Finanzkrise Hypothekenkrise trifft deutsche Banken

Die Hiobsbotschaften für deutsche Banken wegen der US-Kreditmarktkrise reißen nicht ab. Die Pleite einer weiteren US-Hypothekenbank sandte weitere Schockwellen in die verunsicherte Branche. Zu den Kreditgebern der Homebanc, die Ende der Woche Schutz vor ihren Gläubigern gesucht hat, gehören auch Deutsche Bank und Commerzbank.

Unterdessen bezifferte die WestLB ihr Engagement in dem Krisen-Markt auf über eine Milliarde Euro. Die Postbank nahm 600 Millionen Euro in die eigenen Bücher, die sie zwei Untergesellschaften des angeschlagenen Fonds Rhineland abseits ihrer Bilanz zur Verfügung gestellt hatte. Der Rhineland-Fonds der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB hatte sich am US-Hypothekenmarkt verspekuliert und die Bank damit ins Schlingern gebracht. Großaktionär KfW musste stützen.

Anlagerisiken und Kreditrisiken

Steigende Zinsen und fallende Häuserpreise haben nach dem Ende eines jahrelangen Booms in den USA zu drastisch höheren Ausfallraten bei Baufinanzierungskrediten geführt. Die Kredite wurden an Investoren wie Hedge-Fonds, über Derivate aber auch an Banken weitergereicht. Daneben haben europäische Banken US-Instituten direkt Kredite gewährt. So gehören Deutsche Bank, Commerzbank und die französische Großbank BNP Paribas zu den Gläubigern der Pleite gegangenen HomeBanc. Das geht aus Unterlagen der US-Finanzaufsicht SEC hervor, die auf der Webseite der Homebanc zu finden sind. Die Deutsche Bank war am Sonntag nicht zu einer Stellungnahme bereit. Die Commerzbank war nicht zu erreichen. Finanzchef Eric Strutz hatte allerdings vor wenigen Tagen erst gesagt, die Subprime-Krise sei kein großes Thema für die Bank.

Ein Postbank-Sprecher erklärte am Sonntag, in den 600 Millionen Euro, die die Bank in ihre Bücher geholt habe, seien bis zu 200 Millionen enthalten, die in irgendeiner Form mit dem Subprime-Markt zu tun hätten. 400 Millionen seien oberhalb des Subprime-Sektors investiert. Insgesamt stünden bei der Postbank 800 Millionen Euro direkt oder indirekt mit dem US-Immobiliengeschäft in Zusammenhang.

Von der Düsseldorfer WestLB hieß es, der Wertpapierbestand im Subprime-Sektor der WestLB-Gruppe inklusive aller Töchter belaufe sich auf 1,25 Milliarden Euro. Die Papiere seien bei den Ratingagenturen zu 98 Prozent mit "A" oder besser eingestuft, 87 Prozent sogar mit "AA" oder besser. Bereits am Donnerstag hatte die WestLB eingeräumt, die Verwerfungen am US-Immobilienmarkt hätten auch sie erreicht. Die Situation der von Verlusten im Eigenhandel gebeutelten Bank lasse sich aber in keiner Weise mit der IKB vergleichen.

Auch die SachsenLB ist angesichts der Krise ins Rampenlicht geraten. Die Finanzaufsicht BaFin nimmt eine fast 13 Milliarden Euro schwere Zweckgesellschaft der Bank ins Visier. Die Landesbank beschwichtigte: "Wir haben keine Liquiditätsprobleme. Wir können alle unsere Verpflichtungen erfüllen."

Angst vor Ausweitung der Krise

Rund um den Globus hatten die Notenbanken kurz vor dem Wochenende Milliardensummen in das Bankensystem gepumpt, um die tief verunsicherten Anleger zu beruhigen. Innerhalb von 48 Stunden wurden so mehr als 230 Milliarden Euro in den Finanzkreislauf gebracht, soviel wie seit den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr.

Doch trotz der konzertierten Aktion wächst weltweit die Sorge vor einer Ausbreitung der Krise. Dabei richten sich die Blicke auch nach China. Das rasante Wachstum hat dort offenbar zu Fahrlässigkeit bei der Kreditvergabe verführt. In China würden Kredite noch laxer vergeben als in den USA, sagen Finanzexperten. Die chinesischen Banken, die Hypothekenkredite über umgerechnet 289 Milliarden Euro gewährt hätten, nähmen keine Bonitätsprüfungen vor, zitierte die Zeitung "South China Morning Post" am Sonntag den Wissenschaftler Yi Xianrong von der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften.

Reuters Reuters

Mehr zum Thema

Newsticker