HOME

HANDEL: Versandhaus Quelle wird 75 Jahre alt

Jubiläum für den »Führer durch die Sorgen des täglichen Lebens«: Eine der bekanntesten deutschen Marken und zweitgrößter Versender feiert Jahrestag.

Es ist eine der bekanntesten Marken in Deutschland: 98 Prozent der Bevölkerung, so wollen Marktforscher herausgefunden haben, kennen »Quelle«. In jedem dritten Haushalt steht der 1.500 Seiten umfassende Katalog des fränkischen Versandhauses, das seit 1999 zum Handelskonzern Karstadt gehört. An diesem Montag (6. Mai) feiert Quelle am Versandzentrum in Leipzig seinen 75. Geburtstag.

Gründung nach US-Vorbild

An Milliardenumsätze und internationale Aktivitäten, die heute für das hinter dem Otto Versand zweitgrößte deutsche Versandhaus stehen, dürfte der Geschäftsmann Gustav Schickedanz noch nicht gedacht haben, als er 1927 in Fürth einen Versandhandel nach US-Vorbild gründete. Schon ein Jahr später brachte Schickedanz den ersten Katalog heraus - als »Führer durch die Sorgen des täglichen Lebens«.

»Haus der billigen Preise«

Kunden, die mit jedem Pfennig rechnen müssen - das war von Anfang an die Zielgruppe von Gustav Schickedanz. Für sie bot er Näh- und Strickmaterial, Wäsche, Waschmittel und Artikel zur Körperpflege an. »Das Haus der billigen Preise und der guten Qualitäten« lautete eine Werbung aus den 30er Jahren. Die Käufer sahen es offenbar genauso: 1936 hatte Quelle bereits mehr als eine Million Stammkunden, der Umsatz erreichte 40 Millionen Reichsmark.

Nach dem Krieg ging's weiter

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Schickedanz den Amerikanern zunächst als Nazi-Unternehmer. Während er noch zur Untätigkeit verurteilt war, gründete seine zweite Frau Grete einen kleinen Textilladen in Hersbruck bei Nürnberg. Doch kaum kam 1948 die D-Mark, begann auch Quelle wieder zu florieren. Im Juli erschien der erste bescheidene Prospekt - auf vier DIN-A 4 Seiten wurden 64 Artikel angeboten.

Durchbruch mit Wirtschaftswunder

Das Wirtschaftswunder der 50er Jahr verhalf Quelle zum Durchbruch. Man konnte sich vor Bestellungen kaum retten. Bis 1958 stieg der Umsatz auf 403 Millionen Mark (206 Mio Euro). Quelle wird zum Universalversender: Möbel, Fahrräder und Waschmaschinen gibt es ebenso per Katalog wie Porzellan oder Lampen. Fotoapparate, Radios und Fernsehgeräte sind oft in kurzer Zeit ausverkauft.

Acht Millionen Kunden

Als erstes deutsches Versandunternehmen bot Quelle 1962 Urlaubsreisen aus dem Katalog an: 10.000 Kunden flogen mit dem »Quelle Reisedienst« nach Mallorca. 14 Tage Vollpension kosteten 350 Mark. Und Quelle wuchs weiter. Als Gustav Schickedanz 1977 starb, hinterließ er ein Imperium mit acht Millionen Kunden und einem Jahresumsatz von 4,5 Milliarden Mark. Der Quelle-Katalog bot auf fast 1.000 Seiten rund 80.000 Artikel an.

Neue Kunden aus dem Osten

Witwe Grete Schickedanz führte das Unternehmen weiter. Erst 1993 verabschiedete sie sich aus dem Management. Slogans wie »Erst mal sehn was Quelle hat« hielten den Versandriesen in diesen Jahren im Gespräch, jedoch hatte auch er unter der Rezession der 80er Jahre zu leiden. Der Fall der Mauer 1990 brachte Quelle dann schlagartig neue Kunden. Aus dem Stand erzielte das Unternehmen in den neuen Bundesländern einen Umsatz von 1,1 Milliarden Mark.

Trend zum Spezialversand

Im Jahr 2000 kam die Quelle-Gruppe mit 28.000 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von rund 5,4 Milliarden Euro. Der Trend geht mehr und mehr zum Spezialversand, sagt Unternehmenssprecher Erich R. Jeske. Neben dem Hauptkatalog bietet Quelle über 20 Spezialkataloge an. Eines der jüngsten Babys ist ein Tierbedarfs-Versandhandel, der »hervorragend läuft«. Daneben will Quelle die Internationalisierung vorantreiben. Eigene Versandbetriebe unter der Marke Quelle sind in 13 europäischen Ländern aktiv.

Wieder Umsatzwachstum erwartet

Doch im Jubiläumsjahr drücken auch Probleme: Der Universalhandel lief 2001 schwächer als erwartet. Der Mutterkonzern KarstadtQuelle verordnete einen Sparkurs. Striktes Kostenmanagement und ein Einstellungsstopp waren die Folge. »Wir haben Sortimente gestrafft, unrentable Kataloge gestrichen sowie Verkaufsgeschäfte geschlossen«, sagt Quelle-Chef Christoph Achenbach. Für 2002 erwartet er daher einen deutlichen Umsatzzuwachs.

Stephan Maurer