Gewinn beim US-Versicherer AIG Einstiger Branchenprimus kriecht ins Plus zurück


Der teilverstaatlichte US-Versicherer AIG hat sich dank einer höheren Bewertung seiner Vermögensanlagen aus den roten Zahlen befreit. Im ersten Quartal 2010 standen nach Unternahmensangaben unter dem Strich 1,5 Milliarden Dollar oder 2,16 Dollar pro Aktie in den Büchern.

Der US-Versicherer AIG erholt sich langsam. Im ersten Quartal kam der einstige Branchenprimus aus den roten Zahlen. Unterm Strich verdiente AIG dank geringerer Abschreibungen und wertvollerer Investments 294 Millionen Dollar (231 Mio Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte der Verlust bei 5,4 Milliarden Dollar gelegen.

Das Versicherungsgeschäft zeige weiterhin Zeichen einer Stabilisierung, sagte Konzernchef Robert "Ben" Benmosche am Freitag in New York. Er lobte seine Mannschaft: "Ich bin zufrieden mit ihren Fortschritten, aber es ist noch mehr Arbeit zu tun." Der seit Mitte 2009 amtierende Benmosche soll AIG im Auftrag der Regierung wieder auf die Beine bringen. Dazu zieht er sich aus riskanten Geschäften zurück und verkauft Tafelsilber, um Geld in die Kasse zu bekommen.

AIG ist einer der größten Lebensversicherer der Welt und der größte Finanzierer von Flugzeugen. Zudem ist der Konzern über Tochtergesellschaften auf dem eingebrochenen Immobilienmarkt aktiv und versichert Hypotheken. Die Tochter United Guaranty Corporation (UGC) schrieb dank der Entspannung auf dem Häusermarkt zum ersten Mal seit drei Jahren wieder einen Gewinn. Der Konzernumsatz stieg um 22 Prozent auf 16,3 Milliarden Dollar.

AIG hatte 2008 mit 99,3 Milliarden Dollar den höchsten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte angehäuft. Der US-Steuerzahler hatte daraufhin mehr als 182 Milliarden Dollar in AIG pumpen müssen, um den einst weltgrößten Versicherungskonzern zum Höhepunkt der Finanzkrise vor dem Kollaps zu bewahren. Der Staat hält nun 80 Prozent an AIG und kassiert Zinsen für das überlassene Geld. Ohne die Zinszahlungen verdiente AIG 1,5 Milliarden Dollar.

Mit dem Verkauf von Sparten versucht das neue AIG-Management, die Schuld zu begleichen und wieder unabhängig zu werden. So ging die amerikanische Lebensversicherungs-Tochter Alico für 15,5 Milliarden Dollar an den heimischen Rivalen Metlife. Die asiatische Lebensversicherungs-Tochter AIA hatte AIG für 35,5 Milliarden Dollar an den britischen Versicherer Prudential verkauft. Benmosche will die Verkäufe bis Ende des Jahres abschließen.

Insgesamt hatte die US-Regierung 700 Milliarden Dollar bereitgestellt, um US-Unternehmen unter die Arme zu greifen. Die meisten haben die Hilfen inzwischen zurückgezahlt. Der Staat hält nun neben AIG noch große Anteile an den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac, an der Großbank Citigroup, dem Autofinanzierer GMAC sowie den Autoherstellern General Motors und Chrysler.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker