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Plakat mit klarer Aussage: Das hat der Real-Markt den rechten Hetzern in Heidenau zu sagen

In Heidenau halten sich Gerüchte, dass Flüchtlinge ungestraft im Real-Supermarkt klauen dürfen und bevorzugt behandelt werden. Jetzt bezieht das Unternehmen ganz klar Stellung. Und fordert Respekt und Menschlichkeit. 

Der Real-Supermarkt in Heidenau liegt schräg gegenüber der Flüchtlingsunterkunft

Der Real-Supermarkt in Heidenau liegt schräg gegenüber der Flüchtlingsunterkunft

Jeder, der schon einmal in einem etwas größeren Supermarkt einkaufen war, kennt die Pappaufsteller im Eingangsbereich. Darauf werden besondere Aktionen beworben und auf Sonderangebote hingewiesen. Die Supermarktfiliale von Real im sächsischen Heidenau nutzt diesen prominenten Info-Punkt nun aber für deutliche Worte in eigener Sache.

Hetze gegen Flüchtlinge

Seitdem Flüchtlinge in den leer stehenden Baumarkt in Heidenau, schräg gegenüber dem Real-Supermarkt, eingezogen sind, halten sich hartnäckig Gerüchte: Flüchtlinge dürften ungestraft klauen, ab 20 Uhr wäre der Markt nur noch für die Geflüchteten geöffnet und die Zahl der Diebstähle sei seit dem Einzug deutlich gestiegen. Und überhaupt - der Markt bevorzuge die Flüchtlinge ganz generell.

Auf Facebook stacheln sich die Hetzer mit immer neuen Gerüchten an. In der Gruppe "Heidenau hört zu", die rund 3500 Mitglieder hat, schreibt ein User von einem Einkauf, den er beobachtet haben will. Zwei Männer, "Iraner oder ähnlich", hätten sich in der Bekleidungsabteilung mit neuen Sportklamotten ausgestattet - und hätten diese nicht bezahlt. Es entspinnt sich eine muntere Diskussion, ob Mitarbeiter von Real bewusst bei solchen Vergehen wegsehen müssen. Am Ende würde ja eh der Staat alles zahlen.

"Verurteilen falsche und hetzerische Gerüchte"

Der Unternehmenskommunikation von Real reicht es jetzt offenbar - hier will man solche Hetze nicht mehr hinnehmen. Kaum zu übersehen hat die Marktleitung einen Aufsteller mit einem deutlichen Text versehen: "Wir verurteilen falsche und hetzerische Gerüchte, die in den Sozialen Medien kursieren, aufs Schärfste." Mit den "hetzerischen und böswilligen" Gerüchten räumt der Markt in drei Punkten auf: Nein, es gebe nicht mehr Ladendiebstähle als vor dem Einzug der Flüchtlinge. Nein, der Markt ist nicht ab 20 Uhr nur noch für Flüchtlinge reserviert. Kunden könnten von 7 bis 22 Uhr einkaufen. Und nochmal nein, Flüchtlinge werden nicht bevorzugt, es gibt keine Gutscheine für sie oder eine andere Sonderbehandlung.  

"Wir sind der Meinung, dass jeder Mensch, der aus einer entsprechenden Notlage heraus in Deutschland ankommt, mit dem nötigen Respekt empfangen werden sollte und wir sehen kulturelle und ethnische Vielfalt als Bereicherung", schreibt das Unternehmen weiter auf dem Plakat. Der Text, der in Heidenau aufgestellt wurde, hängt inzwischen auch in einem Markt in Erfurt. Offenbar gab es dort ähnliche Missverständnisse, berichtet die "Sächsische Zeitung". In der Facebook-Gruppe zumindest wird nun über einen Boykott des Supermarktes diskutiert. 

 

kg