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Finanzkrise: Staat kontrolliert Commerzbank

Mit der Commerzbank wird die erste deutsche Geschäftsbank teilverstaatlicht: Das Institut benötigt aus dem staatlichen Rettungsfonds weitere zehn Milliarden Euro, wodurch der Bund zum Großaktionär der Bank wird. Sowohl die Bundesregierung als auch Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller begrüßten die Entscheidung.

Die zweitgrößte deutsche Privatbank gehört künftig zu 25 Prozent dem Staat: Der Bund hilft der Commerzbank mit einer weiteren Eigenkapitalspritze in Höhe von 10 Milliarden Euro, wie das Institut am Donnerstag bekanntgab. Mit dem Geld soll die Übernahme der Dresdner Bank abgesichert werden, die damit kurz vor dem Abschluss stehe. Sowohl die Bundesregierung als auch Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller begrüßten die Entscheidung. Die neue Milliarden-Hilfe kommt aus dem Banken-Rettungsfonds Soffin. Im Gegenzug erhält der Bund 25 Prozent plus eine Aktie der Bank und verfügt damit über eine Sperrminorität, kann also Unternehmensentscheidungen blockieren.

Die Börse reagierte prompt auf die Nachricht: Commerzbank-Papiere schlossen 14 Prozent im Minus bei 5,25 Euro, nachdem sie zuvor bis zu 21,3 Prozent auf 4,79 Euro gefallen waren. Das Papier zog auch den Dax weiter in die Tiefe, der zeitweise über zwei Prozent verlor, die Verluste konnte er aber teilweise wieder gutmachen, schloss aber doch 1,17 Prozent im Minus bei 4.879,91 Punkten.

Glos: "Bund kann Gewinn machen"

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte dem "Handelsblatt", mit dem zusätzlichen Kapital "kann die Commerzbank ihre Aufgabe besser erfüllen, die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen". Der Einstieg des Bundes müsse zudem kein Verlustgeschäft sein: "Der Bund kann seine Beteiligung wieder verkaufen und damit Gewinn machen." Auch das Bundesfinanzministerium zeigte sich zufrieden: "Die Bereitschaft der Soffin, die Commerzbank mit zusätzlichem Eigenkapital zu stärken, und die vorgesehene Beteiligung des Bundes mit 25 Prozent plus einer Aktie sind ein starkes Signal für eine starke Commerzbank", sagte Ministeriumssprecher Torsten Albig. Die Beteiligung des Bundes sei keine Teilverstaatlichung, "sondern Wahrnehmung unserer Verantwortung für einen der großen deutschen Akteure am Finanzmarkt".

Aufsichtsratschef Müller erklärte, die Beteiligung sorge dafür, "dass die Bank jetzt nicht gleich Gegenstand von Übernahme- oder Zerlegungsaktivitäten wird". Der Einstieg des Bundes zeige, dass sich die Politik zur zweitgrößten Bank und zur Kreditwirtschaft in Deutschland bekenne. Die neue Commerzbank werde eine Kapitalquote von gut 10,1 haben und könne ihre Aufgaben auch als Bank für den Mittelstand damit gut erfüllen, sagte Müller, der zugleich Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken ist.

Experte: Richtige Entscheidung

Der Bankenexperte Wolfgang Gerke nannte die Teilverstaatlichung der Bank im "Münchner Merkur" aus gesamtwirtschaftlichem Interesse heraus richtig. "Auf diese Art und Weise bleibt der Bankenwettbewerb in Deutschland erhalten und die Kreditversorgung der Wirtschaft wird unterstützt", sagte der Professor. Auch der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel bezeichnete die Teilverstaatlichung der Commerzbank als "konsequent und gut". Der "Thüringer Allgemeinen" sagte er, die Beteiligung müsse allerdings zeitlich beschränkt werden, aber "nicht so, dass der Staat nur während der Verlustphase beteiligt ist - er muss auch an den Gewinnen beteiligt werden".

Im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank bereits eine Kapitalspritze in Höhe von 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage aus dem Sonderfonds erhalten. Wie die Commerzbank angab, will der Soffin die zusätzlichen 10 Milliarden Euro Eigenkapital durch eine Emission von 295 Millionen Stück Stammaktien sowie eine stille Einlage in Höhe von rund 8,2 Milliarden Euro bereitstellen. Zusätzlich will die Allianz als bisherige Mutter der an die Commerzbank verkauften Dresdner Bank die Kapitalausstattung ihrer bisherigen Tochter mit einer stillen Einlage in Höhe von 750 Millionen Euro stärken, wie das Institut mitteilte. Außerdem werde man verbriefte Wertpapiere der Dresdner für etwa 1,1 Milliarden Euro übernehmen. Deren Eigenkapitalanforderungen würden damit um 700 Millionen Euro entlastet.

AP/ukl / AP