verstehe. Daher müssen die Bundestagsabgeordneten die Menschen beruhigen. Wie er sich das vorstellt? Mit dem folgenden Satz: "Wir haben die Instrumente." Jetzt ist der Zuschauer baff.

+++ 13.36 Uhr: Kauder grantelt gegen Gysi +++

Körperlich gibt sich Volker Kauder, Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ganz beherrscht als er ans Mirkofon tritt, klammert sich ans Pult, stützt sich auf. Verbal geht er hingegen auf Konfrontationskurs, zieht den Kommunismusvorwurf gegen Gysi, auch die SPD und Steinmeier bekommen ihr Fett ab Bundestagspräsident Norbert Lammert rügt noch schnell Gysi, weil dieser die Redezeit überzogen hat.

+++ 13.32 Uhr: Gysi dirigiert +++

Frank-Walter Steinmeier lehnt lässig im Sessel. Jürgen Trittin hat Gysi den Rücken zugekehrt. Schade, so verpasst er den aufgebrachten Linken-Fraktionschef der sich die Finger wund gestikuliert. Es scheint als dirigiere er den Schuldenchor. Steinmeier bekommt eine Watschen, weil die SPD dem Grundsatzbeschluss zustimmen wird.

+++ 13.29 Uhr: Gysis Rechenstunde +++

Gysi rechnet sich in Rage: Durch die vergangenen drei Krisenjahre galoppiert der Linken-Fraktionschef, wirft diverse Rechenbeispiel ins Plenum, erzählt von griechischen Schicksalen ("Soll die griechische Lehrerin denn verhungern?") und schafft es tatsächlich noch einen Mindestlohn für alle Branchen zu fordern und die Steuersenkungsambitionen der FDP zu kritisieren.

+++ 13.24 Uhr: Gysi kritisiert die Koalition +++

Linkspartei-Fraktionschef Gregor Gysi wirft der Koalition eine Vernachlässigung des Parlaments vor. Die Koaliton habe das Parlament über die Risiken des Rettungsschirms getäuscht. "Aus einem vagen Haftungsrisiko wird eine zwingende, direkte Zahlung durch den Steuerzahler."

+++ 13.17 Uhr: Brüderle lobt Europa +++

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagt: "Die Europäische Union ist das erfolgreichste Friedensprojekt aller Zeiten, aber wir brauchen Vertragsänderungen."

+++ 13.08 Uhr: Brüderle ergreift das Wort +++

"Es wird ein Signal der Entschlossenheit ausgehen", sagt FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle vor dem Plenum. "Der Schuldenschnitt ist eine Gebot der Fairness, der sozialen Marktwirtschaft. Wer mit Risiken Gewinne einfahren kann, muss auch Verluste einfahren können", sagte er mit Blick auf die Banken.

+++ 13.06 Uhr: Steinmeier fordert Finanzmarkttransaktionssteuer +++

"Wir erwarten, dass die Finanzmarktstransaktionssteuer kein Lippenbekenntnis wird, sondern durchgesetzt wird", sagt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

+++ 13.00 Uhr: Steinmeier ätzt gegen Merkel +++

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier richtet harte Worte an Angela Merkel: "Wir brauchen seit Langem einen Schuldenschnitt", sagte er vor dem Bundestag. "Damals haben Sie gesagt, alles Unsinn. Wir sind dafür, das europäische Bankensystem zu stabilisieren. Wir sind überzeugt, davon, dass der Rettungsschirm nicht ausreicht."

+++ 12.51 Uhr: Barroso wartet auf Post von Berlusconi +++

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wartet auf schriftliche Zusagen Italiens für Reformen zur Verringerung der Schuldenlast. Ein entsprechender Brief von Ministerpräsident Silvio Berlusconi werde noch vor Beginn des EU- und Euro-Gipfels erwartet, sagte ein Sprecher der Behörde. Das Schreiben hat laut Medien einen Umfang von 14 Seiten.

