Finanzplatz Deutschland Investmentfirmen holen namhafte Helfer


Bei ihrer Einkaufstour in Deutschland sichern sich die international tätigen Beteiligungsgesellschaften immer öfter prominente Hilfe. Denn sie haben zwar gut gefüllte Geldbeutel, aber nicht immer auch die richtigen Kontakte.

Während die Kassen ausländischer Investoren gut gefüllt sind, fehlt es zuweilen an den richtigen Kontakten und dem nötigen Wissen über die Besonderheiten der Branche und des deutschen Marktes. Bekannte Manager sollen da helfen. Jüngstes Beispiel ist der vor knapp einem Jahr abgelöste Infineon-Chef Ulrich Schumacher, der jetzt zum Partner der US-Investmentgruppe Francisco Partners berufen wurde.

Von Schumacher bis Middelhoff

Schumacher befindet sich mit seinem Wechsel in die Investment-Branche in guter Gesellschaft. So fädelte jüngst Ex-ThyssenKrupp-Chef Dieter Vogel für den Finanzinvestor Lindsay, Goldberg & Bessemer die Übernahme des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co AG (KlöCo) mit ein. Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser wurde für General Atlantic Partners aktiv, Investcorp sicherte sich die Dienste des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Thomas Middelhoff. "Ein Middelhoff kennt natürlich wahnsinnig viele Leute. Vor allem aber kann er ein intimes Branchenwissen einbringen, dass den branchenfremden Finanzinvestoren oft fehlt", sagt ein Manager einer Beratungsfirma, die schon viele Übernahmen begleitet hat.

In der Vergangenheit hatten sich internationale Firmen bei geplanten Übernahmen in Deutschland oft nicht sehr geschickt angestellt. Gerade in den achtziger Jahren hätten viele Investoren eigene Manager etwa aus den USA oder Kanada nach Deutschland geschickt, um Übernahmen vorzubereiten oder die Geschäfte zu führen, sagt der Geschäftsführer beim Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, Holger Frommann. "Das waren Leute, die fachlich gut waren, aber mit der deutschen Mentalität nicht zu Rande kamen." Unterschiedliche Sprachen und Firmenkulturen, Rechts- und Steuersysteme hätten das Engagement erschwert.

Markt nicht mehr von Unbekannten bearbeitet

"Aus der Vergangenheit wurden aber Lehren gezogen", sagt Frommann. Heute knüpften die Investoren entweder Kooperationen mit einer vor Ort bereits aktiven Private-Equity-Gesellschaft. "Oder man sondiert den Zielmarkt und bildet vor Ort ein entsprechendes Team mit Leuten, die den Markt kennen und Netzwerkteile mit einbringen." Dabei könne das Engagement eines erfahrenen Managers durchaus Sinn machen.

Nach Einschätzung von Experten geht es den Investoren bei der Einstellung prominenter Führungskräfte nicht primär um deren persönliche Kontakte. "In der Vergangenheit gab es viele so genannte Golfplatz-Deals, bei denen die persönlichen Kontakte entscheidend waren", sagt ein Branchenkenner. Inzwischen aber laufe vieles über die beteiligten Investmentbanken. Manager wie Middelhoff oder Schumacher seien daher vor allem wegen ihrer Insider-Informationen über die entsprechenden Branchen gefragt.

Neuer Karriereweg für gestolperte Firmenchefs

Das ist offenbar auch im Fall Schumacher so. "Dr. Schumacher verfügt über exzellente Kenntnisse der globalen Märkte und wir werden insbesondere von seinem umfassenden Fachwissen in den Bereichen Halbleiter und Hardware profitieren", sagte David Stanton, Gründer von Francisco Partners.

Schumacher war dem Vernehmen nach unter anderem wegen seines autoritären Führungsstils bei Infineon abgelöst worden. In der Branche war lange spekuliert worden, welchen Job der 46-Jährige wohl als nächstes annehmen könnte. Bei deutschen Unternehmen galt er auch wegen seines schlechten Verhältnisses zur IG Metall als schwer vermittelbar. So öffnet das Interesse der Investmentgesellschaften auch Managern einen neuen Karriereweg, die bei einem Unternehmen gescheitert sind. Bisher galt in Deutschland, anders als etwa in den USA, ein Neuanfang für gefallene Unternehmenschefs als schwierig.

Axel Höpner, dpa DPA

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