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Josef Ackermann: "Niemand will Kapitalismus pur"

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, schlägt zurück: Die massive Kritik an seiner Person bezeichnet er als "beschämend". Zugleich nimmt er die Kapitalismuskritiker ins Visier: Kein einziger Arbeitsplatz sei durch die Debatte entstanden.

Trotz guter Geschäftszahlen bleibt die Deutsche Bank im Kreuzfeuer der Kritik. Anlässlich der Hauptversammlung des deutschen Branchenprimus in Frankfurt am Main protestierten am Mittwoch rund 100 Betriebsräte und Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegen den geplanten Abbau von deutschlandweit 1920 Stellen. Auch für die Öffentlichkeitsarbeit des Geldinstituts in den vergangenen Monaten hagelte es harsche Kritik.

Heftige Kritik übten Aktionärsschützer vor allem an der Kommunikation der geplanten Streichungen von weltweit 6400 Stellen, die zeitgleich mit positiven Geschäftszahlen verkündet worden war. Dies hatte tagelang die Schlagzeilen dominiert und sogar einen Aufruf zum Boykott des Geldinstituts zur Folge gehabt.

Offenbar habe der Vorstand das Gespür für die Stimmung in Deutschland verloren, kritisierte DSW-Geschäftsführer Klaus Nieding, der von einem "medialen Gau" sprach. Angesichts des Victory-Zeichens von Vorstandssprecher Josef Ackermann beim Mannesmann-Prozess, der juristischen Auseinandersetzung zwischen Aufsichtsratschef Rolf Breuer und dem Medienunternehmer Leo Kirch und der Geschehnisse bei der Bilanz-Pressekonferenz, "muten die Peanuts von Herrn Kopper als ebensolche an", sagte er.

Aktionärsschützer Hans-Martin Buhlmann verglich die Selbstdarstellung der Bank mit einem "schlechten Film aus dem Kirch-Archiv". Unternehmerisch sei der Bank nichts vorzuwerfen - "aber in der Öffentlichkeitsarbeit machen Sie alles falsch", sagte er.

Ackermann räumte indes ein, dass die Ankündigung des Stellenabbaus zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgt sei - nämlich kurz nach der Bekanntgabe der Arbeitslosenzahl von mehr als fünf Millionen. Die Maßnahme selbst verteidigte er jedoch: "Es gibt viele Unternehmen in Deutschland, die haben wesentlich mehr abgebaut."

Schmerzhafte Stellenstreichungen

Die geplanten Stellenstreichungen seien "schmerzhaft", sagte Ackermann. Um die Zukunft des Geldinstituts als international erfolgreiche und unabhängige Bank zu sichern und weiterhin eine führende Rolle auf den globalen Märkten einzunehmen, seien diese Maßnahmen aber nötig.

Mit deutlichen Worten hat sich der Vorstandssprecher allerfdings gegen die Auswüchse der Kapitalismus-Kritik in Deutschland gewandt und vor negativen Folgen für das Ansehen im Ausland gewarnt. "Niemand - zumindest niemand, den ich kenne - will einen Kapitalismus pur und schon gar nicht einen Raubtier-Kapitalismus", sagte Ackermann.

Persönliche Angriffe seien beschämend

Gleichzeitig verwahrte er sich gegen persönliche Angriffe, die er als "beschämend" bezeichnete. "Die Anti-Kapitalismus-Debatte der vergangenen Wochen hat zwar das ganze Land in Atem gehalten - leider hat sie keinen einzigen Arbeitsplatz geschaffen", fügte Ackermann hinzu. Hierzu könne er nur sagen: "Der Aufschwung, den wir alle und dieses Land dringend brauchen, entsteht so nicht.

Vielmehr werde die deutsche Debatte auch im Ausland aufmerksam verfolgt, "und zwar mit Verwunderung und Kopfschütteln", so der Vorstand weiter. "Man fragt sich dort: Was hat man in Deutschland gegen ausländische Investoren? Was gegen erfolgreiche Unternehmen? Was gegen Unternehmer, die neues Kapital in unser Land bringen und damit neue Arbeitsplätze schaffen? Sollen die künftig einen großen Bogen um unser Land machen?"

Der Aufschwung sei machbar

Er sei überzeugt, dass der Aufschwung in Deutschland machbar sei. "Aber nur, wenn wir alle am selben Ende des Strangs ziehen - Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und der einzelne Bürger." Eine robuste Wirtschaft stärke auch die Demokratie.

Die Deutsche Bank sieht sich zudem auf einem guten Weg und will trotz massiver Kritik am geplanten Stellenabbau festhalten. Die Bank sei ihrem Ziel, "aus Deutschland heraus eine der Top-Banken der Welt zu führen, ein gutes Stück näher gekommen", so Ackermann. "Wir sind aber noch nicht am Ziel." Daher gebe es "zum eingeschlagenen Kurs keine Alternative".

Auch sonst zog der Vorstandssprecher eine positive Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres, in der die Bank einen Gewinn nach Steuern von 1,1 Milliarden Euro erzielte. Die Deutsche Bank habe ihre operative Stärke spürbar verbessert und sei "für die Zukunft gut aufgestellt", wie Ackermann sagte. Er schlug er die Ausschüttung einer Dividende von 1,70 Euro pro Aktie vor - 20 Cent mehr als im Vorjahr.

Trotz Dividende zeigten sich die Aktionärsvertreter mit dem Aktienkurs unzufrieden. Dieser habe sich regelrecht "kümmerlich" entwickelt, kritisierte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.