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Italien deutlich herabgestuft: Moody's versetzt Eurozone neuen Schlag

Italien herabgestuft, Griechenland im Streik, und die nächste Bankenpleite droht: Für die Eurozone wird auch der Mittwoch wohl kein Glückstag. Ob es die Kanzlerin richtet?

Die Ratingagentur Moody's hat ihre Bewertung für italienische Staatsanleihen drastisch gesenkt - und zwar von "Aa2" auf "A2", versehen mit einem negativen Ausblick, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. In der derzeitigen Schuldenkrise hätten sich für hoch verschuldete Euroländer wie Italien die Refinanzierungsrisiken verschärft, begründete die Agentur den Schritt. Ihr Urteil lässt nichts Gutes erahnen: Das Vertrauen der Märkte sei erschüttert, schreibt Moody's, und die italienische Wirtschaft stehe vor großen strukturellen Herausforderungen. Das Risiko, dass Italien seine Haushaltsziele nicht erreichen kann, sei gestiegen und die staatlichen Reformbemühungen hätten gerade erst begonnen.

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi wiegelte in einer ersten Reaktion ab: Die Entscheidung sei erwartet worden. Man arbeite daran, die Etatziele zu erreichen. Die Pläne dazu seien von der EU-Kommission gut aufgenommen und akzeptiert worden. Das EU-Sorgenkind, dessen Staatsverschuldung im Juli auf mehr als 1,9 Billionen Euro anstieg, strebt bereits für das Jahr 2013 einen ausgeglichenen Etat an.

Im September hatte bereits die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Italiens von "A+" auf "A" herabgestuft. Als Grund verwies S&P auf pessimistischere Prognosen für das italienische Wirtschaftswachstum. Der Ausblick sei "negativ", begründete S&P damals den Schritt. "Die Herabstufung spiegelt unserer Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider." Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus, um gegenzusteuern. Der Regierung Berlusconi bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.

Der Fall Dexia macht Angst

Auch Äußerungen des Bundesfinanzministers geben keinen Anlass zur Hoffnung, dass die Eurokrise bald behoben sein wird. Wolfgang Schäuble warnte in Luxemburg vor einer europäischen Bankenkrise. Die große Sorge sei, dass die "beunruhigenden Entwicklungen an den Finanzmärkten in einer Bankenkrise eskalieren" würden, sagte der CDU-Politiker nach dem Treffen der Euro-Finanzminister. Die Minister hätten daher intensiv über die Lage im Bankensektor diskutiert.

Schäuble sagte, es sei vereinbart worden, dass alle Finanzminister beim kommenden Treffen über die Verfassung ihrer Banken und ihre Schritte zur Abwendung einer Krise berichten sollen. Es gelte zu vermeiden, dass die Krise sich über den Bankensektor noch weiter ausweite.

Erst am Dienstag war bekanntgeworden, dass die Regierungen in Brüssel und Paris die in Turbulenzen geratene französisch-belgische Bank Dexia notfalls mit einer Staatsgarantie absichern wollen - auch aus Angst vor einer europaweiten Bankenkrise. Die Märkte reagierten panisch, die Aktien des Finanzinstituts brachen zeitweise um knapp 40 Prozent ein. Dexia hatte schon im Zuge der letzten Finanzkrise 2008 staatliche Hilfe gebraucht.

Griechenland steht still

Bundeskanzlerin Angela Merkel will am heutigen Mittwoch in Brüssel mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso über die Schuldenkrise sprechen.

Im hochverschuldeten Griechenland geht dagegen vor allem im Luftverkehr gar nichts: Es wird gestreikt. wird Die Fluglotsen legen für 24 Stunden die Arbeit nieder. Auch Züge und die Athener Vorstadtbahn sollen betroffen sein. Ministerien und staatliche Unternehmen sowie Schulen sollen ebenfalls für 24 Stunden bestreikt werden. Um die Mittagszeit sind in Athen und anderen Städten des Landes Demonstrationen geplant.

Zu dem Streik haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände des staatlichen und des privaten Bereichs aufgerufen. Die Regierung will rund 30.000 Staatsbedienstete zu entlassen. Zudem sollen die Griechen in den kommenden Monaten den Gürtel noch enger schnallen und weitere 6,5 Milliarden Euro sparen.

ben/DPA/Reuters / DPA / Reuters