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Gründerpreis-Siegerin im Interview: "Der nächste Nacktfoto-Skandal wird kommen"

Wer pikante Bilder oder geheime Dokumente in der Cloud speichern will, kann ihre Erfindung gut gebrauchen. Gründerin Andrea Pfundmeier erklärt, warum sogar die Amerikaner bei ihr Schlange stehen.

Beim Deutschen Gründerpreis wurden am Dienstagabend originelle und vielversprechende Geschäftsideen ausgezeichnet. In der Kategorie Start-Up siegte das Unternehmen "Secomba" aus Augsburg mit einer Jedermann-Software zur Verschlüsselung sensibler Daten. Mit-Gründerin Andrea Pfundmeier im Interview.

Frau Pfundmeier, viele IT-Unternehmen sind damit erfolgreich, dass sie Daten sammeln und verkaufen. Sie aber wollen Datenschutz verkaufen. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?
Eigentlich haben wir an einer ganz anderen Geschäftsidee gearbeitet. Dabei mussten wir Daten sicher im Netz speichern und weil uns von den vorhandenen Lösungen keine gefallen hat, haben wir eben ein eigenes Programm entwickelt. Das wollten dann auch viele andere haben, daher haben wir damit weitergemacht.

Mal ehrlich: Die meisten Leute sind doch viel zu bequem, um ihre Daten mit Zusatzprogrammen zu schützen.


Nicht, wenn es so einfach funktioniert, dass jeder es benutzen kann. Boxcryptor kann man ganz einfach auf seinem PC installieren und das Programm verschlüsselt dann automatisch alle Dateien, die man in seinen Cloudspeicher lädt. Das Programm unterstützt 20 Cloud-Anbieter wie Dropbox, Google Drive, Telekom Cloud, GMX und Web.de.

Ich habe mir auch schon oft überlegt, dass ich solche Programme mehr nutzen müsste. Müsste - also im Konjunktiv.


Na immerhin. Als wir 2011 angefangen haben, mussten wir noch erklären, warum man seine Daten überhaupt verschlüsseln sollte. Heute wissen alle, dass sie das machen sollten. Viele sind zwar noch zu faul, aber immer mehr ändern wirklich etwas.

Hilft so etwas wie der Nacktfotoklau bei Hollywoodstars, der in den vergangenen Wochen für Aufregung gesorgt hat, um das Thema ins Bewusstsein der Massen zu bekommen?
Der Nacktfoto-Skandal hat das Thema Datensicherheit bei Nichtinformatikern viel bewusster gemacht als die komplette NSA-Affäre. NSA war vielen zu abstrakt, aber die Vorstellung, dass sehr private Bilder in die Öffentlichkeit gelangen, ist plötzlich sehr real. Und fest steht: Der nächste Nacktfoto-Skandal wird kommen.

Nutzen denn viele Privatleute Boxcryptor oder sind das bislang nur Geschäftsleute?
Wir haben bislang eine Million Downloads und 20.000 zahlende Nutzer der Premiumversion. Etwa die Hälfte sind Privatleute, die andere Hälfte gewerbliche Nutzer, zum Beispiel Rechtsanwaltskanzleien. Mehr als die Hälfte unserer Nutzer kommen aus dem Ausland.

Datenschutz "made in Germany" - zieht das im Ausland?


Ja, die deutschen Datenschutzstandards gelten überall als sehr hoch. Zu uns kommen auch viele Amerikaner, die explizit nach Datenschutzprogrammen aus Deutschland suchen, weil sie wissen, dass ihre Regierung da nicht so einfach draufgucken kann. Normalerweise ist es für IT-Unternehmen ein Nachteil, wenn sie nicht im Silicon Valley sitzen. Für uns aber ist es ein Vorteil.

Was bedeutet die Auszeichnung beim Gründerpreis für Sie?


Zunächst einmal ist es eine schöne Bestätigung unserer Arbeit. Und dann hilft es uns natürlich, bekannter zu werden und mehr Menschen zu erreichen. Unser Ziel ist es, dass unser Unternehmen den Leuten sofort einfällt, wenn sie an Datensicherheit denken.

Interview: Daniel Bakir