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Investmentbank: Lehman Brothers kämpft ums Überleben

Die kriselnde US-Investmentbank Lehman Brothers hat im dritten Quartal einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar eingefahren. Bereits im zweiten Quartal war ein Milliardenverlust angefallen. Zudem hat eine koreanische Bank die Gespräche über einen Einstieg bei Lehman Brothers abgebrochen.

Die viertgrößte US-Investmentbank kämpft ums Überleben. Das durch die Hypothekenkrise stark angeschlagene Traditionshaus Lehman Brothers kündigte am Mittwoch in New York einen Teilverkauf seiner Vermögensverwaltung und die Ausgliederung der Gewerbeimmobilien in eine eigene Aktiengesellschaft an, um sich finanziell Luft zu verschaffen. Auch eine vollständige Übernahme wurde nicht ausgeschlossen.

Im dritten Geschäftsquartal machte Lehman Brothers nach vorläufigen Zahlen einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar (knapp 2,8 Milliarden Euro). Die Börse reagierte positiv auf die Ankündigung radikaler Sanierungsschritte. Die Aktie von Lehman Brothers, die am Dienstag rund 45 Prozent eingebrochen war, legte zum Handelsauftakt an der Wall Street um 7,8 Prozent auf 8,40 Dollar zu.

Bereits im zweiten Quartal seines am 1. Dezember beginnenden Geschäftsjahres hatte Lehman Brothers wegen der US-Hypothekenkrise einen Verlust von 2,87 Milliarden Dollar hinnehmen müssen und damit erstmals seit seiner Ausgliederung aus American Express im Jahr 1994 rote Zahlen geschrieben. In diesem Jahr verlor die Bank damit schon 6,5 Milliarden Dollar.

Umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen angekündigt

Lehman Brothers kündigte an, einen Anteil von 55 Prozent an seiner wertvollen Investment-Management-Branche verkaufen zu wollen, zu der auch die erst 2003 übernommene Vermögensverwaltung Neuberger Berman gehört. Der Name eines möglichen Käufers wurde nicht genannt; Vorstandschef Richard Fuld sprach von "fortgeschrittenen Verhandlungen". Der Wert des Investment-Managements wird von Analysten insgesamt auf 10 Milliarden Dollar geschätzt.

Außerdem sollen Anfang 2009 Gewerbeimmobilien im Wert von 25 Milliarden bis 30 Milliarden Dollar in eine neue Aktiengesellschaft mit Namen REI Global (Real Estate Investments Global) ausgegliedert werden. Ferner soll die Dividende auf 5 Cent gekürzt werden, nach zuletzt 68 Cent. Zusammengenommen würden diese Maßnahmen die Firma schnell von Risiken befreien und in eine neue Größe bringen, erklärte Fuld in einer Telefonkonferenz für Investoren. "Eine starke und saubere Bilanz wird uns befähigen, uns wieder auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren."

Fuld fügte hinzu, das Geldhaus werde "alle strategischen Alternativen prüfen, die den Wert für die Aktionäre steigern können". Beobachter werteten das als Andeutung, dass Lehman Brothers auch für eine vollständige Übernahme durch ein anderes Finanzhaus offen wäre.

Börsenwert dramatisch gesunken

Gespräche über einen Einstieg der staatseigenen Korea Development Bank (KDB) waren allerdings zuvor bereits gescheitert, wie am Mittwoch bestätigt wurde. KDB begründete die Entscheidung mit "Differenzen" und dem Verweis auf die Finanzmarktlage. An der Börse ist der Wert von Lehman Brothers in den vergangenen Monaten drastisch gesunken: Am Dienstag war Lehman Brothers nur noch 5,4 Milliarden Dollar wert, vor einem Jahr waren es noch 36 Milliarden Dollar.

Die internationale Bankbranche hat im Zusammenhang mit der seit mehr als einem Jahr grassierenden Hypothekenkrise mittlerweile mehr als 300 Milliarden Dollar verloren. In den USA sind bereits mehrere Banken zusammengebrochen oder wurden in letzter Sekunde gerettet, wie Bear Stearns im März durch eine Übernahme durch JP Morgan Chase und jüngst die Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac durch eine staatliche Zwangsverwaltung.

DPA/Reuters / DPA / Reuters