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Gehalts-Veröffentlichung: Gesetz soll Top-Manager zwingen

Die rot-grüne Bundesregierung will die deutschen Top-Manager per Gesetz zur Offenlegung ihrer genauen Gehälter zwingen.

Die bislang unverbindlichen Veröffentlichungs-Richtlinien der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) sollten für die großen an der Börse notierten Unternehmen zur gesetzlichen Pflicht gemacht werden, verlautete am Donnerstag aus Regierungskreisen in Berlin. Damit zieht die Koalition die Konsequenz aus der Weigerung von mehreren Konzernen, die detaillierten Bezüge der Vorstände zu nennen.

Die Details der Neuregelung sollen am Freitag auf einer Pressekonferenz von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) bekannt gegeben werden. Das Ministerium lehnte am Donnerstag jede Stellungnahme zu dem Vorhaben ab. Zypries hatte sich zu Beginn der Woche im "Handelsblatt" unzufrieden mit der bisherigen Praxis gezeigt. Das Ziel, 90 Prozent der Konzerne zu einer freiwilligen Veröffentlichung zu bringen, sei "nicht in Sicht". "Von einer ausreichenden Zahl kann noch keine Rede sein."

Viele Konzerne nennen bereits genaue Bezüge

Ursprünglich hatte Zypries den 30 Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex (DAX) notiert sind, bis zum Ende der diesjährigen Hauptversammlungs-Saison Zeit für ihre Entscheidung geben wollen. Innerhalb der Koalition wuchs jedoch der Druck, nicht mehr so lange zu warten. Hinzu kam, dass DAX-Schwergewichte wie BMW, BASF oder DaimlerChrysler eine Veröffentlichung strikt ablehnten. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ließ sogar ein Gutachten erstellen, wonach die Veröffentlichungs-Pflicht gegen das "Rechte auf informelle Selbstbestimmung" verstoße.

Derzeit verweigern sieben Unternehmen aus dem Kreis der DAX-30 den Blick auf die individuellen Vorstandsgehälter. Die meisten Konzerne nennen in ihren Geschäftsberichten bereits genaue Bezüge. Der Autokonzern VW zum Beispiel veröffentlichte diese Woche erstmals das detaillierte Gehalt von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder. Im vergangenen Jahr verdiente er 2,63 Millionen Euro.

Die genaue Angabe der Gehälter ist die umstrittenste Empfehlung des deutschen Corporate-Governance-Kodex, der vor drei Jahren in Kraft trat. Die so genannte Cromme-Kommission - benannt nach dem ehemaligen ThyssenKrupp-Chef Gerhard Cromme - berät derzeit über eine Weiterentwicklung. Dabei geht es unter anderem um die häufigen Wechsel von bisherigen Vorstandsvorsitzenden auf den Chefposten im Aufsichtsrat. Cromme will am Freitag über den Stand der Diskussionen informieren.

DPA / DPA