Neue Energie für Eon Teyssen übernimmt Ruder beim deutschen Energiekonzern


Wechsel an der Führungsspitze: Der 49-jährige Johannes Teyssen löst an diesem Wochenende Wulf Bernotat ab, für sieben Jahre an der Spitze des größten deutschen Energiekonzerns Eon stand.

Von der Kernenergie bis zu Kohlekraft, von Strom- und Gaspreisen bis zum Klimaschutz: Der neue Eon-Chef Johannes Teyssen übernimmt in stürmischen Zeiten den Chefposten beim größten deutschen Energiekonzern. An diesem Wochenende wird der 49-jährige promovierte Jurist und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Nachfolger von Wulf Bernotat. Und der verabschiedete sich von Eon mit einem gelungenen milliardenschweren Verkauf in den USA: Für 7,6 Milliarden US-Dollar trennte sich der Konzern von seinen dortigen Aktivitäten.

Viel Zeit zur Einarbeitung in seinen neuen Spitzenjob bleibt Teyssen kaum. Schon in der kommenden Woche muss er den Aktionären des Unternehmens über das abgelaufene Geschäftsjahr 2009 auf der Hauptversammlung Rede und Antwort stehen. Doch das ist für Teyssen eher eine Routineübung. Der Manager ist ein Urgewächs des Eon- Konzerns und kennt sich in dem Unternehmen bestens aus. In der Branche wurde er schon vor Jahren als Nachfolger für Bernotat gehandelt. Kenner trauen dem bekennenden Fußballfan (FC Bayern München) und Vater von vier Kindern sogar zu, der neue "Frontkämpfer" der gesamten deutschen Energiewirtschaft zu werden.

Tatsächlich hat der gebürtige Niedersachse, der fließend Englisch spricht, in der Branche einen ausgezeichneten Ruf. Eon-Manager loben seine klaren Ansagen und sein rhetorisches Geschick. Sein gesamtes Berufsleben hat Teyssen bei Eon und dessen Vorgänger-Unternehmen verbracht. Stationen machte er unter anderem bei PreussenElektra und beim Regionalversorger Avacon. Eine der größten deutsch-deutschen Fusionen, den Zusammenschluss von Veba und Viag zu Eon, gestaltete er mit.

Dem ehrgeizigen Eon-Manager wurden seit Jahren Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt. Auch die Konkurrenz buhlte mehr oder weniger laut um ihn. Als Erzrivale RWE vor zwei Jahren einen neuen Vorstandsvorsitzenden suchte, fiel auch der Name Teyssen. Doch der Manager blieb Eon treu. "Ich bin sehr stolz auf dieses Unternehmen", bekannte er kurz vor vor seinem Amtsantritt.

Seine Geduld zahlte sich aus: Bernotat selbst kürte ihn Ende 2007 zu seinem Stellvertreter, später ernannte der Aufsichtsrat den Manager zum künftigen Vorstandsvorsitzenden. Nun warten auch Aufgaben auf Teyssen, die fernab des Tagesgeschäftes liegen. Es geht um Strategien und energiepolitische Themen. "Ich habe klare Aufgaben vor meinen Augen", sagt er. Aber mehr verrät er nicht.

So oder so - Teyssen muss sich künftig aus der Deckung wagen und Stellung beziehen zu strittigen Themen wie Kernenergie oder Kohlekraftwerke. Doch davor fürchtet sich der Topmanager nicht; er liebt den Diskurs und kontroverse Debatten. Und einmal mehr zeigt er Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Politik: Groß angelegte Politikerschelte auf Foren wie der Hauptversammlung werde es mit ihm nicht geben, beteuert Teysen. Teyssen zieht den direkten Kontakt mit jenen vor, die an den Schalthebeln der Macht sitzen - und er selbst sieht sich in der Politik bestens verdrahtet.

Peter Lessmannn und Erik Nebel, DPA DPA

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