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Karstadt: Zurück zu den Wurzeln

Das Stammhaus in Wismar ist zwar das kleinste Karstadt-Warenhaus überhaupt, aber wegen der historischen Bedeutung trennte sich der Konzern auch in seiner existentiellen Krise nicht von dem Gebäude. Jetzt wird gefeiert.

Mitten in der existenziellen Krise im vergangenen Jahr hat sich KarstadtQuelle auf seine Historie besonnen: Das Karstadt-Stammhaus in der Hansestadt Wismar blieb im Konzern, obwohl sich der Handelsriese von 74 kleinen, wenig rentablen Warenhäusern getrennt hat. Auch Wismar hätte veräußert werden können - mit einer Verkaufsfläche von 3100 Quadratmetern ist es das kleinste Karstadt-Warenhaus in Deutschland überhaupt. "Wir haben uns verbunden gefühlt zu den Wurzeln des Konzerns", hatte der Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff nach der Entscheidung für Wismar im August 2005 geäußert.

Ein Segen für Wismar

Für Wismar als Ursprungsort des heute größten Warenhaus- und Versandhandelskonzerns in Europa mit einem Umsatz 2005 von 15,7 Milliarden Euro ist der Erhalt des Standortes ein Segen. Die Stadt beteiligt sich daher rege an den Feierlichkeiten zum Karstadt-Doppeljubiläum in diesem Jahr: Am 16. Februar wird der 150. Geburtstag des Warenhausgründers Rudolph Karstadt (1856-1944) begangen, am 14. Mai der 125. Jahrestag der ersten Warenhauses. Der 25-jährige Kaufmann Karstadt hatte es 1881 in Wismar als "Tuch-, Manufaktur- und Confectionsgeschäft" eröffnet. Die 47.000-Einwohner-Stadt bekennt sich vom Donnerstag an schon mit ihren Ortseingangsschildern zu Karstadt: Sie erhalten den Zusatz "Karstadt Gründungsstadt", berichtet Stadtsprecher Frank Junge.

Das Warenhaus in seinem Gebäude aus dem Jahr 1908 präsentiert sich zum Karstadt-Geburtstag in neuem Outfit. "Die gesamte Möblierung ist weiß", berichtet Geschäftsführer Enrico Wallborn. 700.000 Euro sind seit Oktober bei laufendem Geschäft in das Haus investiert worden. Wismar gehöre zudem zu den ersten der nunmehr 90 Warenhäuser und 32 Sporthäuser des Konzerns, deren Personal neue schwarz-weiße Dienstkleidung trage. Zudem würden neue Marken angeboten. "Das Haus richtet sich höherwertig aus", sagt Wallborn.

Neue Ausrichtung

Damit liegt es direkt im Trend der 89 großen, die unter dem Motto "Faszination Warenhaus" die Warenhauskultur neu beleben wollen und sich auf die Bereiche Mode, Parfümerie, Freizeit und Medien konzentrieren, ohne zu einem Hochpreisanbieter zu werden. "Wir schwimmen nicht nur im Strom, sondern sind vielen größeren Häusern voraus", ist Wallborn mit seinen 50 Mitarbeitern stolz. Im Sortiment konzentriere sich das Wismarer Kaufhaus künftig auf Mode, Düfte, Accessoires und Lederwaren sowie auf den so genannten Living-Bereich mit Heimtextilien, Hausrat und Kurzwaren. Ein extra Freizeithaus biete Sport- und Spielwaren sowie den Multimedia-Bereich.

Zu den bis August andauernden Feierlichkeiten mit 125 Veranstaltungen werden Wallborn zufolge die Enkelin des Gründers Rudolph Karstadt erwartet sowie eine 98-jährige Wismarerin, deren Vater das Stammhaus von 1902 bis zur Enteignung 1948 leitete. "Ihr verdanken wir viele interessante Geschichten über das Haus", sagt Wallborn. Zum Beispiel, dass die ursprünglich leuchtend grünen Dachziegel während des Zweiten Weltkrieges aus Angst vor Bombenangriffen ausgewechselt wurden.

Karstadt-Gründer liegt in Schwerin

Rudolph Karstadt, der mit seiner damals neuen Geschäftspolitik - billige, feste Preise und nur gegen Barzahlung - die Warenhauskette in wenigen Jahren aufbaute, blieb Mecklenburg bis zu seinem Tode treu. Der gebürtige Grevesmühlener liegt in Schwerin begraben.

Birgit Sander/DPA / DPA