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Islamic Finance: Erste Islambank für Deutschland

Ein türkisches Institut will in Frankfurt ein schariakonformes Geldhaus eröffnen. Die Chancen stehen gut: Die Finanzaufsicht zeigt sich aufgeschlossen.

Von Heinz-Roger Dohms

Erstmals kommt es in Deutschland zur Gründung einer Schariabank. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" bereitet das Istanbuler Institut Kuveyt Türk derzeit einen Antrag auf Zulassung eines solchen islamkonformen Geldhauses bei der Finanzaufsicht Bafin vor. Unterstützt werden die Türken von der Unternehmensberatung Ernst & Young und der Anwaltskanzlei Norton Rose.

Läuft alles nach Plan, soll der Antrag im Oktober eingereicht werden. Sitz der Bank wäre Frankfurt. Die ersten Filialen sind für Städte mit vielen muslimischen Einwohnern geplant - etwa Berlin. Ein Kuveyt-Türk-Sprecher wollte unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht Stellung nehmen.

Islamic Banking ist der Versuch, modernes Bankgeschäft zu betreiben, ohne das Zinsverbot des Korans zu verletzen. In der Immobilienfinanzierung etwa gibt die Bank dem Kunden kein verzinstes Darlehen - sondern kauft das Haus selbst und verkauft es dem Kunden später mit Aufschlag weiter.

Großer Testfall für Islamic Banking

Auf den ersten Blick scheint Deutschland mit seinen über vier Millionen Muslimen ein lukrativer Markt für schariakonforme Bankgeschäfte zu sein. Allerdings hat sich Islamic Banking hier bislang nicht durchsetzen können. In Großbritannien etwa ist es dagegen schon länger etabliert.

Kuveyt Türk wird damit zum großen Testfall, ob Islamic Banking in Deutschland tatsächlich funktionieren kann. Schon seit zwei Jahren unterhält das Institut eine kleine Filiale in der Mannheimer Innenstadt. Mangels Bafin-Lizenz sammeln die dortigen Mitarbeiter aber lediglich Geld ein und transferieren es an die Istanbuler Zentrale. Bankgeschäfte im eigentlichen Sinne darf Kuveyt Türk in Deutschland noch nicht betreiben.

Die Finanzaufsicht treibt das Thema voran. So veranstaltete die Bafin Mitte Mai in Frankfurt zum wiederholten Mal eine große Konferenz zum Thema islamische Finanzdienstleistungen. Per se spreche nichts gegen eine Vollbanklizenz für ein Institut mit dem Schwerpunkt Islamic Finance, heißt es bei der Behörde. Kuveyt Türk muss nur die gleichen Anforderungen erfüllen wie andere Banken.

Experten zufolge lauern die größten Probleme jedoch nicht im Aufsichtsrecht, sondern in Steuerfragen. So fiele bei der islamkonformen Immobilienfinanzierung die Grunderwerbsteuer zweimal an: beim Erwerb durch die Bank und nochmals beim Weiterverkauf an den Kunden. Dies würde das Produkt im Vergleich zu einer normalen Hausfinanzierung stark verteuern.

Gibt es einen Markt für islamische Bankprodukte?

Auch bei der Einlagensicherung gibt es Schwierigkeiten. Nach islamischem Recht darf es keine risikofreien Profite geben - und damit auch keinen Einlagenschutz, der Sparer absichern soll. In Großbritannien hat die Aufsicht das Problem gelöst, indem Kunden islamischer Banken auf den Schutz freiwillig verzichten dürfen.

Dass der deutsche Gesetzgeber Kuveyt Türk eine ähnliche Ausnahme erlaubt, gilt als unwahrscheinlich. "Das wäre ein Punkt, an dem ein islamischer Anbieter Abstriche machen muss, denn das Aufsichtsrecht gilt zu Recht für alle Banken", sagt Zaid el-Mogaddedi vom Frankfurter Institute for Islamic Banking and Finance.

Umstritten ist, ob es in Deutschland überhaupt einen Markt für islamische Bankprodukte gibt. Bei der Deutschen Bank hieß es, auch unter muslimischen Kunden gebe es hierfür "praktisch keine Nachfrage". Die Commerzbank stellte einen 2005 aufgelegten Islamfonds mangels Nachfrage wieder ein. Eine im Juli veröffentlichte Studie der Stresemann-Stiftung kommt zum Ergebnis: "Islamic Finance ist in Deutschland bisher weitgehend erfolglos geblieben."

FTD