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Investoren abgesprungen Nachrichtenagentur dapd erneut insolvent


Wenige Wochen nach einem angestrebten Neuanfang hat die Nachrichtenagentur dapd erneut Insolvenz angemeldet. Trotz vertraglicher Verpflichtungen sind Zahlungen der Investoren ausgeblieben.

Die Nachrichtenagentur dapd hat am Freitag erneut Insolvenz angemeldet. Die dapd Nachrichtenagentur Beteiligungs GmbH habe beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen entsprechenden Antrag gestellt, teilte das Unternehmen mit. Als Grund wurden "unvorhergesehene strukturelle Schwierigkeiten" genannt, die ihre Ursachen in der vorangegangenen Insolvenz hätten. Geschäftsführer Ulrich Ende sei deswegen zu Nachverhandlungen mit den Investoren gezwungen gewesen. Die Gespräche hätten dazu geführt, dass die Investoren trotz vertraglicher Verpflichtung bisher nicht eingezahlt hätten.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg habe die Rechtsanwältin Petra Hilgers (Berlin) zur vorläufigen Insolvenzverwalterin ernannt. Der ehemalige Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma, der in diesem Fall selbst Gläubiger ist, habe sich bereits mit Hilgers abgestimmt, teilte dapd weiter mit. Am Freitagnachmittag seien die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über die Situation informiert worden.

Eine wechselvolle Geschichte

Dapd hatte bereits vergangenen Oktober überraschend Insolvenz angemeldet. Die beiden damaligen Eigner Martin Vorderwülbecke und Peter Löw hatten die Geschäfte der Agentur zuvor stark ausgebaut. Mit ihrem Ziel, dem Marktführer Deutsche Presse-Agentur (DPA) mit niedrigeren Preisen viele Zeitungskunden abzujagen, scheiterten sie aber. Nach der Pleite musste ein Drittel der 300 Mitarbeiter gehen. Mehrere Kunden kündigten ihre Verträge.

Geschäftsführer Ende, der erst seit Februar im Amt war, wollte zusammen mit Investoren einen Neuanfang starten und kündigte an, mehr als vier Millionen Euro an Eigenkapital für dapd zu sammeln. Dabei wurden zwei Investoren von Ende namentlich genannt: der Wiesbadener Unternehmer Christoph Bausinger und der westfälische Verleger Wolfgang Pabst.

Die dapd blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die Agentur wurde als Überbleibsel des deutschen Ablegers der US-Nachrichtenagentur UPI Anfang der 70er Jahre unter dem Namen Deutscher Depeschendienst (DDP) gegründet. Später fusionierte sie mit der ehemaligen DDR-Agentur ADN, ehe die ProSieben-Gruppe die Agentur 1998 übernahm. 1983 und 2004 war DDP schon zweimal in Insolvenz gegangen. 2004 wurde die Agentur von der Beteiligungsgesellschaft Arques übernommen, die damals unter der Führung von Vorderwülbecke und Löw stand. Ende 2009 übernahm sie den deutschen Dienst der amerikanischen Associated Press (AP) und benannte sich daraufhin in dapd um.

Deutschland gilt als einer der weltweit am härtesten umkämpften Märkte für Nachrichtenagenturen. dapd konkurriert auf diesem Markt unter anderem mit dem Marktführer DPA, der britischen Agentur Reuters und der deutschen Tochter der französischen Nachrichtenagentur AFP.

kgi/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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