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Großbritannien 200 Euro für eine Frucht: Jackfruit-Hype treibt Preise in die Höhe

Der Hype um Jackfruits treibt derzeit Preise in die Höhe 
Der Hype um Jackfruits treibt derzeit Preise in die Höhe 
© Herwin Bahar/ / Picture Alliance
Auf Twitter kursiert derzeit ein Bild, auf dem eine Jackfruit abgebildet ist. Die Frucht soll unglaubliche 200 Euro kosten. Was die Jackfruit so teuer macht. 

In den vergangenen Wochen kursierte unter brasilianischen Twitter-Usern ein Bild. Zu sehen ist eine Jackfruit auf dem Borough Market, einem der größten und ältesten Lebensmittelmärkte in London. Die Frucht, die unter Vegetariern und Veganern sehr beliebt ist, soll umgerechnet stolze 200 Euro kosten. Der Post wurde fast 100.000 Mal geteilt. 

Warum diese Aufnahme die Brasilianer so sehr belustigt? Frische Jackfruits sind in vielen Teilen Brasiliens für umgerechnet einen Euro pro Stück zu haben. In vielen anderen tropischen Ländern sind sie ähnlich erschwinglich. Vielerorts können sie sogar einfach von den Bäumen gepflückt werden, aber viele verrotten einfach auf der Straße. Zumindest in Brasilien. Viele Twitter-User machen sich lustig und scherzen, sie würden nach Großbritannien fliegen, um durch den Verkauf von Jackfruits "Multimillionäre" zu werden.

Jackfruits dienen als Fleischersatz

Wie kann in Europa eine Jackfruit also so teuer sein? Wie immer gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot und Jackfruits sind aktuell als Fleischersatz sehr beliebt. Das Fruchtfleisch einer reifen Jackfruit ist im Geschmack eine süßliche Mischung aus Papaya, Banane und Mango. Die unreife Jackfruit hingegen ist innen eher weißlich und erinnert im Geschmack an Artischocke. Gart man es, erhält das Fruchtfleisch die leicht faserige Konsistenz von Hähnchenfleisch.

Hinzu kommt, dass die Jackfruit in kälteren Breitengraden nicht angebaut werden kann – und generell: Der Anbau lässt sich schwer kalkulieren. Der internationale Handel mit den Früchten ist nach Ansicht von Experten recht komplex und riskant, unter anderem wegen ihrer Verderblichkeit, ihrer Saisonabhängigkeit und ihres Volumens. Mit einem Gewicht von bis zu 40 Kilogramm ist die aus Asien stammende Frucht extrem verderblich und hat im Supermarkt nur eine kurze Haltbarkeit. Ist eine Jackfruit zu reif, wird sie als Fleischersatz unbrauchbar. Daher greifen viele zu Konserven oder abgepackten Früchten, die zwischen vier und fünf Euro kosten. 

Schwer zu transportieren 

"Die Jackfruit ist sehr schwer, wird sehr schnell reif und hat ein sehr eigenartiges Aroma, das nicht von jedem als angenehm empfunden wird", sagt Sabrina Sartori, Geschäftsführerin von Estancia das Frutas, einer Obstplantage mit 3000 Obstsorten im Bundesstaat Sao Paulo, gegenüber der BBC. Selbst in Brasilien variiere der Preis für Jackfruits, so die Expertin. "Es gibt Orte, an denen man sie kostenlos vom Baum pflücken kann. In anderen ist sie extrem teuer." 

Auch das Verpacken ist aufgrund der ungleichmäßigen Form, Größe und des Gewichts schwierig. Sie kann nicht wie andere Früchte in Kisten von Standardgröße verpackt werden. Dazu gibt es sichere Methoden, um allein anhand des Äußeren den Reifegrad festzustellen. "Viele Früchte aus Regionen wie Asien und Südamerika kommen mit Passagierflugzeugen nach Europa. Die Fluggesellschaften suchen jetzt nach Produkten mit höherem Mehrwert für den Frachtraum. Jackfruit ist leicht verderblich und ein Nischenprodukt, sodass es sich nicht lohnt, sie in großen Mengen zu importieren. All das treibt den Endpreis in die Höhe", sagt Fabrizio Torres, Inhaber von Torres Tropical BV, einem Importeur von exotischen Früchten mit Sitz in den Niederlanden, zur BBC. 

Trotz aller Hindernisse gehen aktuelle Studien jedoch von einer Expansion des internationalen Marktes für Jackfruits aus. Nach Schätzungen des Beratungsunternehmens IndustryARC soll sie bis 2026 ein Marktvolumen von 320 Millionen Euro erreichen.

Quelle: BBC, Twitter

yak

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