Karikaturen-Streit Dänemark spürt Boykott-Folgen


Die Boykottbewegung in islamischen Ländern wegen der Mohammed-Karikaturen hat dem deutschen Außenhandel offenbar bisher nicht geschadet. Für die dänische Wirtschaft sieht das allerdings anders aus.

Die teils gewalttätige Protestwelle samt Boykottaufrufen wegen der in dänischen - und später auch deutschen - Medien veröffentlichten Mohammed-Karrikaturen hat der heimischen Exportwirtschaft noch nicht geschadet. Man habe "noch keine negativen Rückmeldungen aus der Region von Unternehmen erhalten", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel, Andre Schwarz, am Dienstag dem Deutsche Welle-TV. Allerdings sei es für eine Beurteilungen der Lage auch noch zu früh.

Molkereiprodukte boykottiert

Für die dänische Wirtschaft sind die Folgen des Aufruhrs dagegen schon jetzt schmerzhaft zu spüren. Die Molkereikette Arla Foods verzeichnet wegen eines Boykotts ihrer Produkte einen Verlust von zehn Millionen Kronen (1,3 Millionen Euro) pro Tag. Der Finanzexperte Steen Bocian von der Danske Bank schätzt, der Schaden könne sich auf zehn Milliarden Kronen im Jahr summieren, sollten die Menschen in zwanzig muslimischen Ländern den Boykottdrohungen ihrer Regierungen Folge leisten.

Dabei sind gar keine offiziellen Aufrufe, dänische Produkte zu meiden, notwendig. "Es wird eine immens schwierige Aufgabe, die Käufer zurückzugewinnen", sagt Arla-Sprecherin Astrid Gade Nielsen. Der deutsche Groß- und Außenhandelsverband hat dagegen laut Schwarz in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, "dass solche Boykottaufrufe nicht sehr fruchten". Das schließe aber nicht aus, dass es für einzelne Unternehmen in einer solchen Region "tatsächlich sehr schwierig ist, auch wenn wir die Auswirkungen nicht so spüren", sagte Schwarz.

Die Mehrheit der großen und mittelständischen deutschen Firmen, die in der Region und speziell im Iran aktiv seien, böten dort "Investitionsprodukte und die sind nicht so anfällig für solche Boykottaufrufe wie beispielsweise Konsumprodukte," sagte der Verbandsgeschäftsführer.

AP AP

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