+++ 12.47 Uhr: Merkel fordert Schuldenerlass für Griechenland +++

Merkel forderte die privaten Gläubiger auf, sich in einem deutlich größerem Umfang als bisher an einer Umschuldung Griechenlands zu beteiligen. Der bisher vereinbarte freiwillige Schuldenverzicht von 21 Prozent reiche nicht mehr aus. Nach einem Schuldenschnitt in Athen müsse dann eine Ansteckung anderer Euro-Länder unbedingt verhindert werden, erklärte Merkel.

+++ 12.41 Uhr: "Wir betreten Neuland"

"Wir alle betreten Neuland", sagt Merkel vor dem Plenum. "Die Themen werden uns noch Jahre beschäftigen." Die Lage sei sehr ernst und die Krise zu bewältign erfordere Ausdauer.

+++ 12.37 Uhr: Regierung setzt sich für Finanzmarkttransaktionssteuer ein +++

"Die Regulierung der Finanzmärkte bleibt eine der großen Aufgaben, die noch lange nicht erledigt sind", sagt Merkel. "Die Bundesregierung setzt sich für eine Finanzmarktstransaktionssteuer ein bei dem G20-Gipfel in Cannes ein." Sie wird durch Zwischenrufe unterbrochen.

+++ 12.33 Uhr: Zunächst einen politischen Grundsatzbeschluss fassen" +++

Mit Blick auf die diskutierten Optionen für eine höhere Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds EFSF stellt Merkel klar, dass die Euro-Länder beim Krisengipfel in Brüssel zunächst einen politischen Grundsatzbeschluss fassen werden. Sollten dann die entsprechenden Leitlinien mit dem Modell für eine höhere Effizienz des Fonds vorliegen, würden diese natürlich selbstverständlich im Bundestag beraten.

+++ 12.35 Uhr: Rettungsschirm muss möglichst wirksam sein" +++

Merkel betont, der Rettungsschirm EFSF müsse möglichst wirksam gestaltet werden. Es komme für Deutschland nicht in Frage, dass die Europäische Zentralbank (EZB) hier mit eingebunden werde.

+++ 12.29 Uhr: "Griechenland soll schnell auf die Beine kommen" +++

Merkel betont, Deutschland wolle Griechenland in vielerlei Hinsicht beim Ausweg aus der Schuldenkrise helfen. So gebe es in Kürze ein Treffen deutscher und griechischer Kommunen, um eine gemeinsame Zusammenarbeit auszuloten. "Wir wollen, dass Griechenland schnell wieder auf die Beine kommt", macht Merkel klar.

+++ 12.25 Uhr: "Sie können es Firewall nennen, wenn Sie des Englischen mächtig sind" +++

Merkel spricht von einer Ansteckungsgefahr, die von Griechenland ausgehen könne imd von einer Abschirmung anderer Länder. "Sie können es auch Firewall nennen, wenn Sie des Englischen mächtig sind", sagt sie. Die Abgeordneten im Plenarsaal lachen.

+++ 12.23 Uhr: Merkel spricht sich für stärkere Rekapitalisierung der Banken aus +++

"Eine stärkere Rekapitalisierung der Banken ist unbedingt notwendig", sagt Merkel

+++ 12.22 Uhr: "Die Griechen verdienen unseren Respekt" +++

"Den Griechen wird viel abverlangt, sie verdienen unseren Respekt." sagt Angela Merkel. Die Verschuldung solle bis 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken.

+++ 12.14 Uhr: Angela Merkel beginnt mit der Regierungserklärung +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel ergreift das Wort. "Unsere gemeinsamen Anstrengungen haben sich gelohnt", sagt sie vor dem Plenum des Bundestags. Deutschland sei stärker aus der Finanzkrise gekommen als es hineingegangen sei. "Die Arbeitslosigkeit ist so gering wie seit 20 Jahren nicht mehr", sagte sie. "Deutschland kann es auf Dauer nicht gutgehen, wenn es Europa schlecht geht." Das wichtigste Anliegen der Bundesregierung sei, dass auch Europa stärker aus der Krise herauskomme. "Europa muss eine Stabilitätsunion werden."

