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Gehalt: Millionen für die Firmenspitze

Was in deutschen Chefetagen verdient wird, wurde bisher geheim gehalten. Doch einige börsennotierte Unternehmen wollen im neuen Jahr das genaue Salär ihrer Vorstände veröffentlichen.

Darin tun es Deutschlands Top-Manager bislang dem einfachsten Arbeiter gleich: Auch auf den Chefetagen wird um den eigenen Gehaltszettel bislang ein großes Geheimnis gemacht. In einigen Konzernen hat nun allerdings ein Umdenken begonnen. Im neuen Jahr wollen börsennotierte Unternehmen wie Bayer, Deutsche Bank oder ThyssenKrupp erstmals das genaue Salär ihrer Vorstände veröffentlichen. Meist werden die Aktionäre aber auch künftig nicht erfahren, was die Leute an der Firmenspitze wirklich verdienen.

Die neue Offenheit begann im Frühjahr mit einem Bekenntnis von Hubertus Erlen, dem Vorstandsvorsitzenden des Pharmakonzerns Schering. Als erster Chef eines DAX-Unternehmens machte Erlen publik, wie er 2001 entlohnt wurde: mit 2,8 Millionen Euro. Der Ex-Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, bezifferte sein Jahresgehalt inklusive Aktienoptionen sogar auf acht Millionen. Der Spitzenmann des Stahlkonzerns ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, gab seine Einkünfte immerhin noch mit 1,24 Millionen an.

Damit folgten die Manager Vorschlägen der Regierungskommission Corporate Governance. Die Expertenrunde legte im Februar einen Kodex für mehr Transparenz in der Wirtschaft vor - kein bindendes Gesetz, sondern 50 lockere Empfehlungen («Soll-Vorschriften») und noch lockerere Anregungen («Kann-Vorschriften»). Darunter auch die Anregung, die Vorstandsbezüge im Anhang des Geschäftsberichts künftig nicht mehr als Gesamtsumme auszuweisen, sondern einzeln. Und zwar unterteilt in Fixgehalt, Erfolgsvergütungen und Optionen.

Kein Veröffentlichungszwang

Ein Zwang zur Veröffentlichung, wie dies Aktionärsschützer seit langem verlangen, besteht nicht. Nach dem neuen Transparenz- und Publizitätsgesetz sind alle Börsengesellschaften aber künftig einmal pro Jahr zu einer Stellungnahme verpflichtet, wie sie es mit dem «Deutschen Corporate Governance Kodex» halten. Bis zum Jahresende mussten sie nun erstmals erklären, ob sie den Empfehlungen der Regierungskommission folgen oder nicht.

Auf den jeweiligen Homepages ist nachzulesen, dass fast alle Dax- Unternehmen die Soll-Vorschriften beherzigen wollen. Die Ausnahmen sind kenntlich gemacht. Bei den Kann-Vorschriften sieht es anders aus. Kaum einer legt sich so fest wie der Pharmakonzern Altana. Der DAX-Neuling bekennt sich uneingeschränkt zum gesamten Regelwerk, auch zur «Individualisierung der Vorstandsbezüge».

Die detaillierten Gehälter wollen nach einer dpa-Umfrage künftig acht von 30 Dax-Unternehmen nennen: Altana, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Lufthansa, SAP, Schering und ThyssenKrupp. Der Handelsriese Metro will zumindest die Sonderzuweisungen einzeln nennen. Einige wollen abwarten, was die anderen machen. Bei der Deutschen Telekom zum Beispiel heißt es: «Wir wollen sehen, wie sich der Markt verhält.»

"Schwergewichte" äußern sich nicht

Die meisten Schwergewichte der Börse wollen sich aber auch künftig nicht im Detail äußern. Der Vorstandschef des weltgrößten Reisekonzerns TUI, Michael Frenzel, begründet dies so: «Wir sind grundsätzlich der Ansicht, dass eine personalisierte Veröffentlichung der Vorstandsbezüge Persönlichkeitsrechte berührt. Wir werden daher davon absehen.» Auch die Allianz-Versicherung und DaimlerChrysler sind der Meinung, dass es bereits genug Transparenz gibt.

Das Beispiel USA habe gezeigt, dass auch die individuelle Veröffentlichungspflicht «exzessive Entwicklungen» nicht verhindern könne, sagt Allianz-Personalvorstand Ihno Schneevoigt. Bei den Autobauern wird die Verschwiegenheit damit begründet, dass es sich beim Vorstand um ein «Kollegialorgan» handele, weshalb Einzel- Veröffentlichungen keinen Sinn hätten. Eine Rolle mag auch spielen, dass in einigen Vorständen Neid aufkommen könnte. Auch in den Chefetagen wissen die Kollegen nicht immer, was der andere verdient.

Der Leiter der Regierungskommission, ThyssenKrupp- Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, gibt sich trotzdem zuversichtlich, dass das Beispiel der acht Dax-Größen Schule macht. Zumal auch mehrere kleinere Börsengesellschaften kundgetan haben, dass sie die Top-Gehälter künftig veröffentlichen. Außerdem verweist Cromme darauf, dass sich in anderen großen Industrienationen die Manager nicht so zieren. «Mit der Offenlegung befinden wir uns im Einklang mit der internationalen Praxis.»

Ein abschließendes Urteil wird aber erst im Frühjahr möglich sein, wenn den Ankündigungen Zahlen folgen müssen. Mit Sicherheit werden die Anhänge der Geschäftsberichte 2002 besonders genau studiert werden - auch von den anderen Vorstandskollegen.