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INSOLVENZ: »Im Moment tut sich nichts«

Die Verhandlungen über die Zukunft der Kirch-Gruppe sind offenbar an einem toten Punkt angelangt. Investoren und Banken behaupten, der jeweils andere sei am Zug.

Die Verhandlungen über die Zukunft der angeschlagenen Kirch-Gruppe sind offenbar an einem toten Punkt angelangt. Der Fernsehkonzern Mediaset des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi erklärte, in der jetzigen Lage wolle er kein Geld mehr in KirchMedia stecken. Man erwarte einen Vorschlag der Banken. Aus Bankenkreisen hieß es: »Im Moment tut sich nichts. Wir warten auf einen Vorschlag der Investoren.« Eine Entscheidung vor Ostern gilt als unwahrscheinlich.

Wer kriegt was?

Berlusconi, der amerikanische Medientycoon Rupert Murdoch, die Handelsgruppe Rewe und andere halten zusammen 21 Prozent an der KirchMedia. In Bankenkreisen hieß es, diese Investoren versuchten jetzt untereinander zu klären, wer bei der geplanten Übernahme der Mehrheit welchen Anteil bekommt und wie die Übernahme finanziert werden soll. Es gebe gute Argumente dafür, dass Murdoch und Berlusconi eine Hauptrolle spielten. Es kristallisiere sich auch heraus, dass Leo Kirch aussteige - ob ganz, hänge davon ab, was er dafür bekomme. Dabei würden mehrere Varianten diskutiert.

Verschiedene Banken, verschiedene Motive

Die Übernahme der KirchMedia soll nach den bisherigen Plänen mit einer Kapitalerhöhung um rund 800 Millionen Euro einhergehen. Widersprüchliche Angaben gab es darüber, ob die vier beteiligten Gläubigerbanken einen eigenen Anteil an der KirchMedia anstreben, um durch eine Sperrminorität direkten Einfluss auf die Restrukturierung zu nehmen, oder ob sie nur notgedrungen einen Anteil akzeptieren würden, um eine eventuell verbleibende Lücke zu schließen. Vielleicht hätten auch die einzelnen Banken hier verschiedene Motive, hieß es.

Zwischen Banken und Investoren strittig ist laut »Wall Street Journal« auch ein teilweiser Schuldenerlass für die KirchMedia. Kein zentrales Thema ist Bankenkreisen zufolge aber ein Überbrückungskredit von etwa 200 Millionen Euro. Die »Financial Times Deutschland« berichtete, wenn Kirch das Geld nicht in 24 Stunden habe, müsse er Insolvenz anmelden. Das Blatt zitierte einen Vertreter der Investoren mit den Worten: »Im Augenblick ist ein Bankrott von Kirch wahrscheinlicher als eine sofortige Übernahme durch uns.« Dagegen hieß es aus Finanzkreisen, mit solchen Äußerungen werde vor allem öffentlicher Druck aufgebaut. Ein Konkurs würde keinem der Beteiligten nützen.

Berlusconis Einstieg »nur Spekulation«

Die Bundesregierung bezeichnete Berichte, nach denen sich Berlusconi an der Übernahme beteiligen werde, als Mutmaßungen. »Mehr als eine Spekulation ist das zurzeit nicht«, sagte Sprecher Uwe-Karsten Heye. SPD-Fraktionschef Peter Struck äußerte sich besorgt, dass Murdoch und Berlusconi Einfluss auf ein deutsches Presseimperium bekommen könnten.

In der KirchMedia hat die mit mindestens 6,5 Milliarden Euro verschuldete Kirch-Gruppe ihr Kerngeschäft mit der Fernsehfamilie ProSieben.Sat.1, dem Filmgeschäft und den Fußballrechten gebündelt. Der defizitäre Abosender Premiere und die Beteiligungen am Axel-Springer-Verlag und an der Formel 1 gehören zu anderen Kirch-Firmen.