Hauptversammlung USA setzen Siemens unter Druck


Auf der Hauptversammlung hat Siemens-Vorstand Kleinfeld die aktuellen Geschäftszahlen bekannt gegeben. Für Aufsehen sorgte allerdings eine Konfrontation mit US-Aktionären.

Der Technologiekonzern Siemens sieht sich politischem Druck aus den USA ausgesetzt, seine Geschäfte in Ländern wie Syrien und dem Sudan einzustellen. Siemens werde solchen Forderungen aber nicht nachgeben, so Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger auf der Hauptversammlung in München.

Mehrere staatliche Stellen und US-Pensionsfonds hätten Siemens aufgefordert, sich nicht mehr in von den USA so bezeichneten "Schurkenstaaten" wie dem Iran, Syrien oder Kuba zu engagieren. Regionale Behörden hätten den Pensionsfonds von New Jersey angewiesen, wegen der Sudan-Geschäfte der Münchener seine Siemens-Aktien bis 2008 zu verkaufen, sagte Neubürger. Ein staatlich kontrollierter kalifornischer Fonds habe den deutschen Konzern aufgefordert, seine Aktivitäten in dem ostafrikanischen Land aufzugeben und die dortigen Mitarbeiter zu entlassen.

Dem Finanzvorstand zufolge habe Siemens im Sudan zuletzt einen Jahresumsatz von 28 Millionen Euro verbucht. "Ein Rückzug ausländischer Unternehmen würde die Situation derzeit nicht verbessern", so Neubürger weiter. Zudem sei es aus rechtlichen Gründen nicht möglich, auf Wünsche einzelner Aktionäre einzugehen. Die Entscheidung über das weltweite Geschäft treffe alleine der Vorstand.

Jüngst gab die Schweizer Großbank UBS ihr Iran-Geschäft auf. Das Kreditinstitut hatte allerdings beteuert, diese Entscheidung nicht auf politischen Druck der Vereinigten Staaten gefällt zu haben.

Höherer Umsatz bei weniger Gewinn

Unterdessen überschattet die Sanierung der Problembereiche beim Siemens-Konzern weiter die Fortschritte im laufenden Geschäft. Umsatz und Auftragseingang stiegen zwar zum Start ins neue Geschäftsjahr so stark wie seit Jahren nicht mehr. Die Erlöse wuchsen auf vergleichbarer Basis um 22 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro. Zum Start ins neue Geschäftsjahr brach jedoch der Nettogewinn im ersten Quartal um 19 Prozent auf 813 Millionen Euro ein.

"Wir haben noch eine Reihe von Hausaufgaben zu erledigen", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Rasante Wachstumsraten bei Umsatz und Auftragseingang sowie Gewinnzuwächse in den meisten Geschäftsbereichen zeigten aber, dass der Konzern auf gutem Weg sei. Aktionärsvertreter kritisierten jedoch den hohen Preis bei der Trennung vom Handygeschäft. Siemens gab die Mobilfunkgeräte an den taiwanesischen BenQ-Konzern ab und ließ sich das mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten.

DPA/Reuters DPA Reuters

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