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89 Menschen in Deutschland Grundeinkommen: Die erste Million wurde schon verteilt

Was ist das Grundeinkommen? Jeder Bürger – egal ob arm oder steinreich - bekommt einen monatlichen Betrag - gerechnet wird aktuell mit 1000 Euro - vom Staat. Statt Leistungen wie Kinder- oder Arbeitslosengeld zu bekommen, gibt es nur diesen Betrag - dafür für alle. Auch für Arbeitnehmer, Unternehmer, Selbstständige. Wie läuft die Finanzierung? Finanzieren wollen die Experten das Projekt mit einer höheren Besteuerung: 50 Prozent vom Gehalt, Dividenden und Aktiengewinnen
gehen an den Staat. 2015 habe der Sozialetat bei 888 Milliarden Euro gelegen. Davon könne man ein monatliches Grundeinkommen von 1000 Euro finanzieren. Ausgaben würden gleichermaßen von Kapital und Arbeit getragen. Konkrete Rechnung: Eine Uni-Professorin mit 120.000 Euro Jahresgehalt würde 50 Prozent Steuern zahlen, gleichzeitig aber 12.000 Euro im Jahr Grundeinkommen erhalten. Sie würde also eine Nettosteuer von 48.000 Euro zahlen, das entspräche 40 Prozent. Bei einer Putzhilfe mit 24.000 Euro Jahresgehalt läge der Nettosteuersatz bei null. Warum das Ganze? Arbeitsplätze, wie wir sie heute kennen, wird es künftig deutlich weniger geben. Das Arbeiten selbst wird sich verändern. Längere Erholungsphasen sind gut für die Motivation, aber auch für die Gesundheit. Weniger Erwerbsarbeit ermöglicht Chancen zur Weiterbildung, Selbstverwirklichung, Engagement oder Kümmern um die Familie. Kritik am Konzept: Kritiker widersprechen, sie fürchten, dass das Grundeinkommen die Menschen faul macht und Alkoholismus fördert. Schwere und unattraktive Arbeit würde kaum noch jemand machen wollen. Befürworter sagen, dass die Menschen befreit von Existenzängsten, freier und unverkrampfter ihrer Arbeit nachgehen könnten und produktiver wären. Davon würden alle profitieren.
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Das Berliner Start-up "Mein Grundeinkommen" sammelt per Crowdfunding Geld, um es als Grundeinkommen weiter zu geben. Schon 89 Grundeinkommen von monatlich 1000 Euro wurden finanziert. Das Projekt hat die Marke von einer Million Euro geknackt - und es geht weiter.

Das Grundeinkommen soll Arbeit von Einkommen entkoppeln. Statt in einem Hamsterrad zu schuften, soll durch eine monatliche Zahlung das Leben gesichert werden - um Kreativität und Engagement für die Gesellschaft frei zu setzen. So zumindest stellen sich die Befürworter das bedingungslose Grundeinkommen vor.

Einer der Vorreiter der Idee in Deutschland ist Michael Bohmeyer, der mit seinem Start-up "Mein Grundeinkommen" schon 70 Menschen ein Grundeinkommen ermöglicht hat, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Enorm". Per Crowdfunding sammelt er Geld ein. Interessierte können sich dafür bewerben. Ende April kamen erneut 15 Menschen in den Genuss, jeden Monat 1000 Euro zu erhalten.

Insgesamt wurden bereits 89 Grundeinkommen finanziert. Damit hat das Projekt die Marke von einer Million Euro geknackt.

Die Idee des Grundeinkommens fasziniert - und spaltet. Denn vor allem seitens der Wirtschaft kommt Kritik. Das monatliche Geld würde gebraucht, um die Motivation aufrecht zu erhalten. Bekomme man Geld ohne Leistung, würden viele gar nicht mehr arbeiten. Und: Die grundsätzliche Finanzierbarkeit steht ebenfalls in der Kritik. Allerdings nicht bei allen Firmenlenkern. Der Drogeriechef von dm,  Götz Werner, ist Befürworter des Grundeinkommens.

Finnland erprobt das Grundeinkommen

Dennoch wird das Grundeinkommen inzwischen erprobt. So hat Finnland ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Langzeitarbeitslose das Grundeinkommen erhalten - und sich zusätzlich auf Jobs bewerben können. Einer der Probanden ist von dem Testlauf überzeugt. "Das Grundeinkommen erlaubt mir, zurück in mein altes Leben zu kommen", so Juha Järvinen, Vater von sechs Kindern und lange Zeit arbeitslos. "Ich kann befreit Dinge ausprobieren."

+++ Wie das Grundeinkommen das Lebens eines Finnen veränderte +++

In Deutschland will Michael Bohmeyer weitermachen. Inzwischen sammelt er für das 90. Grundeinkommen - und trifft damit einen Nerv. Bei einer Befragung gaben 82 Prozent der Menschen an, dass sie das Grundeinkommen befürworten. Und die Praxis zeigt, dass die monatliche Zahlung nicht unbedingt faul macht. Die Menschen, die von Bohmeyer ein Grundeinkommen erhielten, arbeiteten meist in ihrem Job weiter - nur mit deutlich weniger finanziellen Sorgen.

kg

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