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HANDEL: Supermärkte gegen Discounter

Discounter verdrängen immer mehr Supermärkte, weil diese kaum ein Vollsortiment auf der ihnen erlaubten Fläche anbieten können. Nach Nachsehen haben die Verbaucher.

Größere Flächen für Supermärkte fordert Dierk Frauen als neuer Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL). Nur die Rücknahme baulicher Vorschriften kann Supermärkte als Vollversorger auch künftig erhalten, erklärte Frauen. Der 34-Jährige wurde Mitte Oktober zum neuen Verbandschef gewählt und will sich vor allem für den Mittelstand und die selbstständigen Lebensmittelmärkte stark machen.

Fläche muss größer werden

Das ursprünglich im Zusammenhang mit dem Bau von Großmärkten auf der grünen Wiese verabschiedete Gesetz hat sich längst gegen die mittelständischen Betriebe gewendet, die es eigentlich schützen sollte, sagte Frauen. »Die Baunutzungsverordnung, die in innerstädtischer Lage ohne Genehmigung nicht mehr als 700 Quadratmeter zulässt, muss ausgeweitet werden.« Unter 1.000 Quadratmetern sind klassische Supermärkte mit einem Vollsortiment kaum mehr lebensfähig, in der Regel brauchten sie 1.000 bis 2.000 Quadratmeter Fläche.

Discounter ohne Vollsortiment

Die Folge der rund zehn Jahre alten Verordnung ist, dass Vollsortimentsmärkte zunehmend von so genannten Discountern mit eingeschränkten Angeboten verdrängt werden. »Das ist eine einseitige Bevorzugung,« kritisiert Frauen. Die Vielfalt der Branche wird zerstört, Verlierer ist letztlich der Verbraucher.

Zahl der Supermärkte stagniert

Der Anteil der Discounter am Lebensmittelgeschäft hat sich nach Angaben des BVL in den vergangenen zehn Jahren auf über 18 Prozent bundesweit verdoppelt. Das entspricht über 12.000 Geschäften, während die Zahl der Vollsupermärkte bei rund 9.000 stagnierte. Deutschland hat mit etwa 32 Prozent Umsatzanteil die weltweit größte Discountlastigkeit der Branche zu verzeichnen.

Lebensmittelhandel ohne Lobby

Eine Gesetzesänderung ist seit längerem in der Diskussion, aber die Lobby für den Lebensmittelhandel ist leider nicht besonders gut, beklagt sich Frauen. »Dabei zahlt der Mittelstand am meisten Steuern, arbeitet personalintensiv und bildet aus.« Die Beschränkungen sind schädlich für Arbeitsplätze und den Verbrauchernutzen.