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Insiderhandel: Razzia bei Air Berlin

Böser Verdacht gegen Air Berlin: Führende Manager sollen Insiderhandel im Zusammenhang mit der Übernahme der dba betrieben haben. Während Geschäftsräume und Privatwohnungen noch durchsucht werden, reagierte die Börse sofort.

Von Jenny Genger

Rund 50 Polizeibeamte und Mitarbeiter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) filzen seit Dienstagmorgen die Büros der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Zudem werden die Privatwohnungen unter anderem von Unternehmenschef Joachim Hunold und des Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Zurnieden durchsucht. Das teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Ein Sprecher von Air Berlin bestätigte die Durchsuchungen auf Anfrage der FTD. "Wir finden die Aktion absurd." Air-Berlin-Chef Hunold betonte: "Wir sind sauber." Der Aktienkurs der Fluggesellschaft reagierte sofort: Die Anteile von Air Berlin rutschten um 3,6 Prozent ins Minus. Im elektronischen Handel Xetra notierten sie bei 16 Euro.

Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten seit Anfang Juni 2006 Insiderwissen über die geplante Übernahme des Wettbewerbers dba durch Air Berlin verwendet haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie hätten kurz nach Abschluss einer Geheimhaltungsvereinbarung über den Beginn von Übernahmeverhandlungen massiv Aktien der Berliner Fluggesellschaft im Gesamtvolumen von rund 1,5 Mio. Euro erworben, noch ehe eine Ad-hoc-Mitteilung über den Erwerb der dba veröffentlicht worden sei.

Nicht die erste Razzia für Air Berlin

Nach einer Strafanzeige der BaFin wird laut Staatsanwaltschaft gegen sechs Beschuldigte aus dem Umfeld des Unternehmens ermittelt. Air Berlin sprach dagegen von fünf Beschuldigten. Neben Hunold und Zurnieden werde gegen drei Abteilungsleiter der Fluggesellschaft ermittelt. Bundesweit werden zehn Objekte durchsucht.

Air Berlin war vor zwei Jahren schon mal ins Visier der Fahnder gerückt. Das Bundeskartellamt durchsuchte damals die Büros der vier größten deutschen Ferienfluggesellschaften – neben Air Berlin, wurden auch bei der TUI-Tochter Hapagfly, Condor und LTU Unterlagen beschlagnahmt. Die Wettbewerbshüter gingen damals dem Verdacht nach, dass die Unternehmen unzulässige Absprachen über Provisionszahlungen an Reisebüros vorgenommen hätten. Dieser Fall sei im Sande zerlaufen, daraus habe es keine Konsequenzen gegeben, sagte der Air-Berlin-Sprecher.

FTD