Wirtschaftsminister Guttenberg "Quelle ist mitnichten jetzt gerettet"


Erleichterung beim angeschlagenen Versandhaus Quelle: Das Unternehmen kann endlich einen Massekredit über 50 Millionen Euro in Anspruch nehmen. Doch über den Berg ist das Traditionshaus damit noch lange nicht. Zu den größten Skeptikern zählt nach wie vor der Wirtschaftsminister.

Auch nach der Zusage eines 50-Millionen-Euro-Kredits an Quelle sieht Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg das Schicksal des Versandhausunternehmens auf Messers Schneide. "Quelle ist mitnichten, wie einige sagen, jetzt gerettet", sagte der CSU-Politiker am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin.

"Quelle hat eine Chance bekommen, eine faire Chance, die bis 31.12. reicht. Aber ein solcher Kredit kann auch dazu dienen, dass eine geordnete Insolvenz inklusive Abwicklung stattfinden kann", sagte Guttenberg weiter. Er verteidigte das lange Zögern der Bundesregierung, den Massekredit für Quelle zu genehmigen. Entscheidend sei, dass das Geld der Steuerzahler wieder zurückfließen könne. "Deshalb war ich so hartnäckig bis zum Schluss", sagte der CSU-Politiker. "Wir haben erst gestern die letzten Zusagen bekommen. Und manchen die sagen, es müsste schneller gehen, kann ich nur sagen: Man muss seine Hausaufgaben erst mal machen."

Er demonstrierte auch ausdrücklich den Schulterschluss mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), der aus Bayern heftig attackiert worden war. Guttenberg sprach von dem "sehr vernünftig mit mir vorgehenden Kollegen Steinbrück".

Er kritisierte, dass einige den Kredit bereits vor zwei Wochen oder vergangene Woche hätten zusagen wollen. Gemeint war offenbar der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der die Zusage seit vergangener Woche massiven Druck für die Bewilligung des Kredits aufgebaut hatte. "Die Hartnäckigkeit werde ich mir weiterhin erlauben, unabhängig davon, ob es sich um ein fränkisches oder bayerisches Unternehmen handelt", sagte Guttenberg. "Das hat bei manchem Ärger ausgelöst, aber das ist mir, das muss mir im Sinne des Steuerzahlers egal sein."

Zuvor hatte der insolvente Versandhändler nach tagelangem Tauziehen doch noch die Zusage zu dem dringend benötigten Kredit über 50 Millionen Euro erhalten. Noch für Dienstag wird mit der Zustimmung der EU-Kommission und der Auszahlung des Geldes gerechnet. Der Kredit muss zum Jahresende zurückgezalt werden. Spätestens bis dahin muss das Geschäft des angeschlagenen Versanhandelsriesen wieder laufen.

Die Regierungen von Bayern und Sachsen wollen an diesem Dienstag nach entsprechenden Kabinettsbeschlüssen die Auszahlung anweisen, sagte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU). Der Bund werde die Staatsbank KfW beauftragen.

Mit dem sogenannten Massekredit soll Quelle den Geschäftsbetrieb zunächst aufrechterhalten können. Bayern und Sachsen übernehmen zusammen 25 Millionen Euro. Die anderen 25 Millionen Euro kommen vom Bund. Der Bund hatte bis zuletzt die Sicherheiten für den Kredit geprüft, während bayerische Politiker bereits vergangene Woche von einer Einigung gesprochen hatten. Ein Quelle-Sprecher sagte der Tageszeitung "Die Welt", die Kunden hätten angesichts der Querelen zuletzt deutlich weniger bestellt.

Fahrenschon sagte, der Kredit sei das langersehnte positive Signal für Quelle. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gab sich dagegen verhalten optimistisch. Er erklärte: "Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren." Dies sei aber kein "Selbstgänger". Er hoffe jedoch auf einen "guten Ausgang", sagte Görg.

In Bayern hängen nach Angaben des Betriebsrates mehr als 10.000 Arbeitsplätze an Quelle. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel sprach nach der Entscheidung von "riesiger Erleichterung". Der Kredit versetze Quelle in die Lage, den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen. "Das gibt wahnsinnige Motivation", sagte Sindel.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte die Entscheidung. "Damit bekommt Quelle in schwieriger Lage endlich eine faire Chance", sagte er laut Mitteilung. Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers sagte, man werde alles tun, um die jetzt eröffnete Chance zu nutzen. Der Chef der Versandsparte Primondo des Arcandor-Konzerns, Marc Sommer, betonte, Quelle habe in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung vollzogen weg vom traditionellen Versandhändler hin zum Internet-basierten Homeshopping-Anbieter. "Damit hat sich Quelle eine Perspektive erarbeitet, die durch die jetzige Entscheidung bestätigt wird."

Quelle kann derzeit seine Lieferanten nicht bezahlen und ist seit Wochen darauf angewiesen, dass sie im Vertrauen auf die Staatshilfe in Vorleistung gehen. Auch die Druckerei des Quelle-Katalogs begann Freitagabend im Vertrauen auf Staatshilfe mit der Auslieferung von mehr als 100.000 Katalogen.

Eigenes Geld hat Quelle nicht mehr, weil das Unternehmen kurz vor dem Insolvenzantrag alle finanziellen Mittel an den Mutterkonzern Arcandor überweisen musste.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker