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Lange Leitung Stromnetz-Ausbau um 3500 Kilometer gefordert


Für den Transport von Windenergie fehlen nach einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) 3500 Kilometer Hochspannungsleitungen im deutschen Stromnetz.

Das deutsche Stromnetz muss mit Milliarden-Aufwand um 3500 Kilometer ausgebaut werden, um die wachsenden Ökostrom-Mengen transportieren zu können. Bis 2020 müssten vor allem die geplanten riesigen Windparks in Nord- und Ostsee an die Industriegebiete im Süden und Westen angebunden werden, erklärte die staatliche Deutsche Energieagentur (Dena) am Dienstag in Berlin. Für diese Hochspannungsleitungen müssten rund sechs Milliarden Euro investiert werden. Die Kosten können die Netzbetreiber auf den Strompreis umlegen.

2005 hatte die Dena den Neubau von nur 850 Kilometer Leitungen bis 2015 als notwendig erachtet. Davon sind bisher weniger als 100 Kilometer gebaut. Insgesamt umfasst das deutsche Fernleitungsnetz rund 22.000 Kilometer. Die Dena gehört mehrheitlich dem Staat, hat aber auch Anteilseigner aus der Finanzbranche. Sie berät Regierung, Unternehmen und Endverbraucher. Der Abschlussbericht der Dena-Studie soll Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Der Netzausbau gilt als Schlüssel zur Integration des Ökostroms in Deutschland: Am Montag hatte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, im Reuters-Interview erneut auf einen schnellen Ausbau gedrängt. Von der Bundesregierung war in den vergangenen Jahren versucht worden, die vier großen Netzbetreiber zu einer Deutschen Netzgesellschaft zusammenzufassen. Dies war jedoch nach dem Verkauf des E.ON-Netzes und des Vattenfall-Netzes an ausländische Unternehmen gescheitert.

Merkel warnt vor Blockade des Leitungsausbaus

Kanzlerin Angela Merkel hatte im Zuge des Energiekonzepts der Regierung nochmal auf die Bedeutung der Netze hingewiesen. Mit Blick auf den großen Widerstand gegen den Bau von Hochspannungsleitungen hatte sie eine Informationskampagne angekündigt. Wer für Ökostrom sei, müsse auch für den Netzausbau kämpfen, hatte sie argumentiert.

Bis 2050 will die Regierung den Ökostrom-Anteil auf 80 Prozent ausbauen. Bis 2020 sollen es gut 35 Prozent sein. Daran hat sich auch die Dena in ihrer Studie orientiert.

Der Grünen-Energie-Experte Hans-Josef Fell bezweifelte die Zahlen der Dena und schätzt den Leitungsbedarf weit unter 3500 Kilometer ein. Die Zahlen ließen die großen Möglichkeiten eines dezentralen Ausbaus "mit Smart Grid und dezentralen Speichern" außer acht, sagte er. Wesentlich weniger neue Leitungen dürften genügen, um auch die Offshore-Windenergie in eine vor allem dezentrale Stromversorgungsstruktur integrieren zu können.

Die Energie-Infrastruktur ist auch ein Politik-Schwerpunkt der EU-Kommission. Energiekommissar Günther Oettinger kündigte an, sie in den Mitgliedsländern langfristig mit Geld aus dem EU-Haushalt zu unterstützen. "Wir brauchen 800 Millionen Euro im Jahr für die Ko-Finanzierung", sagte Oettinger der "Financial Times Deutschland". Über einen Zeitraum von zehn Jahren könnten damit Projekte im Volumen von 60 bis 100 Milliarden Euro angeschoben werden, die sich ohne öffentliche Unterstützung nicht rechnen würden, aber als "Solidaritätsinfrastruktur" unverzichtbar seien. Zugleich forderte er die Mitgliedsländer auf, der Energieinfrastruktur im Planungsrecht Priorität einzuräumen. "Wir brauchen Vorrang des öffentlichen Interesses vor lokalen oder privaten Interessen", sagte Oettinger.

Reuters/DPA DPA Reuters

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