+++ 11.08 Uhr: Goldpreis steigt auf Fünf-Wochen-Hoch" +++

Zweifel an schnellen Maßnahmen zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise treiben die Anleger in den sicheren Hafen Gold. Der Preis für das Edelmetall kostete mit 1719,80 Dollar je Feinunze zeitweise so viel wie seit fast fünf Wochen nicht mehr. Das entspricht einem Aufschlag von knapp einem Prozent zum Dienstagsschluss.

+++ 10.58 Uhr: Unionsfraktion geht von breiter Mehrheit aus +++

Die Unionsfraktion im Bundestag geht von einer breiten eigenen Mehrheit der Koalitionsfraktionen bei der Abstimmung über eine Stärkung des Euro-Rettungsschirms EFSF aus. "Das sind zwei starke Signale der Handlungsfähigkeit", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier (CDU) im Deutschlandfunk. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde "mit einem klaren und ganz breiten Mandat des Deutschen Bundestages gestärkt nach Brüssel fahren".

+++ 09.47 Uhr: Europa wirbt um Unterstützung Chinas +++

Europa wirbt in der Euro-Schuldenkrise um die Unterstützung Chinas. Der Chef des Euro-Rettungsschirms EFSF, Klaus Regling, werde am Freitag zu einem Besuch nach Peking reisen, erklärte eine EU-Delegation am Mittwoch. Zuvor hatte das chinesische Außenministerium die Hoffnung geäußert, die Europäische Union (EU) werde effektive Maßnahmen ergreifen, um das Vertrauen an den Finanzmärkten wiederherzustellen. Ähnlich äußerte sich der japanische Finanzminister Jun Azumi.

+++ 09.39 Uhr: Griechenland erwartet Schuldenschnitt von 50 Prozent +++

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos erwartet einem Zeitungsbericht zufolge als Ergebnis des EU-Gipfels vom einen Schuldenschnitt von 50 Prozent. Die Gläubiger erhielten je 100 Euro ihrer Forderungen 15 Euro in bar sowie 35 Euro in Form 30-jährigen Schuldverschreibungen mit einem Coupon von sechs Prozent, berichtete die Zeitung "Kathimerini". Entgegen dem im Juli vereinbarten Restrukturierungsplan würden die neuen Schuldverschreibungen nicht vom Stabilisierungsfonds (EFSF) garantiert.

+++ 09.03 Uhr: Euro bleibt über 1,39 Dollar +++

Vor dem EU-Schuldengipfel hat sich der Euro am Mittwoch über der 1,39-Dollar-Marke behauptet. Die Gemeinschaftswährung notierte bei 1,3923 Dollar nach 1,3906 im New Yorker Schlussgeschäft vom Dienstag.

+++ 07.48 Uhr: Bundestagspräsident Lammert zeigt sich zuversichtlich +++

Bundestagspräsident Norbert Lammert geht davon aus, dass Kanzlerin Angela Merkel mit einem ausreichenden Verhandlungsmandat zum Euro-Schuldengipfel nach Brüssel reist. Der erwartete Entschließungsantrag des Bundestages für die konkrete Ausgestaltung des Euro-Rettungsschirmes EFSF sorge dafür, sagte der CDU-Politiker der "Mitteldeutschen Zeitung". "Wir sichern damit eine unzweifelhafte Legitimation für mögliche Verhandlungsergebnisse oder einen Abschluss des Gipfels", sagte Lammert. "Ich bin damit rundum zufrieden." Die Fraktionen von Union, FDP, SPD und Grünen haben sich auf einen gemeinsamen Entschließungsantrag für die Bundestagsdebatte verständigt. Lediglich die Linkspartei schloss sich nicht an.

ben/fro/Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters