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Josef Ackermann: Machtkampf bei der Deutschen Bank

Eigentlich wollte er 2010 aufhören. Jetzt bleibt Josef Ackermann Vorstandschef bis 2013. Wie stern.de erfuhr, sprang er kurzerhand auf Wunsch einiger Großaktionäre ein, um den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig als neuen Bankchef zu verhindern. Jetzt macht Börsig nach außen gute Miene.

Von Hans-Ulrich Jörges

Der Vertragsverlängerung für Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank ist ein interner Machtkampf vorausgegangen. Wie stern.de zuverlässig aus Kreisen der Deutschen Bank erfuhr, wollte der 60-jährige Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig selbst die operative Spitze der Bank übernehmen und Ackermann ersetzen. Dessen Vertrag lief ursprünglich nur noch bis Mai 2010. Am vergangenen Sonntag habe Börsig dafür bereits im Aufsichtsrat die Weichen gestellt gehabt, hieß es. Hinter Börsig habe auch Anshu Jain gestanden, der führende Investment-Banker der Deutschen Bank in London.

Verschiedene Großaktionäre der Bank, ausländische Fonds, hätten die Berufung Börsigs jedoch abgelehnt, so dass die Weichen am Montag wieder anders gestellt werden mussten, erfuhr stern.de weiter. Auch Vertreter der Arbeitnehmer und der Gewerkschaft ver.di im Aufsichtsrat hätten gegen den Wechsel Börsigs opponiert und sich dann für die Verlängerung der Amtszeit Ackermanns ausgesprochen. Daraufhin, so hieß es weiter, habe ihm Börsig die Vertragsverlängerung bis 2013 antragen müssen. Der Aufsichtsratsvorsitzende gilt intern seit langem als Gegner Ackermanns.

Keine Chance für "Turbo-Weber"

Der Schweizer, so hieß es weiter, wollte eigentlich wie vorgesehen aus dem Amt scheiden und war seinerseits auf der Suche nach einem Nachfolger. Er habe, so erfuhr stern.de, Bundesbank-Präsident Axel Weber im Auge gehabt. Der 52-jährige frühere Wirtschafts-Professor gehört keiner Partei an, steht seit 2004 an der Spitze der Bundesbank und sitzt im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). In der Frankfurter Finanz-Szene hat er sich rasch einen guten Namen gemacht und den Spitznamen "Turbo-Weber" erworben.

Der Machtkampf an der Spitze der Deutschen Bank und das Scheitern Börsigs veranlasste Ackermann dann aber, seinen Plan fallen zu lassen und dem Drängen auf eine Vertragsverlängerung nachzugeben. Börsig machte dazu nach außen gute Miene. Ackermann habe die Bank strategisch gut aufgestellt und erfolgreich durch die Krise geführt, erklärte er zur Vertragsverlängerung des Rivalen. "Der Leistungsausweis der Bank für das erste Quartal 2009 ist ein eindrucksvoller Beleg dafür." Die Bank hatte 1,2 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern ausgewiesen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schwieg bislang zu Ackermanns Vertragsverlängerung. Von Friedrich Merz, ihrem schärfsten innerparteilichen Kritiker, erhielt er jedoch eine Glückwunsch-SMS.