Germanwings Die teuren Mahnungen des Billigfliegers

Es war ein echtes Schnäppchen: Ein Flug Stuttgart-Dresden und zurück für zwei Euro. Aber als der 25-jährigen Auszubildenden beim Bezahlen ein Fehler unterlief, lernte sie Germanwings richtig kennen: Als es um die Mahngebühren ging, langte der Billigflieger zu - auch zum Ärger von Verbraucherschützern.
Von Elke Schulze

Die 25-jährige Auszubildende Antje Sever freute sich über ihren Schnäppchenflug Stuttgart-Dresden und zurück für zwei Euro. Weil sie aber einen Fehler beim Bezahlen machte, folgte wochenlanger Ärger mit der Fluggesellschaft Germanwings. Ein Passus im Kleingedruckten brachte sie fast zur Verzweiflung. Aber wer liest sich das am Bildschirm schon alles durch?

Online einen Flug zu buchen, ist mittlerweile genauso leicht und selbstverständlich, wie ein Buch zu bestellen. Vor allem Billigflieger wie Ryanair, Germanwings, Easyjet oder TuiFly setzen auf die schnelle Abwicklung im Netz. Mit wenigen Klicks ist der günstige Trip über den Wolken gekauft. Durchschnittspreise zwischen 17 und 77 Euro locken, so dass bereits jeder vierte Flug von einer der günstigen Airlines abgewickelt wird.

Inklusive Steuern und Gebühren kostete auch Antje Severs Flug nur 58,63 Euro. Ihre Mutter überwies ihr dafür einen "Reisezuschuss" in Höhe von 58 Euro, um ihr Konto zu decken. Die angehende Heilerzieherin lebt von 600 Euro Bafög im Monat. Da ist selbst dieser Flug nicht drin.

Der Ärger mit dem Kleingedruckten

In der Zwischenzeit hatte Germanwings bereits versucht, den Reisepreis per Lastschrift abzubuchen. Aber die mütterliche Finanzspritze war noch nicht eingegangen. Das Unternehmen setzte eine Frist von zwei Wochen. Die fand Antje Sever nicht schlimm: "Einen Tag später hätte ich das Geld ja gehabt." Übel war nur die Mahngebühr von 50 Euro, die sie in jedem Fall bezahlen sollte - inklusive der Drohung, die säumige Zahlerin bei der Schufa zu melden.

Entsetzt wandte sie sich an das Unternehmen und wollte ihren Flug stornieren. Hätte sie nur das Kleingedruckte genauer gelesen. Dafür hätte sie sich allerdings über eine halbe Stunde Zeit nehmen müssen. So lange dauert es, die 20 Punkte der Beförderungsordnung durchzuackern - dann hätte sie unter Punkt 4.5 mit Verweis auf Punkt 17 erfahren: "Bearbeitungsgebühr bei Rücklastschrift 50 Euro pro Buchung." Stornierung nicht möglich. Das steht sogar auf dem Ticket mit drauf. Antje Sever zahlte trotzdem nicht.

Die Mahnspirale begann sich zu drehen. Das inzwischen tätige Inkasso-Büro Euroliquid präsentiert ihr eine gepfefferte Rechnung: Weitere 25 Euro Mahngebühren, 45 Euro fürs Inkasso, Flugpreis und Zinsen summierten sich auf 182,51 Euro. Sever widersprach erneut, Germanwings veranlasste beim Amtsgericht Hagen einen neuen Mahnbescheid über inzwischen 233,99 Euro.

Viel zu hohe Mahngebühren

Antje Sever sagt: "Die müssen doch wissen, dass es bei mir nichts zu holen gibt." Germanwings-Sprecher Matthias Burkard sieht das anders: "Die Leute denken, weil sie bei uns einen günstigen Flug buchen, ist die Leistung nicht viel wert und verpflichtet zu nichts."

Aber so einfach ist es nicht: "Wer etwas kauft, hat das Geld zu haben", lautet ein alter Rechtsanwaltsspruch. Und Hartmut Strube, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bestätigt: "Die Frau hat sich schadensersatzpflichtig gemacht. Aber", so führt er weiter aus: "50 Euro Mahngebühren sind viel zu hoch."

Er macht eine neue Rechnung auf: Die fällige Rücklastschrift kalkulieren Banken generell mit drei Euro. Hinzu kommen Bearbeitungskosten, so dass er eine Mahngebühr von fünf Euro für angemessen hält. "Auch bei zehn Euro werden wir noch nicht tätig. Aber was Germanwings treibt, ist absurd." Strubes Rat in diesem Fall: "Der Kunde muss zumindest die Hauptforderung sofort begleichen plus den Kostenanteil für die Banken."

Strube kennt sich aus. Antje Severs Fall ist nicht der erste dieser Art für die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Gerade hat sie in einem identischen Fall gegen Germanwings geklagt und gewonnen. Auch die Richter vom Landgericht Dortmund störten sich an der hohen Gebühr und verlangten von der Fluggesellschaft, ihre Kosten offenzulegen: 12,33 Euro für Bankkosten, Porto und Papier plus anteilige Personalkosten von 40,15 Euro. Macht 52,48 Euro, rechnet Germanwings den Richtern vor. Sprecher Burkhard sagt: "Wir legen die Kosten nicht um, sondern ordnen sie verursachergerecht zu."

Entschuldigung von Germanwings

Das sahen die Richter anders. Denn merkwürdigerweise sind alle anderen Billig-Airlines in der Lage, eine solche Rücklastschrift günstiger abzuwickeln: TuiFly verlangt zehn Euro und eine Bearbeitungsgebühr von 5,50 Euro. Easyjet erhebt 25 Euro Gebühr, Ryanair fordert kostenlos per E-Mail erneut zur Zahlung auf, bevor der Flug storniert wird.

Auch bei der Lufthansa und Air Berlin werden die Kunden erstmal angerufen. Bei Air Berlin darf der Kunde noch beim Einchecken bar bezahlen. Erst dann gibt es eine Beförderungssperre und 25 Euro Strafgebühr.

Das Urteil brauchte die angehende Heilerzieherin gar nicht zu bemühen: Anfang August kam ein Anruf vom Beschwerdemanager der Luftlinie mit einer Entschuldigung, sie möge doch die ganze Angelegenheit als erledigt betrachten.

Ob die stern-Nachfrage gewirkt hat? Oder hat der Mann nachgerechnet, wie hoch die Personalkosten waren, die Antje Severs mit ihren vielen E-Mails bereits verursacht hat? An der hohen Gebühr will die Airline trotzdem festhalten.

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