Hohe Strompreise Eon beschuldigt Politik und Staat


Wer hat Schuld an den steigenden Stromkosten? Für den Energieversorger Eon ist die Antwort eindeutig: "Der einzige Preistreiber ist der Staat", sagt Wulf Bernotat, Chef des Unternehmens, jetzt. Wären Steuern und Abgaben nicht so hoch, könnten die Preise sogar niedriger sein.

Eon-Chef Wulf Bernotat macht den Staat für die hohen Strompreise verantwortlich. Es gebe "nur einen Preistreiber im deutschen Strommarkt: den Staat", sagte der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Energiekonzerns in Düsseldorf. Der Preisanstieg für Haushaltskunden seit dem Beginn der Liberalisierung im Jahr 1998 gehe voll auf das Konto der von den Politikern beschlossenen Steuern und Abgaben. Ohne den Staatsanteil wären die Strompreise trotz steigender Kosten für Öl, Gas und Kohle gesunken, sagte Bernotat. Deshalb sei es unredlich, die zu Recht aufgebrachten Verbraucher an die Energiewirtschaft zu verweisen.

Eon beliefert mehr als eine Million Haushalte

Eon hatte zuvor angekündigt, die Strompreise um bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen, der Gaspreis soll um bis zu 8,8 Prozent steigen. Das Unternehmen beliefert bundesweit etwa sieben Millionen Haushalte mit Strom und 1,2 Millionen Haushalte mit Gas. Politiker und Verbraucherschützer reagierten auf die Ankündigung empört und forderten die Kunden auf, zu preiswerteren Energielieferanten zu wechseln. Nordrhein-Westfalen will die Preiserhöhungen kartellrechtlich prüfen lassen.

Bernotat wies auch Vorwürfe zurück, sein Unternehmen verschaffe sich überhöhte Profite auf Kosten der Verbraucher. Eon mache mit einer Rendite von 13 Prozent "keine exorbitanten Gewinne". Eine Kapitalrendite in dieser Höhe sei "absolut angemessen".

Der Eon-Chef reagierte damit auch auf die Äußerungen von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Der hatte gesagt, die staatlichen Abgaben für erneuerbare Energien seien nicht erhöht worden und machten nur vier Prozent an den Gesamtkosten aus. Dagegen betrügen die von den Stromkonzernen kassierten Netznutzungsentgelte 30 bis 40 Prozent.

Der Chef des Energieversorgers räumte aber eine "Vertrauenskrise" der Energiewirtschaft ein. Ein spürbarer Wettbewerb sei der einzige Weg, diese Krise zu überwinden, sagte Bernotat. "Ein Kunde, der wählen kann, ist ein zufriedener Kunde." Eon sei für diesen Wettbewerb gut gerüstet. Die Unternehmens-Niedrigpreismarke "E" habe seit ihrem Start im Februar rund 170.000 Kunden gewonnen. Im gleichen Zeitraum seien aus dem Stammgeschäft 60.000 Haushaltskunden abgewandert.

DPA/AP AP DPA

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