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Einigung von Eon und Netzbetreiber Tennet: Gaskraftwerk Irsching bleibt doch am Netz

Das Gaskraftwerk Irsching bei Ingolstadt bleibt trotz seiner Unwirtschaftlichkeit am Netz. Der Energiekonzern Eon, die Bundesnetzagentur und der Netzbetreiber Tennet beschlossen den Weiterbetrieb.

Der Stromnetzbetreiber Tennet sichert auf Kosten der Stromkunden den Weiterbetrieb des schwach ausgelasteten E.ON-Gaskraftwerks Irsching. Für die kommenden drei Jahre erhalte Tennet die Betriebshoheit über die beiden Blöcke 4 und 5 mit einer Gesamtleistung von rund 1400 Megawatt, um das Energienetz zu stabilisieren, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen am Freitag in Irsching bei Ingolstadt. Im Gegenzug bekämen die Eigentümer je Block pro Jahr insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag. Damit könne der Standort mit auskömmlichen Margen wirtschaften. Die Zeche zahlen allerdings erneut die Stromkunden, auf deren Rechnung die Kosten umgeschlagen werden.

Die Eigentümer hatten geprüft, die erst wenige Jahre alten Anlagen vorübergehend stillzulegen. Die Bundesnetzagentur hatte sich für den Weiterbetrieb eingesetzt, zumal in der Region 2015 das Eon-Atomkraftwerk Grafenrheinfeld stillgelegt werden muss. Die Eigentümer hatten eine Entschädigung gefordert. Block 4 gehört dem Dax-Konzern alleine, an Block 5 sind zur Hälfte auch die Frankfurter Mainova, N-Ergie aus Nürnberg und die Darmstädter HSE beteiligt.

Stromkunden müssen die Zeche zahlen

Von einem Modellbeispiel auch für andere Anlagen wollte in Irsching keiner sprechen. Dabei hadern auch andere Versorger mit einer schwachen Auslastung ihrer Kraftwerke. Insbesondere viele Gaskraftwerke werden durch den in Deutschland vorrangig eingespeisten Ökostrom verdrängt und damit unrentabel. Entscheidend ist jedoch, welche Bedeutung die Anlage in der jeweiligen Region für die Sicherung der Stromversorgung hat. Der Energiekonzern RWE, dessen Gaskraftwerke auch unter Druck sind, sieht nach eigenen Angaben derzeit keinen Handlungsbedarf. Der Konzern verfüge über keine Anlage mit einer vergleichbaren Systemrelevanz, sagte eine Sprecherin.

Damit könnten sich die Zusatzkosten für die Stromkunden in Grenzen halten. Die Bundesnetzagentur und Tennet bestätigten, dass letztlich die Verbraucher zur Kasse gebeten werden. Tennet zahle zwar an die Eigentümer die Millionenbeträge, hole sich diese aber über die Netzgebühren von den Stromkunden wieder. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer betonte, dass aus dem Staatshaushalt kein Geld fließe. "Vom Land Bayern gibt es keinen Ausgleich. Das ist etwas, was sich im Strompreis wiederfindet." Tennet-Deutschlandchef Lex Hartman erklärte: "Das ist die volkswirtschaftlich beste Lösung."

Die beiden Gasblöcke in Irsching gelten als die modernsten der Welt und werden mit zwei Siemens -Turbinen der neuesten Generation betrieben. Allerdings konnten sie preislich im Wettbewerb nicht mithalten. Lediglich 2000 Betriebsstunden waren die Kraftwerke im vergangenen Jahr am Netz. Für das laufende Jahr rechnen die Betreiber bisher lediglich mit 1000 bis 2000 Stunden. Seit Jahresbeginn sind die Anlagen in den roten Zahlen. "Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte gewesen, wenn sie im Zuge der Energiewende hätten abgeschaltet werden müssen", sagte Teyssen. "Es ist jetzt eine faire Lösung, wir hätten uns noch eine bessere vorstellen können." Bis 2016 werde hoffentlich ein Marktmodell geschaffen, dass einen rentablen Betrieb ohne die nun getroffene Regelung erlaube, erklärten Teyssen und Seehofer.

ds/Reuters/DPA / DPA / Reuters