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Hans-Martin Tillack: Ein Quantum Trost für Octofoxy

Der CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs bekam Geld von einer englischen Firma mit Geheimdienst-Connection und wurde darum bereits als "Octofoxy" verspottet. Sind die Vorwürfe gegen ihn wirklich eine "Unverschämtheit", wie er jetzt behauptet?

Auf Twitter nennen ihn Scherzbolde bereits Octofoxy. Gemeint ist der CDU-Fraktionsvize .

"Sein Name ist Fuchs, Michael Fuchs", so titelten wir über einem Artikel im stern, der gestern erschien. Es geht um einen Koblenzer Bundestagsabgeordneten, der auf den ersten Blick wenig mit James Bond gemeinsam hat. Aber dann sind da die engen Beziehungen des Christdemokraten zu der von ehemaligen Mitarbeitern des Auslandsgeheimdienstes MI6 mitgegründeten Londoner Beratungs- und Ermittlungsfirma Hakluyt & Company.

Über 13 mal bekam Fuchs seit August 2008 Honorare des Unternehmens. Laut seinen Angaben auf der Bundestagswebsite erhielt er die Zahlungen für Vorträge; die Nachrichtenagentur dapd zitierte ihn jetzt mit der Aussage, er halte Kurzreferate vor 20 bis 30 Kunden der Londoner Beratungsfirma und beteilige sich an Streitgesprächen. Bei Hakluyt selbst führt man ihn offenbar als „Berater“.

Dass Fuchs sich nun gegenüber der Agentur und inzwischen auch einigen weiteren Medien äußerte, kam fast ein bisschen überraschend. Denn bisher hatte er uns gegenüber erklärt, er wolle sich zu keinerlei Details öffentlich zitieren lassen, offenbar auch mit Rücksicht auf die Wünsche der publicityscheuen Londoner Firma. Und Fuchs war verärgert über die Recherche des stern. "Eine Unverschämtheit" nannte er unseren Artikel. Dennoch musste er einsehen, dass Schweigen nicht immer eine erfolgsträchtige PR-Strategie ist.

Der stern war von Abgeordnetenwatch auf die mögliche London-Connection hingewiesen worden. Bereits am Donnerstag vergangener Woche hatten wir bei Fuchs dazu angefragt – auch deshalb, weil auf der Website des Bundestages unter dem Namen von Fuchs über vier Jahre hinweg nicht der korrekte Name von Hakluyt & Company angegeben war, sondern der der Hakluyt Society, einer ehrwürdigen geografischen Fachvereinigung. Fuchs äußerte sich dazu zunächst nur mündlich und wollte sich dann mit seinen Aussagen aber keineswegs zitieren lassen. Nur eins wollte er gesagt haben: Er habe gegenüber dem Bundestag seine Tätigkeit für Hakluyt & Company immer korrekt angegeben.

Abgeordnetenwatch warf Fuchs dennoch vor, er habe die Öffentlichkeit "in die Irre geführt". Von diesem Vorwurf hat ihn gestern Abend vermeintlich die Landesschau Rheinland-Pfalz des SWR befreit – Fuchs war über den Beitrag jedenfalls so begeistert, dass er den Link gleich weitertwitterte.

Der SWR hatte von Fuchs Einblick in eine Meldung an den erhalten, in der er den Namen „Hakluyt & Co“ genannt hatte. Der Fehler liege beim Bundestag: „Entlastung für den Abgeordneten Fuchs“, verkündete die öffentlich-rechtliche Anstalt.

Uns gegenüber hatte die Parlamentsverwaltung den Vorgang etwas differenzierter dargestellt. Nur "einmal" habe Fuchs den Namen „Hakluyt & Co“ genannt, ansonsten einfach von Hakluyt gesprochen. So oder so bleibt es das Geheimnis von Fuchs wie auch der Parlamentsverwaltung seines Parteifreundes Norbert Lammert, warum die Bediensteten des Bundestages eine korrekte Angabe des Abgeordneten Fuchs in die unkorrekte Bezeichnung „Hakluyt Society“ hätten verwandeln sollen. Und das 13 mal in über vier Jahren. Zuviel Wodka-Martini? Zu wenig geschüttelt? Zu viel gerührt?

Und: Warum fiel Fuchs sowie seinen Mitarbeitern vier Jahre lang nicht auf, dass der Firmenname auf seiner Bundestagswebseite falsch angegeben war? Eine plausible Erklärung für den angeblichen Verwaltungsfehler könnte man sich ungefähr so zusammenreimen – auch wenn sie der Darstellung des CDU-Abgeordneten widerspricht: Nannte Fuchs verkürzt den Namen Hakluyt, fragte deshalb ein Bundestagsbeamter nach – und bekam er dann mündlich aus Fuchs’ Büro den Zusatz "Society" genannt? Die Bundestagsverwaltung ließ die Frage des stern unbeantwortet, ob es so gewesen sei - der Hergang lasse sich "nicht mehr rekonstruieren", erklärte die Verwaltung stattdessen. Indirekt verwies immerhin ein Ministerialdirigent der Bundestagsverwaltung gegenüber Fuchs auf die Möglichkeit, dass der Fehler in der Kommunikation mit dem Büro von Fuchs entstand. Es sei nicht auszuschließen, teilte der Parlamentsbeamte laut "Rhein-Zeitung" dem Abgeordneten mit, dass die Ergänzung Society „ohne Rücksprache mit ihrem Büro erfolgt ist“. Solche Rücksprachen sind also nicht ungewöhnlich.

Fuchs durfte gestern im SWR auch noch unwidersprochen verkünden, Hakluyt & Company sei eine "höchst seriöse, höchst honorige Firma" – was man laut Fuchs auch "mit ein bisschen Recherche", etwa„bei Wikipedia“, hätte herausfinden können.

Nun, das sagt zumindest etwas aus über die Seriösitätskriterien von Michael Fuchs. Empfand er also die verdeckte Ausforschung von Greenpeace, die Hakluyt vor einigen Jahren zugeben musste, als honorig? Hat der Christdemokrat doch eine größere Schwäche für Geheimdienstmethoden als bisher behauptet?

Fuchs verwies auch darauf, dass der ehemalige BDI-Präsident Hans-Peter Keitel im Beirat der Londoner Firma sitze. Das hatten wir im durchaus vermeldet. Aber wir zitierten auch, was uns Keitel hatte ausrichten lassen: Dass er von den vielen Reden seines ihm eigentlich gut bekannten Landsmanns Fuchs gar nichts mitbekommen habe. Er habe dazu "keine Kenntnisse", ließ er mitteilen.

"Eine kapitale Schweinerei" seien die Vorwürfe gegen ihn, durfte Fuchs am Ende des Landesschaubeitrags seufzen - ganz die verfolgte Unschuld. Schön also, dass es für ihn nun doch noch ein Quantum Trost gab – dank des .

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