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Ifo-Berechnungen: Griechische Wirtschaft auf Drittwelt-Niveau

Die Euro-Zone zählt ein wirtschaftliches Entwicklungsland zu ihren Mitgliedern: Griechenland wird beim Bruttoinlandsprodukt mittlerweile von Staaten wie Peru und Vietnam übertroffen.

Von Martin Kaelble und Peter Ehrlich

Die griechische Volkswirtschaft stürzt ins Bodenlose. Nach exklusiven Berechnungen des Ifo-Instituts für die "Financial Times Deutschland" (FTD) dürften in diesem Jahr selbst die Länder Peru und Vietnam die Griechen bei der Wirtschaftsleistung überholen - vorausgesetzt, die Rezession in dem EU-Land fällt nicht größer aus als minus zwei Prozent. "Sollte wirklich eine dramatische Rezession von minus acht Prozent eintreten, dann könnten auch Bangladesch und Chile vorbeiziehen", so Steffen Elstner, Forscher am Ifo-Institut.

Damit würde 2012 das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewichtet nach Kaufkraft zum ersten Mal unter dem einiger Schwellen- und Entwicklungsländer liegen. Noch 2009 lag Griechenland auf Platz 35 der BIP-Weltrangliste. 2010 überholten dann die Schweiz, Österreich und Hongkong. 2011 schaffte Hellas laut Ifo-Berechnungen nur noch Platz 40 - die Ukraine und Singapur zogen vorbei.

Grund für den dramatischen Wohlstandsverlust ist die Schuldenkrise. Das Euro-Mitglied steckt in diesem Jahr immer noch in einer Rezession. Dies ist die Folge des radikalen Sparkurses der Regierung: Athen verringerte das Budgetdefizit, unter Herausrechnung von Konjunktureinflüssen und Zinslast, zwischen 2010 und 2011 laut Berenberg Bank um 11,5 Prozent. Das Ausmaß dieser Konsolidierung ist laut Industrieländerklub OECD historisch beispiellos.

Historisch beispiellos ist auch der dadurch verursachte Kollaps der Wirtschaft. Einige Experten fürchten, dass das BIP 2012 erneut um bis zu acht Prozent schrumpft nach voraussichtlich rund 6,5 Prozent 2011. "Es handelt sich wohl um die schwerste Rezession der Nachkriegszeit in einem westlichen Land", sagte Barry Eichengreen, Wirtschaftshistoriker an der Universität Berkeley, der FTD.

FTD

Von:

Peter Ehrlich und Martin Kaelble