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Grohe-Chef Michael Rauterkus: Wie man aus Leitungswasser ein Luxusprodukt macht

Viele Menschen schleppen Mineralwasserkisten, weil ihnen das Leitungswasser nicht schmeckt. Grohe-Chef Michael Rauterkus will das ändern - mit Sprudelwasser direkt aus der Leitung. Doch das hat seinen Preis.

Grohe

Grohe-Chef Michael Rauterkus will mit seinem Blue-Home-System an Premium-Leitungswasser verdienen

Leitungswasser ist das günstigste Qualitäts-Lebensmittel, was wir in Deutschland haben. Es ist extrem gut kontrolliert und kommt ganz bequem aus der Leitung. Trotzdem schleppen viele lieber kistenweise Wasser nach Hause. Rund 150 Liter Mineral- und Heilwasser verbrauchte jeder Deutsche 2016 im Schnitt. 1970 waren es übrigens nur 12,5 Liter pro Kopf.

Die enthaltenen Mineralstoffe rechtfertigen den Kauf meist nicht. Viele Mineralwässer sind sogar ausgesprochen mineralstoffarm, wie die Stiftung Warentest kürzlich in einer Studie nachwies. Zudem enthält auch Leitungswasser Mineralstoffe, wenn auch je nach Standort unterschiedlich viel. Die meisten dieser Stoffe nehmen wir außerdem durch eine ausgewogene Ernährung zu uns.

Der Hauptantrieb für viele Kistenschlepper liegt sowieso woanders: Das Wasser aus der Leitung - so gut es auch sein mag - schmeckt vielen einfach nicht. Manche Leitungswassernutzer behelfen sich daher mit Kohlensäuresprudlern oder Filteranlagen, die das Wasser weicher machen.

Grohe will Leitungswasser lecker machen

Die Sanitärfirma Grohe geht nun noch einen Schritt weiter: Sie bietet ein System, das alle bisherigen Aufsprudler und Tischfilter in den Schatten stellen soll: einen Wasserhahn, aus dem gefiltertes, gekühltes und je nach Vorliebe unterschiedlich stark aufgesprudeltes Leitungswasser kommt. Ein "Life-Changing-Product" nennt Grohe-Chef Michael Rauterkus das System im Gespräch mit dem stern. "Blue Home" ist seit Anfang des Jahres für Privathaushalte erhältlich und selbstverständlich hat Rauterkus auch eines zu Hause installiert. "Ich hätte selbst nicht gedacht, dass das so gut schmeckt", wirbt Rauterkus für sein Produkt. Nicht nur das Kistenschleppen falle weg, er trinke nun auch deutlich mehr Wasser als früher, zudem seien Gäste ausnahmslos beeindruckt. 

Grohe Blue Kit

Grohe Blue Kit

Das Ganze funktioniert so: Unter der Spüle wird ein Kasten montiert, der mit dem Wasseranschluss und der zugehörigen Armatur verbunden wird. Eine CO2-Kartusche und eine Filterkartusche sorgen für Kühlung, Filtration und Kohlensäure. Am Wasserhahn kann zwischen still, medium und sprudelnd ausgewählt werden - oder ganz normales, ungefiltertes Leitungswasser gezapft werden. Das ermöglichen zwei parallele Leitungen innerhalb der Armatur. 

Premium-Leitungswasser hat seinen Preis

Ganz umsonst ist das Wunderwasser aus der Leitung natürlich nicht. Allein das Grohe Blue Home-Starterkit mit Filterkasten, Armatur und nötigen Anschlüssen kostet mindestens 1200 Euro. Eine CO2-Flasche reicht für 75 Liter Sprudelwasser und kostet im Viererpack 80 Euro beziehungsweise 35 Euro im Nachfüllset. Auch die Filterkartusche muss mindestens einmal im Jahr ausgetauscht werden - sie kostet je nach Größe zwischen 70 und 170 Euro.

Ob das Grohe-System nun hilft, jede Menge überteuertes Mineralwasser zu sparen oder ob es aus dem fast kostenlosen Leitungswasser ein unnötiges Luxusgut macht, darf jeder für sich selbst entscheiden. Grohe-Chef Rauterkus jedenfalls ist überzeugt, dass sein Produkt die bessere Alternative zum Kistenschleppen ist. "Wir nehmen den Strom zu Hause ja auch aus der Steckdose und laufen nicht ständig in den Supermarkt, um Batterien zu holen", sagt Rauterkus, der nach eigener Aussage bereits eine sechsstellige Anzahl an Blue-Systemen verkauft hat. Neben der heimischen Küche hat Grohe auch Firmen als Kunden im Visier. Für Großbüros gibt es das Blue-System schon seit ein paar Jahren, Grohe hat unter anderem die Deutschland-Zentralen von Vodafone und L'Oreal in Düsseldorf damit ausgerüstet.

 Das Geschäft mit dem Leitungswasser will der einstige Familienkonzern, der seit 2014 zu einem japanischen Firmenkonsortium gehört (und nicht mit der Firma Hansgrohe zu verwechseln ist), in den kommenden Jahren noch deutlich ausbauen. Neben der Blue-Linie hat Grohe auch ein Red-System im Angebot, das auf Knopfdruck kochendes Wasser liefert. Und an weiteren Innovationen wird bei Grohe bereits getüftelt. Gut möglich, dass es bald auch schwarzen Tee oder Apfelschorle aus dem Wasserhahn gibt.

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