HOME

G8-Treffen: Finanzminister tagen erstmals in Moskau

Die Gefahren für die Weltwirtschaft durch den hohen Ölpreis sowie die Entschuldung der ärmsten Länder werden voraussichtlich im Zentrum des G8-Treffens am Wochenende stehen.

Die Finanzminister der G8 kommen am Samstag erstmals unter russischem Vorsitz zusammen, um den Gipfel der Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands im Juli vorzubereiten. Hauptthemen der Beratung in Moskau seien die Sicherung der Energieversorgung weltweit und ein Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt, kündigte der russische Finanzminister Alexej Kudrin an. Präsident Wladimir Putin wollte die Minister im Kreml empfangen. Russland führt 2006 erstmals den Vorsitz in der G8. Aus Berlin flogen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und sein Staatssekretär Thomas Mirow am Freitag nach Moskau.

"Wir wollen 2006 dem Pariser Club vorfristig zehn bis zwölf Milliarden US-Dollar zurückzahlen", bekräftigte Kudrin in einem Interview mit der Deutschen Welle. Damit würden die Auslandsschulden Russlands bei staatlichen Gläubigern fast vollständig abgelöst.

Russland sieht Anspruch auf vollständige Mitgliedschaft

Ausgenommen seien 5,5 Milliarden Euro Schulden bei Deutschland, die Steinbrücks Vorgänger Hans Eichel 2004 langfristig beliehen hatte. Moskau wolle Berlin aber eine Restsumme von 1,3 Milliarden Euro vorzeitig zurückzahlen. "Ich hoffe, dass wir darüber Einigkeit erzielen. Es ist deutlich weniger, als wir eigentlich tilgen wollten", sagte Kudrin.

Nach russischen Vorstellungen sollen die G8-Länder die Rückflüsse an den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank weiterleiten, um deren Kapitalverlust nach einem Schuldenerlass von 37 Milliarden für die ärmsten Entwicklungsländer zu ersetzen. Moskau wolle armen Ländern in diesem Jahr 668 Millionen Dollar Schulden erlassen und gleichzeitig 2006 erstmals für 150 Millionen Dollar Entwicklungshilfe zu leisten.

Vor dem Treffen betonten russische Sprecher, dass Russland wegen seiner stabil wachsenden Wirtschaft Anspruch auf eine vollständige Mitgliedschaft in dem Finanzministergremium habe. Indessen berieten am Donnerstag in London Vertreter der bisherigen G7-Gruppe USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien erneut ohne russische Beteiligung.

Energiefragen im Vordergrund

Russland hat die Energiesicherheit als Hauptthema seines G8-Vorsitzes gewählt. Allerdings ließ der Gasstreit mit der Ukraine zu Jahresanfang im Westen Befürchtungen aufkommen, dass Moskau seine Energievorräte als politische Waffe einsetzt. Die anderen G8-Mitglieder erwarteten deshalb von dem Moskauer Treffen ein klares Signal, dass Russland ein zuverlässiger Lieferant sein wolle.

Das Treffen der Minister sollte am Freitagabend mit einem privaten Abendessen und einem Konzert im Kreml beginnen. Wie in den vergangenen drei Jahren wollten die G8-Finanzinister am Samstag auch mit ihren Kollegen aus China, Indien, Brasilien und Südafrika beraten.

Außerdem werden sich die G8-Minister mit der aktuellen Lage der Weltwirtschaft, die Gefahr weltweiter Epidemien, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie der Effizienz des staatlichen Haushaltsmanagements beschäftigen.

DPA/Reuters