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Boykottaufrufe im Netz: Toblerone produziert seine Schokolade jetzt halal – und erntet viel Kritik

Die bekannte Schokolade Toblerone ist jetzt halal zertifiziert. Die Anpassung, die schon im April durchgeführt und erst jetzt bekannt wurde, sorgt derzeit für viel Kritik im Internet. Aber wurden die Zutaten überhaupt geändert?

Ein dreieckiger Tobleroneriegel liegt ausgepackt neben der Verpackung

Toblerone produziert jetzt halal. Was genau geändert wurde, ist unbekannt. Die Aufregung im Netz ist trotzdem groß.

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Toblerone – die berühmte Schweizer Schokolade in Form von Dreiecken ist weltweit bekannt und beliebt. Das Unternehmen, das mittlerweile zum US-amerikanischen Lebensmittelgiganten "Mondelēz International" gehört, hat vor einigen Monaten seine Produktion für Muslime angepasst. Wie die Schweizer Zeitung "SonntagsBlick" zuerst berichtete, wurde die Produktion der Schokolade im April 2018 als halal zertifiziert. Auf stern-Anfrage bestätigte das Unternehmen den Vorgang. "Es ist richtig, dass das Toblerone-Werk in Bern nach Halal-Kriterien zertifiziert ist. Unser Werk in Bern ist die weltweit einzige Produktionsstätte der Toblerone", erklärte eine Sprecherin. Die Schokolade mit dem Halal-Zertifikat kann nun also auch problemlos von Muslimen genascht werden.

Toblerone ist jetzt halal zertifiziert: Was bedeutet das?

Häufig wird halal mit dem nach muslimischem Recht durchgeführten Schächten, einer speziellen Form von Tierschlachtung, verbunden. Dabei ist halal viel mehr als das. Das arabische Wort kann mit "erlaubt" oder "zulässig" übersetzt werden. Was erlaubt ist und was nicht, ist über das heilige Buch der Muslime, den Koran, geregelt. So ist es zum Beispiel Muslimen nicht erlaubt, Alkohol zu trinken, Schweinefleisch zu essen oder blutige Speisen zu sich zu nehmen. Für viele Muslime gilt auch jede Form der Tierquälerei als verboten. Hier könnte die Umstellung bei Toblerone auf halal bedeuten, dass beispielsweise Eier aus Käfighaltung nicht mehr für die Schokoladenherstellung verwendet werden. Ähnliches könnte auch für die Milchproduktion gelten. Es geht in dem muslimischen Reinheitsgebot aber nicht nur Lebensmittel. Auch die Herstellung alkoholischer Aromen oder das Reinigen von Produktionsinstrumenten mit Alkohol könnte eingestellt worden sein. Ob sich mit der Halal-Zertifizierung im April überhaupt etwas an den Zutaten und dem Herstellungsprozess verändert hat, bleibt aber unklar.

Auf die Frage, was konkret bei der Produktion geändert wurde, erklärte eine "Mondelēz"-Sprecherin nämlich nur: "Das Werk und alle produzierten Produkte wurden einer Zertifizierung unterzogen, die verifiziert, dass die Zutaten und der Produktionsprozess den Halal-Standards entsprechen. Für die Zertifizierung war es nicht notwendig im Produktionsprozess etwas umzustellen, auch die Originalrezeptur der Toblerone blieb dabei unverändert."

Entscheidung des Schokoladenherstellers wird auf Facebook heftig kritisiert

Ganz bewusst hat der Schokoladenhersteller seine bereits im April durchgeführte Zertifizierung nicht an die große Glocke gehängt. Für viele Konsumenten ist halal nämlich eher negativ konnotiert. Das war in der Vergangenheit auch daran zu sehen, dass Unternehmen, die öffentlich erklärt hatten, dass sie ihre Produktion auf halal umgestellt haben, mit Boykottaufrufen überzogen wurden. Der von "Blick" auf Facebook veröffentlichte Artikel zur Anpassung bei Toblerone wurde hundertfach kommentiert – und die Entscheidung des Unternehmens heftig kritisiert. So ist in dem Kommentar mit den meisten Likes zum Beispiel zu lesen, dass es "langsam lächerlich" werde und "widersprüchlicher" nicht mehr gehe. Andere User schreiben, dass sie Toblerone ab sofort meiden wollen.

🍫🇨🇭🕌 Damit auch Muslime unsere Schweizer Schoggi geniessen können, wird sie neuerdings so produziert, dass sie dem islamischen Reinheitsgebot entspricht.

Gepostet von Blick am Sonntag, 16. Dezember 2018

Eine Halal-Kennzeichnung auf der Verpackung der Dreieck-Schokolade soll es übrigens nicht geben.

Quellen: "Mondelēz"-Pressestelle /  "Sonntagsblick" / "Blick"-Facebookseite

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hh