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Handel: Discounter auf der Gewinnerstraße

Die Sucht nach Niedrigpreisen lässt Discounter in Deutschland weiter zulegen. Jedes Jahr schneiden sich Aldi, Lidl, Plus, und Co. ein größeres Stück vom stagnierenden Umsatzkuchen ab. Ob der Gewinn ähnlich steigt, ist eine andere Frage.

Die Discounter sind bei den deutschen Verbrauchern so beliebt wie noch nie. In den ersten sechs Monaten 2005 überstieg ihr Marktanteil am Lebensmittel-Einzelhandel und dem Drogeriemarkt erstmals die Marke von 40 Prozent. Von Jahr zu Jahr schneiden sich Aldi, Lidl, Plus, Penny, Netto und Norma ein größeres Stück vom stagnierenden Umsatzkuchen ab. Nach einer Prognose der GfK-Marktforscher werden Lebensmittelhandel und Drogeriemärkte in diesem Jahr insgesamt 136,7 Milliarden Euro umsetzen und damit auf dem Niveau von 2003/2004 verharren. Der Discounteranteil stieg dagegen kräftig von 32,1 Prozent im Jahr 2000 auf aktuell 40,5 Prozent.

"Spartrieb stärker als Sexualtrieb"

"In Deutschland ist der Spartrieb stärker ausgeprägt als der Sexualtrieb", witzelte der Schweizer Handelsexperte David Bosshart auf dem Handelskongress ECR in Düsseldorf mit dem Verweis auf den Vormarsch der Discounter und die immer älter werdende Gesellschaft. Zum Vergleich: In Österreich kommen die Discounter derzeit auf einen Marktanteil von 27 Prozent, in der Schweiz sind es lediglich 7 Prozent.

Discounter versus Supermärkte - im harten Wettbewerb droht jetzt auch die nächste Runde an Aldi & Co zu gehen. Schätzungsweise vier Milliarden Euro Kaufkraft wird nach Expertenmeinung in diesem Jahr durch höhere Energiekosten dem deutschen Einzelhandel entzogen. Niedrigpreise dürften damit auch weiterhin gefragt sein. Und die Discounter profitieren nach Erkenntnissen der GfK auch ganz direkt von den gestiegenen Benzinpreisen. Demnach lassen die Kunden das Auto öfter stehen und kaufen nicht mehr so häufig ein. Dafür packen sie dann mehr in ihren Warenkorb. Als einziger Vertriebsschiene gelang es im ersten Halbjahr 2005 den Discountern, die Höhe des Kassenbons je Kunden deutlich zu steigern, ohne dass die Zahl der Einkäufe erheblich abgenommen hat.

Vertreibung aus dem Paradies

Doch selbst die Aldi-Welt ist kein sorgenfreies Paradies mehr. Nach Meinung der Marktforschungsgesellschaft TradeDimensions stößt der deutsche Discount-König in seinem Heimatland an Grenzen. Mit seinem dicht geknüpften Filialnetz besitze Aldi schon eine Marktabdeckung von fast 100 Prozent. Zudem laufe Aktionsware wie etwa Computer nicht mehr so gut. Der Aldi-Umsatz dürfte nach Berechnungen von TradeDimensions im Jahr 2003 stagniert sein, für 2004 wird ein Umsatzrückgang gesehen. "Was nichts darüber aussagt, wie gut Aldi verdient", betont Handelsexperte Herbert Kuhn. Mit Einsparungen könne ein Umsatzminus mehr als ausgeglichen werden. Aldi selbst nennt keine Konzernzahlen.

Für die Supermärkte und großen Verbrauchermärkte bietet sich nach Ansicht von Michael Rosada die Chance, sich mit dem kontinuierlichen Angebot von Neuprodukten zu profilieren. Über 30.000 neue Produkte der Industrie suchten jedes Jahr einen Regalplatz im Handel, rechnet der Geschäftsführer von IRI Information Resources vor. Allerdings floppten bislang mehr als zwei Drittel. Diese Rate könnte mit einer besseren Präsentation in den Verkaufsstellen deutlich gesenkt werden. Auch bei innovativen Produkten seien die Discounter den so genannten Vollsortimentern dicht auf den Fersen. Bei Top-Neuheiten hätten sie im Schnitt nur 12 Wochen Vorlaufzeit bis zur Einführung im Discount.

Volker Danisch/DPA / DPA