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GETRÄNKE: Junge Kunden im Visier

Die Durstlöscher im deutschen Supermarkt werden immer exotischer und die Bierkästen immer bunter: Der Biermix beschert Brauern endlich klingende Kassen.

Auf dem Einkaufszettel der jungen Deutschen sollen künftig Mango- und Cannabis-Bier stehen, zumindest wenn sich die Absatzhoffnung vieler Traditionsbrauereien auf Biermix-Getränke erfüllt. Da auch am deutschen Tresen der Ruf nach »Zwei Pils« immer seltener wird, wollen die Brauer das für manchen schale Image des Biertrinkens mit spritzigen Mixgetränken aufpeppen.

Neue Hoffnung nach Rückgang

Tatsache ist: Der Bierabsatz geht seit Jahren zurück. 1997 lag der Pro-Kopf-Verbrauch nach Angaben des Statistischen Bundesamts noch bei 127 Litern. Im vergangenen Jahr ist er auf 118 Liter gesunken. Im schrumpfenden Markt sollen nun pfiffige Ideen und griffige Werbeslogans gerade junge Leute ansprechen und neue Marktanteile erschließen. Und so lassen sich die Marketing-Strategen der Branche eine Menge einfallen, um Partygänger, Nachtschwärmer und Fitness-Fans zu erreichen.

Jetzt in: 'Bierkreationen'

Wachsende Absatzzahlen belegen, dass die Bierkreationen auf großen Zuspruch stoßen. Seit das Statistische Bundesamt 1998 damit begonnen hat, den Absatz von Biermischungen zu verzeichnen, hat der sich fast verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 2,24 Millionen Hektoliter Biermischungen getrunken. Mit Cola-Bier-Getränken zielen Brauereien seit einigen Jahren auf den Geschmack der 18- bis 35- Jährigen.

Mischen mit Tradition

Das Vermischen von Bier mit Cola oder Limonade ist altbekannt. Mit »Radler«, »Krefelder« oder der berühmten »Berliner Weiße mit Schuss« löschten schon die Väter der jetzigen Party-Generation den Durst. Doch die Zeiten ändern sich. »Die Jungen tragen nicht die Jeans der Väter und genau das gilt auch für den Getränkemarkt«, sagt der Marketing- und Vertriebschef der saarländischen Karlsberg- Brauerei, Uli Grundmann. Deshalb bietet sein Haus auch Kreationen, die manchen konservativen Biertrinker Schaudern lassen: Gerstensaft - nach deutschen Reinheitsgebot gebraut - bekommt Tequila-Geschmack.

Höhere Preise

»Neu ist das Lebensgefühl, das dem Kunden mit jeder Flasche verkauft wird«, meint Renate Goergen von der Marketing Agentur Brainship. Dafür legen junge Leute bereitwillig mehr Geld auf den Tisch als für ein Bier: Die Biermischgetränke der Traditionsbrauereien sind allesamt teuerer als das pure Bier.

'Serengeti-Bier' mit Mango

Als »letzten Schrei« bezeichnet der Hamburger Bierhändler Wolfgang Stark das »Serengeti-Bier« aus Afrika mit dem Geschmack von Mango, Banane und Palmkern. Stilecht getrunken wird es aus getrockneten Schalen des afrikanischen Flaschenkürbis. Aus Arizona kommt Bier mit einer Chili-Schote in der Flasche. Aus »harmlosen Hanfsorten«, die laut Stark »keinen Rausch verursachen«, werden Hanf-Biere gebraut.

Verkaufsrückgang auffangen

Angesichts solcher Kreationen klingen die Mischungen der Traditionsbrauereien recht unspektakulär: Die Bitburger Brauerei-Tochter Köstritzer mixt einen Energydrink in ihr Bier, Veltins spritzt einen Schuss Grapefruit ins »Radler«. In diesem Jahr will die Brauerei den Absatzrückgang beim Bier mit dem Verkauf von Biermischgetränken ausgleichen. »Wir wollen 70.000 Hektoliter Mischgetränke verkaufen«, sagt Marketing- und Vertriebschef Volker Kuhl.

Voll im Trend: Cola und Altbier

Diebels liegt nach eigenen Angaben mit einem Cola-Altbiergemisch »voll im Trend«. Mit dem Motto »weniger Alkohol und mehr Erfrischung - bequem in einem Getränk« mischte die Brauerei, die mittlerweile zum belgischen Interbrew-Konzern gehört, kräftig mit. Mit 120.000 verkauften Hektolitern im ersten Jahr ist das Diebels-Mix die bisher erfolgreichste Neueinführung im deutschen Biermarkt und trägt deutlich zum Gesamtabsatz der niederrheinischen Brauerei bei.

Sonja Funke

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