Milliardendeal Eon verkauft Hochstspannungsnetz an Tennet


Deutschlands größter Energieversorger Eon trennt sich von einem Teil seines Stromnetzes: Der niederländische Betreiber Tennet übernehme das Höchstspannungsnetz und zahle dafür 1,1 Milliarden Euro, bestätigte Eon. Der Verkauf könnte sich als Schlag gegen die von der Bundesregierung geplante Netz AG erweisen.

Der Energiekonzern Eon macht mit dem Verkauf eines Teils seines Stromnetzes den Weg für eine Neuordnung des Stromtransports in Deutschland frei. Der größte deutsche Versorger bestätigte am Dienstag, dass der niederländische Betreiber Tennet die Höchstspannungstrassen zum Jahresende für 1,1 Milliarden Euro übernimmt. Tennet sei ausgewählt worden, da das Unternehmen eine überzeugende langfristige Strategie für das Netz habe, sagte Eon-Chef Wulf Bernotat in Düsseldorf. Eon hatte im vergangenen Jahr den Verkauf des Netzes angekündigt und damit eine drohende EU-Kartellstrafe abgewendet. Das regionale Verteilernetz, das den weitaus größten Teil des Eon-Stromnetzes ausmacht, verbleibt hingegen im Konzern. Das Höchstspannungsnetz von Eon ist mit einer Länge von rund 10.700 Kilometern das zweitgrößte dieser Art in Deutschland nach den Trassen von RWE mit 11.300 Kilometern. Das Netz reicht von der dänischen Grenze bis zu den Alpen. Über die Stromautobahnen werden Eon zufolge mehr als 20 Millionen Menschen versorgt. Die für den Betrieb in Bayreuth gegründete Transpower Stromübertragungs GmbH beschäftigt rund 700 Mitarbeiter. Eon entledigt sich mit dem Verkauf auch hoher Investitionen, die für die Pficht zur Anbindung der Windenergie in den kommenden Jahren fällig werden.

Offenabr auch Vattenfall-Netz vor dem Verkauf

Der Verkauf an Tennet könnte sich als Schlag gegen die von der Bundesregierung geplante Netz AG erweisen, die alle vier deutschen Höchstspannungsnetze in einer Gesellschaft bündeln soll. Kreisen zufolge steht ein Konsortium aus Deutscher Bank, Allianz und Goldman Sachs vor dem Kauf des Höchstspannungsnetzes von Vattenfall. Die beiden übrigen Betreiber von Höchstspannungsnetzes in Deutschland - RWE und EnBW - lehnen einen Verkauf ihrer Stromautobahnen hingegen ab.

RWE bekräftigte am Dienstag erneut, man werde am eigenen Netz festhalten. "Es ist Kerngeschäft. Mehr noch: identitätsstiftend", sagte eine Sprecherin. Mehr Wettbewerb sei nach der Überzeugung von RWE keine Frage des Eigentümers, sondern des diskriminierungsfreien Netzzugangs und des bedarfsgerechten Netzausbaus. Beides stelle RWE sicher

Tennet weitet mit dem Kauf sein Kerngeschäft aus. In diesem Jahr hatte das Unternehmen bereits die Höchstspannungsnetze der niederländischen Versorger Essent, Nuon und Delta übernommen. Tennet hat zudem angekündigt, rund drei Milliarden Euro in den Ausbau des heimischen Stromnetzes und die Verbindungen mit dem Ausland zu investieren. Das Unternehmen mit seinen rund 600 Mitarbeitern erzielte 2008 einen Umsatz von 450 Millionen Euro. Tennet betreibt derzeit ein Netz mit einer Länge von 3500 Kilometern.

Reuters/AFP Reuters

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