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Gigantomanie: Russisch Toilette

Im US-Nobelort Greenwich gibt es Stunk: Ein Multimillionär aus Russland will einen Palast mit 26 Toiletten bauen. Seine Nachbarn sind wenig erbaut.

Von Tobias Bayer und Elisabeth Atzler

Angesichts der geplanten Hausgröße (2500 Quadratmeter) sind 26 Toiletten eigentlich wenig

Angesichts der geplanten Hausgröße (2500 Quadratmeter) sind 26 Toiletten eigentlich wenig

Mit der Harmonie in der Simmons Lane in Greenwich, Connecticut, ist es vorbei. Fünf spektakuläre Anwesen reihen sich hier in dem Ort nahe New York aneinander. In den 90er-Jahren wohnte in der fünf Meter breiten Privatstraße Starbasketballtrainer Pat Riley, der damals noch die New York Knicks coachte. In dem Haus von Riley residiert heute Hedge-Fonds-Manager Morris Sachs, der völlig aufgebracht ist - und sich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg entsprechend empört äußert.

2500 Quadratmeter, 26 Toiletten

Der Grund: Der russische Magnat Valery Kogan, Verwaltungsratsvorsitzender der Beteiligungsgesellschaft East Line Group, will sich in der Simmons Lane mit einem palastartigen Anwesen verewigen - das 26 Toiletten hat. Die Baupläne des 57-Jährigen sind selbst für einen Nobelort wie Greenwich ungewöhnlich. Opulenz ist hier allgegenwärtig: Fast drei Millionen Dollar kostet die Durchschnittsimmobilie in dem hügeligen Örtchen, das fast nur aus Villen besteht. Nach Angaben der Greenwich Association of Realtors sind 80 Prozent der Fläche von 60 Hedge-Fonds-Gesellschaften besiedelt.

Steuervorteile ziehen die Investmentfirma nach Greenwich. Doch auch die Ruhe lockt die Finanzprofis: Manche Mitarbeiter großer Hedge-Fonds pendeln täglich in die Metropole, leben aber lieber in der idyllischen Provinz. Wer es in der Hedge-Fonds-Welt geschafft hat, leistet sich ein Haus mit Meerzugang. Viele Spekulanten verdienen jährlich zweistellige Millionensummen. Den Rekord brach 2007 John Paulson, der laut dem Branchenmagazin "Alpha" 3,7 Milliarden Dollar auf sein Konto buchen konnte.

"Wer braucht so viele Toiletten?"

Kogan, dessen Vermögen auf 600 Millionen Dollar geschätzt wird, sprengt jedoch mit seinem Plan die Dimensionen: 2500 Quadratmeter soll die neue Residenz messen, allerdings werden die Kellerräume da nicht mitgezählt. Alles in allem ist die Fläche doppelt so groß und bietet Platz für zwölf Autos, rund 300 Gäste - und eine WC-Armada.

"Wer braucht so viele Toiletten?", fragt Charles Lee, der gegenüber von Kogan wohnt. Gemeinsam mit Sachs und seinem Nachbarn Leslie McElwreath organisiert der Jurist den Widerstand gegen das Megaprojekt. 175 Bürger unterschrieben eine Protestnote an die Baukommission. "Kogan will hier den Winterpalast von Sankt Petersburg nachbauen", fürchtet McElwreath.

Faible für Großes

Kogan, der den Moskauer Domodedovo-Flughafen kontrolliert, liebt Großes. Auch in Kalifornien und Manhattan verfügen er und seine Frau Olga über stattlichen Wohnraum. Vor Kurzem kaufte das Paar fünf Häuser in der Mittelmeerstadt Caesarea (Israel), an deren Stelle der Multimillionär für 50 Millionen Dollar eine Prunkvilla errichten will, wie eine Zeitung berichtet. Blogger im Internet mokieren sich bereits darüber. Die Zahl der Toiletten spielt dabei aber keine Rolle.

FTD