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FIRMENPLEITE: Ex-Enron-Manager beging Selbstmord

Der im Mai 2001 zurückgetretene Aufsichtsrats-Vize J. Clifford Baxter wurde mit einer Schusswunde im Kopf aufgefunden. Neben ihm lag ein Abschiedsbrief.

Der ehemalige Vice-Chairman des zusammengebrochenen US-Energiehändlers Enron, J. Clifford Baxter, hat nach Polizeiangaben offenbar Selbstmord begangen. Baxter, der im Mai 2001 von seinem Posten zurückgetreten war, wurde mit einer Schusswunde im Kopf in seinem Auto aufgefunden, teilte die Polizei in Houston am Freitag mit. Neben ihm lag ein Abschiedsbrief. Hinweise auf Fremdeinwirkung waren nicht zu erkennen, fügte eine Sprecherin hinzu. »Wir sind über den tragischen Verlust unseres Freundes und Kollegen Cliff Baxter tief betroffen«, teilte Enron mit. Anfang Dezember hatte Enron Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursgesetzes beantragt. Der Zusammenbruch von Enron, dessen Chef (Chief Executive Officer, CEO) Kenneth Lay am Mittwoch von seinem Posten zurückgetreten war, ist der größte Unternehmenszusammenbruch der US-Geschichte.

Zuständig für Zukäufe und Fusionen

Der in Amityville im US-Bundesstaat New York geborene Baxter lebte in Sugar Land, einem Vorort von Houston, und war bei Enron hauptsächlich für Zukäufe und Fusionen zuständig. Vor seinem Rückzug aus dem Unternehmen im Mai 2001 soll er heftige Diskussionen mit dem damaligen Enron-Chef Jeffrey Skilling über Bilanztransaktionen geführt haben, mit denen Schulden in Milliardenhöhe verschleiert wurden und die letztlich zum Zusammenbruch des Unternehmens führten. »Cliff Baxter hat sich heftig bei Skilling und jedem, der es hören wollte, über unsere unsachgemäßen Transaktionen mit LJM beschwert«, heißt es in einem Brief der ehemaligen Enron-Mitarbeiterin Sherron Watkins an Ex-CEO Ken Lay. Die Beschwerden richteten sich diesen Informationen zufolge gegen die Investment-Partnerschaften LJM und LJM2, die von dem früheren Finanzvorstand Andrew Fastow geführt wurden und ihm zusätzlich zu seinem Enron-Gehalt 30 Millionen Dollar einbrachten. Ein Vertreter Fastows lehnte eine Stellungnahme dazu am Freitag ab.

Brisante Polit-Verbindungen

Verschiedene Ausschüsse des US-Kongresses, das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht untersuchen derzeit die Umstände, die zu dem Zusammenbruch von Enron geführt haben. Unter anderem geht es um den Verdacht von Bilanzfälschung und von Insidergeschäften. Der am Mittwoch zurückgetretene Lay hatte den Wahlkampf von US-Präsident Georg W. Bush 2000 großzügig unterstützt. Lay hatte den einstigen Börsenstar seit 1986 geführt. Enron war damals aus der Fusion der beiden Gas-Pipeline-Gesellschaften Houston Natural Gas und Internorth hervorgegangen.

Untersuchungsbehörde droht US-Vize Cheney mit Klage

Die Untersuchungs- und Prüfungsbehörde des Kongresses (GAO) will nach Medienberichten vom Freitag bis Ende nächster Woche entscheiden, ob Cheney per Gericht gezwungen werden soll, Informationen über Kontakte zur Energieindustrie preiszugeben. Ein solcher Schritt der GAO gegen einen US-Vize wäre bisher einmalig.

Mauscheleien beim Energieprogramm?

Konkret geht es um die Frage, welche Treffen zwischen Geschäftsleuten und einer Arbeitsgruppe unter Cheney stattfanden, die das umstrittene Energieprogramm der Bush-Regierung entworfen hatte. Umweltgruppen, die das Programm als absolut unternehmerfreundlich kritisieren, drängen schon seit Monaten vergeblich auf eine Offenlegung. Vor dem Hintergrund der Enron-Affäre haben sich nun aber zwei Kongressabgeordnete offiziell an die GAO gewandt und rechtliche Schritte gefordert. GAO-Chef David Walker sagte am Freitag in einer öffentlichen Erklärung, dass er immer noch auf eine Kooperation der Regierung hofft. »Aber unser Geduldsfaden ist dünn.«